"Als ich 1998 mit dem Sammeln von Autos anfing, hatte ich davon überhaupt keine Ahnung", grinst der grauhaarige Aaron Weiss spitzbübisch, "ein Freund meines Vaters war Chevy Dealer und so war ich schon in jungen Jahren auf den Geschmack gekommen. Autos sind einfach etwas Tolles." Autosammler gibt es viele - insbesondere im ebenso autoverrückten wie finanzstarken Kalifornien. Doch so einen wie Aaron Weiss gibt es selbst im Großraum Los Angeles nicht noch einmal. Mit dem Verkauf und der Verpachtung von Gewerbeflächen hat Weiss im Laufe der Jahre Millionen verdient. "Ich habe mit einem Rolls-Royce Carmargue angefangen, weil ich dachte, Rolls-Royce seien die besten Autos der Welt", erinnert sich der der Geschäftsmann, "ein prominenter Nachbar von mir in Palm Springs hatte einen Silver Cloud I. Doch dann bin ich auf den Geschmack von einem Cadillac mit 16 Zylindern gekommen." Die zylinderreichen US-Vorkriegsjahre haben es Weiss seither besonders angetan. "Das sind zwar verdammt komplizierte Biester", schimpft er über seine millionenschweren Lieblinge mit ihren gigantischen Triebwerken, "aber wenn sie einmal laufen, gibt es nichts besseres."

Die Sammlung von Aaron Weiss befindet sich nicht zu Hause in einer standesgemäß ausstaffierten Garage neben dem obligatorisch prunkvollen Hauptgebäude, sondern liegt in einem namenlosen Gewerbegebiet von Pasadena. Von außen deutet an dem hellen Bau aus den frühen 90ern nichts auf die Weiss Car Collection hin. Besucher sind unerwünscht, zumindest wenn diese sich nicht einem guten Zweck verschrieben haben. Regelmäßig finden in den heiligen Autohallen Celebrity- und Benefizveranstaltungen statt - natürlich alles unentgeltlich. Das überrascht schon deshalb, weil Aaron Weiss seinen hauseigenen Fuhrpark sonst akribisch wie ein Aktienportfolio hortet und die Werte in den Himmel steigen lässt. "Es gibt eine einfache Regel: when the top gets down - the price gets up", sagt Weiss nüchtern. Heißt, lässt sich das Cabriodach bei einem Auto öffnen, wird es so richtig teuer für den Sammler.

Über die Jahre wuchs der historische Fuhrpark und bekam stattliche Dimensionen - zumeist mit 16 Zylindern. 33 Klassiker, zumeist von Cadillac und Marmon, stehen in der Ausstellung dicht an dicht. Insbesondere die historische Automarke Marmon aus Indiana hat es Aaron Weiss angetan. 71 Fahrzeuge von Marmon, einst Krone amerikanischen Automobilbaus, sind heute noch auf der Straße - die meisten von ihnen besitzt der Kalifornier - in jeglicher Farbe. "Ich hasse schwarze Autos", sagt der Autosammler in seinem bunt gemusterten Hawaii-Hemd, "es gab früher jede Farbe. Man konnte sich diese beim Autobauer aussuchen. So mache ich es heute auch und lackiere die Fahrzeuge nach meinen Wünschen." Das ist das einzige, wo es Weiss mit der Originalität beizeiten nicht so genau nimmt. Sonst sind die zahlreichen Vorkriegsmodelle peinlich akribisch restauriert - 99,5 Prozent sind nicht genug. Die Erfolge können sich sehen lassen, denn an den Wänden der Autosammlung finden sich nicht nur historische Automobilia, sondern auch zahllose Pokale und Plaketten von den größten Oldtimerveranstaltungen der Welt. Weiss ist Dauergast bei den elitären Klassikevents von Amelia Island oder Pebble Beach. Achtmal trat Winter an der Küste vor Monterey an - siebenmal landete er auf dem Podium.

Flying A Garage

Auf Autosuche geht Weiss zumeist zu nächtlicher Stunde. "Das kommt davon, wenn dich deine altersschwache Blase immer wieder aus dem Bett treibt und du nicht einschlafen kannst", erzählt er von den nächtlichen Beutezügen durch die Autobörsen des World Wide Web, "meine Frau behauptet, ich sei krank im Kopf. Und auch wenn ich ihr in allen anderen Dingen grundsätzlich widerspreche, hat sie damit wohl recht." Nicht zuletzt seine Frau hat ihn mittlerweile auf den Geschmack nach einer deutlich gewöhnlicheren Automarke gebracht. Seit Mitte der 90er Jahre fährt Ehefrau Weiss einen Mercedes E 320 - mit Spitznamen Fledermaus. "Der Wagen fährt und fährt und fährt - ohne jegliche Probleme. Sie will keinen anderen. Das hat sie dann auch einmal bei einem zufälligen Treffen Daimler-Chef Dieter Zetsche erzählt, der sich gewünscht hätte, dass wir öfter einmal einen neuen Mercedes kaufen und nicht nur den alten 320er bewegen", lacht Aaron Weiss, "bei den amerikanischen Herstellern ging es nach dem Ende der V16-Motoren nur noch bergab. Jetzt schaue ich öfter nach Mercedes-Klassikern. Die haben damals die besten Autos der Welt gebaut und außerdem gibt es nicht viele Marken, deren Klassiker solide und dauerhaft sechsstellige Preise erzielen."