| von Wolfgang Gomoll

Fans klassischer Automobile bekommen beim Namen Mulliner strahlende Augen. Baute doch die Karosserieschmiede H. J. Mulliner & Co. seit 1900 spezielle Karosserien für die Schönen und Reichen. Nach einer wechselvollen Geschichte sind die Veredlungsspezialisten bei Bentley gelandet. Die britische Nobel-VW-Tochter besinnt sich auf die Wurzeln dieser Handwerkskunst, das Resultat ist ein exklusiver Zweisitzer mit dem Namen Bentley Mulliner Bacalar. Der Name bezieht sich auf die "Laguna Bacalar", die Teil der mexikanischen Halbinsel Yucatan ist. Bentley bezeichnet den Zweisitzer als luxuriöse Reiselimousine und verspricht eine atemberaubende Leistung. Dafür ist vor allem der optimierte Sechsliter W12 Biturbo-Motor mit 485 kW / 659 PS und einem maximalen Drehmoment von 950 Newtonmetern.

Ein Allradantrieb, der die Kraft paritätisch zwischen den Achsen aufteilt, hilft, diese Kraft in unbändigen Vortrieb zu verwandeln. Sobald es die Verhältnisse erlauben, wechselt das Antriebskonzept zum klassischen Heckantrieb. Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe sorgt für schnelle Gangwechsel und das 48-Volt-Bordnetz samt elektrischer Wankstabilisierung für ein ruhiges Fahrverhalten. Das Fahrwerk mit Luftfedern garantiert eine spürbare Spreizung der Fahrmodi zwischen komfortabel und sportlich. Der Mulliner Bacalar hat bis auf den Keyless-Go-Türgriff, der vom Continental stammt, nichts mit den Karosserien der Bentley-Serienmodelle gemein und auch die hintere Spur ist um 20 Millimeter breiter als beim Continental GT. Mächtige 22-Zoll-Walzen füllen die breit ausgestellten Radhäuser. Das Cockpit umschmiegt den Fahrer und hinter den beiden Sitzen finden die exklusiv für den Bentley hergestellten Schedoni-Taschen perfekt Platz. Teil der Instrumente ist das rotierende Display, das im Bentley Continental GT seine Premiere feierte.

Die meiste Inspiration zieht der exklusive Zweisitzer aus der Studie Bentley EXP 100 GT, die der britische Autobauer im letzten Jahr vorgestellt hat. "Die Anleihen beim EXP 100 GT sind deutlich sichtbar, genauso wie die Einflüsse aus der Vergangenheit. Schließlich hat Bentley eine lange Tradition mit offenen Fahrzeugen, die in den 1920ern mit dem Birkin Blower begonnen hat", erklärt Bentley-Designchef Stefan Sielaff. Wie einzigartig der Nobel-Gleiter ist, zeigt die Tatsache, dass für jeden Sitz 148.199 Stiche für die Stickereien eines jeden Sitzes nötig sind. Die exklusiven Automobile werden nach den Wünschen der Kunden gestaltet und in Handarbeit aufgebaut, alle zwölf Exemplare, die gebaut werden, sind bereits verkauft. Bentley setzt dabei auf möglichst viele nachhaltige Materialien. Für das Cockpit wird zum Beispiel Riverwood-Holz, von natürlich gefallenen Bäumen, die rund 5.000 Jahre in den Flüssen und Seen Ostenglands lagen, verwendet. Über den Preis schweigen sich die Engländer aus, aber der Bentley Mulliner Bacalar dürfte alles andere als ein Schnäppchen sein.