| von Stefan Grundhoff

In den Portfolios von Rolls-Royce und Bentley sucht man ein reines Elektroauto aktuell vergeblich. Rolls-Royce krempelte in den vergangenen drei Jahren sein ganzes Portfolio um. Komplett neu entwickelt wurden nicht nur das Aushängeschild Phantom und der ganz frische Ghost, sondern man legte mit dem Cullinan erstmals - überaus erfolgreich - auch einen Geländewagen auf. Doch elektrisiert ist keines der Modelle und im Gegensatz zum direkten Wettbewerber Bentley gibt es noch nicht einmal Plug-in-Hybriden. Der exklusive Ableger des Volkswagen-Konzerns mit Sitz im britischen Crewe bietet aktuell seinen SUV vom Typ Bentayga als Plug-in-Version an. Im kommenden Jahr soll der Flying Spur als neues Topmodell der Marke folgen.

Bis 2025 will Bentley sein komplettes Portfolio elektrifizieren - entweder mit Elektroautos oder zumindest Hybridversionen. Ganz ähnlich sieht es bei Rolls-Royce aus, doch der wohl exklusivste Autohersteller der Welt überspringt zumindest nach aktuellen Aussagen die Übergangstechnik der Plug-in-Hybriden komplett. Noch vor Mitte des Jahrzehnts will man auch hier ein erstes Elektrofahrzeug als komplett neues Fahrzeug präsenteren. Ob man auf lange Sicht auf die Hybridtechnik komplett verzichten kann, wird sich zeigen. Das dürften nicht zuletzt die gesetzlichen Rahmenbedingungen entscheiden, ob Einfahrten in Innenstädte auch langfristig mit einem Verbrenner möglich sein werden. Nachdem BMW sein prächtiges V12-Triebwerk aus dem Siebener-BMW verbannte, lebt der 6,6 Liter große Zwölfzylinder als Prachtstück im Hause Rolls-Royce vortrefflich weiter. BMW entwickelt gerade einen komplett neuen V8-Doppelturbo, der in den leistungsstärksten Versionen dann nicht nur über ein 48-Volt-Bordnetz verfügt, sondern auch mit Elektromotoren gekoppelt werden kann. Diese Technik wäre auch für Modelle wie Cullinan, Ghost oder Phantom verfügbar - die Group-Verbund macht es möglich.

Auch Bentley setzt bei seinen Modellen auf einem imageträchtigen Zwölfzylinder; im Gegensatz zu Rolls-Royce jedoch ein W12-Triebwerk des Volkswagen-Konzerns. Bis zum Jahre 2030 will Bentley das komplette Modellangebot auf elektrische Antriebe umstellen. "Nun, da wir mit unserer Strategie Beyond100 in das zweite Jahrhundert unserer Firmengeschichte blicken, werden wir weiter als Speerspitze fungieren und das Unternehmen neu erfinden, um weiterhin den weltweiten Maßstab im Segment der Luxusfahrzeuge zu setzen", so Bentley-CEO Adrian Hallmark, "diese Veränderung voranzutreiben, umfasst nicht nur unsere Produkte, sondern geht weit darüber hinaus. Es ist ein Paradigmenwechsel für unseren gesamten Geschäftsbetrieb, der Glaubwürdigkeit, Authentizität und Integrität erfordert. Innerhalb eines Jahrzehnts wird Bentley sich von einem 100 Jahre alten Luxusfahrzeughersteller in ein neues, nachhaltiges, ganzheitlich ethisches Vorbild für Luxus entwickeln." Doch der Dutzendzylinder wankt auch in Crewe. Gerade in Europa setzt man längst auf beinahe ebenso leistungsstarke Achtzylinder mit weit über 500 PS, während die Hybriden gar an wenig imageträchtige Sechszylinder gekoppelt sind.

Bis 2023 soll jedes Modell der Palette auch als Plug-in-Hybrid zu bekommen sein. Der erste rein elektrische Bentley kommt 2025 und ein Jahr später wird es aus Crewe nur noch Plug-in-Hybride und Elektroautos geben - das war es dann wohl mit den W12-Triebwerken in Continental, Flying Spur und Bentayga. Darüber hinaus haben es sich die Briten zum Ziel gesetzt, bis 2030 vollständig CO2-neutral zu werden; wobei die Fertigung in Crewe nach dem Jahre 2030 eine positive Klimabilanz aufweisen soll. Das Jahr 2030 könnte dann zum großen Wechseljahr werden, denn auch Rolls-Royce kann sich langfristig eine Zukunft als reine Elektromarke durchaus vorstellen. Wohl auch in rund zehn Jahren - was für ein Zufall.

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