Das Image des BMW 2er Active Tourer ist zweigeteilt, wie es kaum sein könnte. Selbst BMW-intern wird der kompakte Van seit Jahren belächelt, doch viele fahren ihn überaus gern als Dienstwagen. Der Grund für die Spaltung liegt auf der Hand, denn die Symbiose aus dem lange Jahre gerade bei BMW verachteten Frontantrieb und einem hoch bauenden Familienvan hatte so gar nichts mit den ureigenen Kernwerten der Erfolgsmarke zu tun. Doch drehfreudiger Reihensechszylinder vorn, jede Menge Fahrfreude und der obligatorische Hinterradantrieb - diese Zeiten sind in München längst vorbei. Das größte Werk befindet sich in Spartanburg / USA, rund ein Drittel aller Fahrzeuge tragen mittlerweile ein X im Namen und die so prächtigen Reihensechszylinder haben nur noch einen verschwindend geringen Verkaufsanteil im gigantischen Portfolio.

Alles in allem genug Gründe, den 4,35 Meter langen BMW 2er Active Tourer nicht zu lieben, doch genau der ist ein klasse Auto. Fahrdynamisch voll auf der Höhe, praktisch zudem und wer einen Bogen um die allenfalls mäßigen Dreizylindertriebwerke macht, wird an dem Familienvan seine helle Freude haben. Natürlich nicht die gleiche, wie bei Coupé oder Limousine mit Motorleistung satt, einem ebenso wie sanften Reihensechszylinder und einer knackigen Handschaltung. Doch die Zeiten ändern sich und diese Zeiten sind zumindest in den Volumensegmenten einfach vorbei - sei dies nun schade oder eben auch nicht. Der BMW 2er Active Tourer ist einer der besten Vans, die man in Deutschland für jede Menge Geld kaufen kann. Man kann BMW vorwerfen, dass die Modellpflege nun allzu dünn ausfiel, man sich Peinlichkeiten zu erlauben, wie zeitgemäßes LED-Licht nur gegen Aufpreis anzubieten oder für ein vernetztes Navigationssystem tatsächlich noch mehr als 2.500 Euro Aufgeld haben zu wollen. Doch all das sieht bei der Konkurrenz kaum anders aus. Audi hat bisher auf einen Familien verzichtet, die Mercedes B-Klasse ist optisch so langweilig, dass man schon bei der Betrachtung des Verkaufsprospekts in einen wochenlangen Schlaf fällt und die anderen Vans haben eben Logos von Opel, Peugeot, Ford oder Toyota auf dem Kühlergrill.

Doch jeder möchte allzu gern das Fahrzeug einer Premiummarke in seiner Einfahrt wissen und da ist und bleibt der 2er Active Tourer eben ein Volltreffer. Ein Volltreffer deshalb, weil das Design passt, das Platzangebot stimmt und die fachlichen Qualitäten des 2ers unbestritten sind. Bleibt allein die Frage, ob BMW sich zwei Van erlauben musste, denn 2er Active Tourer und 2er Gran Tourer liegen nah beieinander. Das Längenplus und die zwei verzichtbaren Notsitze in der dritten Reihe des Gran Tourers braucht man nicht unbedingt, weshalb der größere Verkaufserfolg des Active Tourers nicht überraschen mag.

Sechs, sieben oder acht Gänge

Für die meisten dürfte der 140 PS starke BMW 218i an sich die rechte Wahl sein, doch der Dreizylinder-Turbo ist einfach keine Idealbesetzung und so lockt der 192 PS starke 220i, der in der empfehlenswerten Sport Line mit LED-Scheinwerfern, elektrischer Heckklappe, Sportsitzen und Einparkhilfe stattliche 39.850 Euro kostet. Wer sich lieber den sparsamen Diesel gönnen möchte, hat die schwere Wahl zwischen 218d mit 150 PS und 220d mit 190 PS, die beide vom identischen Zweiliter-Diesel angetrieben werden. Beide lassen sich empfehlenswert um Getriebeautomatik (serienmäßig beim 220d) und Allradantrieb erweitern. Die Fahrleistungen dürften jeden Familienvater zufrieden stellen, der sich für einen Van interessiert. 214 km/h Spitze und 0 auf 100 km/h kaum mehr als acht Sekunden dürften hier weniger ins Gewicht fallen als ein niedriger Normverbrauch von 4,4 Litern Diesel.

Bei den Getriebevarianten blickt man zunehmend weniger durch. Manuell gibt es für die Basisversionen des 2er Active Tourers die bekannte Sechsgang-Handschaltung. Während bei den stärkeren Benzinern ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe die Schaltarbeit übernimmt, arbeitet bei den Dieselversionen mit mehr Drehmoment unverändert die sehr gute Achtgang-Automatik. Vorteil für die Kunden: ihnen kann der Unterschied, ob die Siebengang-Doppelkupplung für sie schaltet oder eine Achtstufen-Getriebeautomatik schlicht egal sein. Sie merken nur, dass es gut funktioniert.

Kraftvoller Diesel

Platz hat der BMW 2er Active Tourer für zwei Erwachsene und zwei potenzielle Kinder allemal genug. Das gilt Dank 2,67 Metern Radstand nicht nur für die erste, sondern auch die zweite Reihe. Der Laderaum schluckt 468 bis 1.510 Liter. Braucht jemand mehr? Die hinteren Einsitze lassen sich mit zwei bis drei Handgriffen umklappen und die Zuladung liegt bei guten 525 Kilogramm. Ablagen und Bedienung sind über jeden Zweifel erhaben - da kann auch die nächste Langstreckentour kommen.

Da auch in dieser Klasse immer weniger Leute die Gänge manuell einlegen wollen, darf es gerne die stärkere der beiden Varianten sein, denn der BMW 220d mit 140 kW / 190 PS zieht auf der Autobahn nennenswert besser durch und kann dann glänzen, wenn es flotter zur Sache geht oder der Active Tourer öfter munter beladen wird. Doch dann sind eben 43.600 Euro für die Version mit Frontantrieb und 45.700 Euro für den Allradler angesichts der mittelprächtigen Ausstattung der Sport Line ein üppiger Preis. Die Luxury Line bietet darüber hinaus noch beheizbare Ledersitze, die die zusätzlichen 1.150 Euro in jedem Fall wert sind. Wieso sich die Fondsitze nicht beheizen lassen, bleibt ein BMW-Geheimnis. Scheinbar sollen Kinder und andere Mitfahrer hinten nur der zweiter Klasse sitzen, weil auch eine getrennte Klimaregelung und USB-Anschlüsse fehlen. Doch sonst ist dem BMW 220d Active Tourer nichts vorzuwerfen. Die Abstimmung von Federn und Dämpfern passt, die Lenkung ist überaus präzise und nicht zu leichtgängig.

Kein Gedanke daran, dass man sich die 500 Euro teure einstellbare Dämpferabstimmung oder gar die 250 Euro teure Sportlenkung gönnen muss. Wir sitzen schließlich in einem Familienvan und in keinem Sportwagen. Sinnvoll ist der um zehn auf 61 Liter vergrößerte Tank, den sich BMW mit 50 Euro bezahlen lässt. Dass die Klimaautomatik ebenso 590 Euro Aufpreis kostet, wie anklappbare Spiegel (250 Euro), abblendbarer Innenspiegel (170 Euro), Armauflage (150 Euro) oder das Navigationssystem Plus für 2.690 Euro ist beinahe unverschämt, selbst wenn es dann im Paket mit dem ausfahrbaren Head-Up-Display geliefert wird. Kabelloses Aufladen des Mobiltelefons (500 Euro), DAB-Tuner (320 Euro) und Echtzeit-Navigationsdaten (160 Euro) kosten selbst dann nochmals extra. So etwas bieten nicht nur viele asiatische Konkurrenten längst serienmäßig. Der BMW 220d Active Tourer ist zwar klasse, aber eben auch richtig teuer; nicht nur beim Grundpreis, sondern gerade bei den kleinen Extras, die sich in Verbindung mit verschiedenen Fahrerassistenzfunktionen schnell auf deutlich mehr als 5.000 Euro verteuern. Ein Totwinkelassistent ist nach wie vor überhaupt nicht lieferbar. Es war eben schon immer ein teures Vergnügen, einen BMW zu fahren - da macht ein Van keinen Unterschied zu Limousine, Cabrio, Coupé oder Crossover.