Klar sieht man auf den ersten Blick, dass der Alpina B4 S kein normales 4er Coupé ist; doch so recht kann man ihm seinen gewaltigen Tatendrang, der unter der Motorhaube züngelt, dann doch nicht erahnen. Die Allgäuer gehen seit Jahren überaus erfolgreich optisch den Weg des dezenten Understatements. Dabei haben es die Fahrzeuge aus dem Buchloer-Modellportfolio durch ihre Fahrleistungen faustdick hinter den Ohren. Da macht das Alpina B4 S Coupé keinen Unterschied zu seinen großen Brüdern. Dank doppelter Aufladung kann sich der zum Pilot gewordene B4-Fahrer in diesem Sommer über einen nennenswerten Leistungsnachschlag auf 324 kW / 440 PS freuen. Das maximale Drehmoment ist mit 660 Nm bei niedrigen 3.000 U/min nicht weniger eindrucksvoll und gerade bei kurzen Spurteinlagen eine echte Versuchung. Im Vergleich zum Vorgänger bietet der B4 S die leicht nachgeschärfte 4er-Optik des 2018er Modelljahres und einen Leistungszugewinn von 30 PS und 60 Nm. Die Optik bleibt dabei weitgehend gleich. Der sportliche Tatendrang des BMW Alpina B4 S Coupés wird durch die Schürzen rundum, den 20-Zoll-Radsatz, Heckspoiler und Vierrohr-Auspuffanlage immerhin für diejenigen bekräftigt, die wissen, dass Alpina mehr ist als ein heiß gemachter BMW.

Den Leistungsnachschlag zwischen B4 und B4 S im normalen Alltagsbetrieb herauszufahren, ist ein Ding der Unmöglichkeit und so genießt man in wohl konturierten Lederstühlen, dass das BMW Alpina B4 S Coupé Dampf aus allen Drehzahlbereichen heraus hat und auf der Autobahn nur eine Handvoll ernsthafter Wettbewerber fürchten muss. Denn das elegant veredelte 4er Coupé ist einer, mit dem man sich nach dem Alpina-Trimm nicht unbedingt anlegen sollte. Der kann, aber will nicht immer nur spielen. Der Durchzug des doppelt aufgeladenen Reihensechszylinders ist bereits aus dem Drehzahlkeller gewaltig. Dabei sind Klangvergnügen und Außendarstellung im Vergleich zu einer Sportskanone wie dem BMW M4 mehr als zurückhaltend. Denn der Bayer spurtet aus dem Stand in 4,2 Sekunden auf dem Tempo 100, durchbricht die 200er-Marke in 13,6 Sekunden und erst bei 306 km/h macht der Luftwiderstand noch höheren Tempi einen Strich durch die Rechnung. Deutlich vergrößerte Kühler in der Front sorgen dafür, dass dem Hochleistungstriebwerk nicht bei Volllastorgien die Kraft ausgeht. Der Normverbrauch: 7,9 Liter.

Wer sich für den empfehlenswerten Allradler entscheidet, bekommt geringfügig bessere Spurtwerte, eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin noch 303 km/h und bringt die 440 PS nicht nur bei rutschiger Piste etwas effektiver auf die Fahrbahn. Die heckgetriebene Version bietet außer der geringfügig präziseren Lenkung und der geringeren Neigung zum Untersteuern an sich keine Vorteile. Also wenn schon ein Alpina B4 S, dann gerne gleich auch den Allradler. Motor, Getriebe und sportliches Gesamtpaket passen dabei vorbildlich mit der gewohnt souveränen Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF zusammen. Völlig anders als der indirekte Wettbewerber BMW M4 zeigt sich das Alpina Coupé deutlich komfortabler und langstreckentauglicher, ohne dabei zu einer müden Sänfte zu verkommen. Das adaptive Sportfahrwerk macht gerade im Normalmodus namens "Comfort" einen ausgezeichneten Job. Wer auf die Landstraße wechselt, wählt per Taster den Sportmodus an und bekommt ein perfekt angefixtes Paket. Die beiden Randprogramme Sport Plus und Comfort Plus kann man getrost sich selbst überlassen, außer man drückt gerne in Untermenüs herum. Sie braucht kein Mensch. Die Bremsanlage (370 mm vorn / 345 mm hinten) mit Aluminium-Festsätteln vorne ist dem nennenswerten Leistungsnachschlag von 326 Serien- auf 440 Alpina-PS allemal gewachsen; könnte sich gerade im zugegeben seltenen Rennstreckenbetrieb jedoch gerne noch eine Spur bissiger präsentieren.

Im Innenraum des 4,64 Meter langen B4 S Coupés gibt das bekannte BMW-Interieur, das nach der Alpina-Kur etwas schicker und wertiger geworden ist. Die blau unterlegten Instrumente sehen anders und einfach schick aus. Sonst ist abgesehen vom Lenkrademblem alles so, wie man es aus dem Standardmodell kennt. Die Sitzposition vorn ist wie in jedem 4er unverändert etwas zu hoch und im Fond können ernsthaft kaum mehr als Kinder sitzen. Immerhin schluckt das Laderaum 445 Liter, die sich durch Umlegen der Rückbank nochmals vergrößern lassen. Und wem das Serienpaket nicht reicht, kann beim mindestens 75.300 Euro teuren BMW Alpina B4 S Coupé nochmals als dem Bestellkatalog draufsatteln.