| von Stefan Grundhoff

Der neue 4er wird bei BMW ein sehr zentrales Modell. In diesem Jahr kommen bereits Coupé und Cabrio; danach dann Gran Coupé und das eng verwandte Elektromodell i4. Der BMW i4 könnte dabei im bayrischen Modellportfolio mittelfristig wichtiger denn je werden. Er soll gegen zu erwartende Elektro-Massenmodelle wie das Tesla Model 3 antreten, wobei ihm eine Rolle zukommt, die einst der 3er BMW innehatte – der Dreh- und Angelpunkt der hauseigenen Fahrzeugpalette. Zumindest, wenn man die SUV einmal außenvorlässt.

Der BMW Concept i4 in der Lackierung „Frozen Light Copper“ ist auf der gleichen Plattform unterwegs wie die anderen Modelle der 3er und 4er Serie. Markant, aber allemal polarisierend ist die Frontansicht mit schmalen Scheinwerferelementen in LED-Technik und einer steil stehenden Niere, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Waren die Nieren in den vergangenen Jahren für einen betont bulligen Auftritt mächtiger und breiter, so sind vertikale Hasenzähne nicht jedermanns Geschmack und werden insbesondere durch das Kennzeichen schmerzhaft durchtrennt. Am Heck fallen nicht nur die schmalen LED-Bänder, sondern auch gigantische Diffusoren auf, die einem Rennwagen zur Ehre gereichen würde. Deren blaue Farbe wirkt ebenso als Fremdkörper wie das metallene Designelement an der Flanke. 

Im Innenraum gibt es bei der Studie des i4 vier Sitzplätze, während das Serienmodell später fünf Personen Platz bieten wird. Der Innenraum ist hell und betont puristisch mit einer Mischung aus Kunststoffen und Leder. Auffällig ist das durchgängige Display, das sich über den oberen Teil des Armaturenträgers zieht und über alles wichtige informiert. Cockpit und Innenraum werden je nach eingestelltem Fahrmodus Core, Sport oder Efficient in unterschiedlichen Themen und Farben illuminiert.

Statt leistungsstarker Verbrenner arbeiten im i4 Elektromotoren – wahlweise hinten oder vorne und hinten. Die Akkus sind flach unter dem Boden in einem Rahmen verbaut. Bei ähnlicher Leistung sind die einzelnen Akkupakete rund 40 Prozent flacher und insbesondere kleiner als man es vom Elektro-Pionier i3 kennt. Zielgröße der neuen Plattform, auf der die beiden neuen Modelle iX5 und i4 ab 2021 unterwegs sein werden, sind 300 bis 530 PS; dazu gibt es wahlweise Heck- oder Allradantrieb und eine elektrische Reichweite von bis zu 600 Kilometern.

Das Topmodell des BMW i4 soll wahrscheinlich als M-Version bis zu 390 kW / 530 PS leisten und liegt damit auf dem Niveau stark aufgeladener Sechszylinder oder gar von aktuellen V8-Motoren der Modelle 7er, 8er, X5 / X6 oder X7. Von null auf Tempo 100 es schafft der Elektro-Bayer in unter vier Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von deutlich über 200 km/h zeigt, dass BMW den Kampf gegen Tesla aufgenommen hat. Das deutliche Mehrgewicht im Vergleich zu seinem Verbrennerbruder BMW 4er Gran Coupé will der i4 mit deutlich mehr Leistung, einer höheren Karosseriesteifigkeit und einen niedrigeren Schwerpunkt ausgleichen; ermöglicht jeweils durch den Hilfsrahmen des Akkupaketes.

Der Elektroantrieb des i4 wird dabei ebenso wie Leistungselektronik, Ladeeinheit und Hochvoltbatterie von BMW in Eigenregie entwickelt. Seltene Erden, bisher elementarer Bestandteil von Elektromotoren, sind in der Antriebstechnik des BMW i4 kein Thema mehr. Im Zentrum der fünften Antriebsgeneration von Elektromotoren ist ein Hochvoltspeicher mit neuester Batteriezellen-Technologie. Im neuen BMW i4 soll das rund 550 Kilogramm schwere Akkupaket maximale Reichweiten zwischen 500 und 600 Kilometern realisieren.

Die Ladeelektronik von BMW, die auch im i4 sowie in dem Übergangsmodell BMW iX3 (ab 2020 in China produziert) und später dem iX5 als Serienversion des iNext verbaut ist, ist auf eine Ladeleistung von bis zu 150 Kilowatt ausgerichtet und kann so Plug-In-Hybride und Elektromodelle schneller als bisher mit Energie versorgen. Ein Modell wie der BMW i4 lässt sich damit in rund 30 Minuten auf rund 80 Prozent des vollständigen Energiegehalts aufladen; heißt, fünf Minuten Tanken bringen rund hundert Kilometer.