BMW mutet seinen Kunden einiges zu. Da warten die Fans des bayrischen Rotorblatts seit Jahr und Tag auf einen echten Renner, und dann kommt ein Hybridsportler. Sein Name i8. Seine größte Stärke: ein Normverbrauch von 2,1 Litern – ermöglicht durch einen Plug-In-Hybriden. „Der i8 ist das revolutionärste Auto, das BMW je gebaut hat“, weiß auch BMW-Entwicklungsvorstand Dr. Herbert Diess um die Tragweite des Kohlefaserrenners, „es stellt bekannte Sportwagenkonzepte in Frage.“ Tut es, und das sieht man bereits auf den ersten Blick. Das Design ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Doch Mut einen solchen Boliden zu bauen, kann man BMW beim besten Willen nicht absprechen. Das gilt mehr denn je für den Antrieb. Während die längst entfleuchte Sportwagenkonkurrenz auf mindestens sechs oder acht Zylinder setzt, knattert im Heck des Bayern ein aufgeladener Dreizylinder. 1,5 Liter Hubraum, 170 kW / 231 PS und eine Sechsgangautomatik aus dem Hause Aisin hören sich müde an – fahren sich aber nicht so. Denn an der Vorderachse surrt zusätzlich ein Elektromotor, der 96 kW / 131 PS und 250 Nm Drehmoment für den sportlichen Vortrieb beisteuert. So geht es bei Volllast laut knatternd, aber allemal eindrucksvoll voran. Rein elektrisch fährt der BMW i8 mit maximal Tempo 120 so bis zu 37 Kilometer – angetrieben über die Vorderachse. Weshalb der so entleerte Plug-in-Hybride allein im Sportmodus das Akkupaket wieder zu Kräften bringt, bleibt eines der BMW-Geheimnisse die sich bis zum Marktstart im Juni kaum lösen lassen werden.

Die Beschleunigung ist mit 0 auf Tempo 100 in 4,4 Sekunden mehr als beeindruckend und es gibt am i8-Steuer eine standesgemäße Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h. Doch so recht mag einem nicht einleuchten, wieso gerade ein Dreizylinder verbaut worden ist. Wie dynamisch und sportlich würde sich im gleichen Paket, ein aufgeladener Vier- oder gar Sechszylinder in sportliche Höhen aufschwingen und alle lautstark vorgetragenen M1-Forderungen der BMW-Jünger vergessen machen? Und der beeindruckende Normverbrauch von 2,1 Litern ist einem Kurvenräuber mit Benzin und ohne Stromfluss im Blut allenfalls am Rande wichtig. Vielmehr geht es um Dynamik, Design und sportliche Bestleistungen. Kohlefaserleichtbau kombiniert mit einer Kunststoffaußenhaut machen den BMW i8 mit seiner Gesamtleistung von 266 kW / 362 PS und 320 Nm letztlich 1.485 Kilogramm schwer. Rund 80 Kilogramm mehr als ein Basiselfer mit PDK, der mit 350 PS in der gleichen Leistungsklasse unterwegs ist, jedoch bei einem Normverbrauch von rund acht Litern über 30.000 Euro günstiger ist. Dafür kann man einige Jahre Kraftstoff bunkern. Der Tank des BMW i8 schluckt ganz nebenbei überschaubare 30 Liter. Für 100 Euro Aufpreis gibt es zusätzliche zwölf Liter.

Dem allemal dynamischen Innovationsträger BMW i8 dürfte es kaum gelingen, echte Sportwagenfahrer aus der hauseigenen Garage zu locken. Zu wenige Fans von Porsche 911, Audi R8 oder anderen Rennern werden sich mit der Kombination aus rasselnden drei Zylindern, Elektromodul und einer Fahrdynamik anfreunden können, die insbesondere durch die mäßige Sechsgangautomatik und die dünnen Reifen eingeschränkt wird. Trotz Elektromotor gibt es zudem keine variable Kraftverteilung zwischen den vorderen Rädern, die besonders bei kurvenreichen Bergpassagen gut tun würde. Serienmäßig ist der i8 vorne auf winseldünnen 195er Pneus unterwegs, hinten gibt es schmächtige 215er. Selbst mit den optionalen 215ern vorne und 245er hinten hat der Ökosportler Probleme, im kurvenreichen Grenzbereich den nötigen Grip aufzubauen. Und geht es ans Bremsen, haben die dünnen Reifen bisweilen Probleme den Verzögerungswunsch des Fahrers ohne ABS-Einsatz in die Tat umzusetzen. Die Fahrwerksabstimmung ist bereits im Comfortmodus überaus straff. Während der 4,69 Meter lange Zweitürer lange Wellen oder Bodenunebenheiten weitgehend locker wegfedert, wird es bei Querfugen und kurzen Stößen ungemütlich. Gefallen kann die Lenkung der 1,5 Tonne schweren Ökoflunder, die aufgrund der dünnen Reifen etwas zu leichtgängig ist; jedoch eine gute Rückmeldung liefert. Perfekt: der niedrige Schwerpunkt, der nicht zuletzt durch das im Boden verbaute Akkupaket mit einer Kapazität von 7,1 kWh erreicht wird.

Im Innenraum hingegen ist der BMW i8 ein echter Sportler. Insbesondere das Ein- und Aussteigen ist durch den breiten Kohlefaserschweller und die nach oben aufschwingenden Fledermaustüren eine unterhaltsame Kletterpartie – für die Zuschauer. Im Innenraum geht es ähnlich puristisch wie beim i3 zu. Abgesehen von der zu kurzen Sitzfläche passt die Ergonomie dagegen vorbildlich. Die Rückbank des 2+0-Sitzers lässt sich allenfalls für die Unterbringung von Gepäck nutzen. Sinnvoll, da der Kofferraum gerade einmal 154 Liter schluckt. Was überrascht ist der Preis, denn 126.000 Euro sind für ein derartiges Ingenieurstück allemal nicht teuer. Die i8-Anhänger, die hauptsächlich im Prius-Land Kalifornien die Sonne genießen, hätten für diese Ökoikone wohl auch 150.000 Euro auf den Verkaufstresen geworfen. Dafür gibt es einen Beifall erheischenden Auftritt, Hightech-Ausstattung, die viel zu dünnen Reifchen und ein bis drei Brennräume zu wenig. Wer will, kann den i8 als erstes Serienauto der Welt zudem mit Laserlicht ausstatten, das außerhalb geschlossener Ortschaften bis zu 600 Meter weit in eine hoffentlich visionäre Zukunft strahlt.

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Stefan Grundhoff; press-inform