| von Wolfgang Gomoll

Als der BMW M8 Gran Coupé angekündigt wurde, fragten wir uns, welchen Zweck diese Modellvariante eigentlich haben solle. Aber gut, Gran Coupés sind ja in München beinahe ebenso heilig wie in Indien die Kühe. Zudem müssen die BMW-ler insbesondere solchen Gegnern wie dem Porsche Panamera Turbo SE oder einem Audi RS7 den Schneid abkaufen. Also gut, dann schauen wir uns gleich mal wichtigsten Unterschied zum BMW M8 Coupé an: die zwei hinteren Pforten. Die Tür schwingt weit auf und auch das Einsteigen erfordert kein Leistungsturnabzeichen. Die Beine haben genug Platz - dem Radstand von 3,03 Metern sei Dank - aber um den Kopf wird es ab einer Körpergröße von 1,85 Metern verdammt eng und bei Bodenwellen hört der Spaß dann ganz schnell auf.

Also nehmen wir da Platz, wo man bei einem BMW M auch hingehört: links vorne, hinter dem Lenkrad. Die Sitze schauen mit den riesigen Wangen nicht nur einladend aus, sondern fixieren den Piloten beim Kurventango und sind auch für längere Fahrten exzellent geeignet. Beim Griff an das Volant ahnen wir Schlimmes: Der Lenkradkranz ist nicht mehr nur weißwurstdick, sondern hat - vor allem in der "dreiviertel Drei-Stellung" fast die Ausmaße eines Lyonerrings. Doch nur ein paar Minuten später geben die Hände Entwarnung. Passt. Also rauf aufs Knöpfchen. Bollernd erwacht der aus dem M5 bekannte Achtzylinder zum Leben, begleitet von der Meldung im 12,3 Zoll großen Cockpit-Display, dass die "volle Antriebsleistung in Kürze verfügbar" sei. Das liegt daran, dass die Abgasreinigungskomponenten erst die Betriebstemperatur erreichen müssen, was aber bei 465 kW / 625 PS der Competition-Variante kein großer Beinbruch und außerdem nach knapp einer Minute erledigt ist.

Das Cockpit lässt die Augen eines jeden Playstation-Fans leuchten. Denn man kann das weißblaue Geschoss nach Lust und Laune schärfer stellen. Angefangen von den Fahrassistenten bis hin zur Bremse und dem Allradantrieb, den es sogar in der reinen Hecktriebler-Konfiguration gibt. Da lacht doch das Herz des M-Traditionalisten. Auch im Gran Coupé findet sich der M-Mode Knopf, der im M8 Coupé seine Premiere feierte. Mit ihm definiert man das Jagdrevier des schnellen Bayern: Straße, Sport oder Rennstrecke. Grundsätzlich werden die Assistenzsysteme aktiviert oder abgeschaltet, wobei im Track-Modus sogar der Infotainmentbildschirm schwarz wird. Der nächste Knopf darunter ist für die Feineinstellung von Dämpfer, Lenkung, Bremse, Allrad und Motor. Am Ganghebel kann man zusätzlich die Schaltcharakteristik einstellen.

Immer schnell unterwegs

So viel zur Theorie beziehungsweise den Möglichkeiten. Schon nach wenigen Kilometern wird klar: Im Comfort-Modus gibt das M8 Gran Coupé nach besten Möglichkeiten den Asphalt-Gentleman, aber fährt bereits hier Kreise um die meisten anderen Fahrzeuge. "Bei der Entwicklung dieses Autos lag der Fokus auf die Symbiose zwischen Komfort und Sportlichkeit", gewährt Projektleiter Christian Müller Einblick in das Lastenheft. Die Aufgabe darf als erfüllt angesehen werden. Der Vorderwagen springt beim Einlenken förmlich in die Kurve hinein und durcheilt diese wie auf Schienen. "Wir haben am Vorderwagen die Steifigkeit massiv erhöht und die Anbindung an das Fahrwerk optimiert", erklärt Christian Müller. Nur bei schnell durcheilten Kurven mit kleinen Radien kann der Münchner sein Gewicht von 1.980 Kilogramm nicht ganz verbergen und schiebt mit der Front nach außen. Wer auf Sieg fährt, wählt Sport oder Sport Plus. Dann hängt der Motor noch gieriger am Gas und lässt das Heck manchmal beim Herausbeschleunigen leicht zucken. Bei der Lenkung haben die BMW-Techniker die Rückstellkräfte-Schraube in der Sport-Einstellung etwas weniger fest angezogen, als das noch bei den M-Versionen der X3 und X4 der Fall war, was das Fahren deutlich angenehmer macht.

Wer nicht mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs ist, dem reicht die Comfort-Einstellung locker, denn auch hier spürt man, wie es um die Traktion bestellt ist und das 5,01 Meter lange Gran Coupé lässt sich zielgenau durch die Kurve zirkeln. Egal in welcher Konfiguration - das BMW M8 Competition macht gerade auf Landstraßen viel Spaß und übertrifft die schon recht agilen zahmeren Brüder der 8er-Baureihe in allen Bereichen. "Das M8 Gran Coupé Competition ist ein Hecktriebler mit maximaler Traktion", schmunzelt Produktmanager Steffen Leppert und spielt auf die Tatsache an, dass der Allradantrieb nur im Ernstfall an der Vorderachse zupft - was geschmeidig und gut funktioniert.

Die Fahrleistungen sind ohnehin nicht ganz ohne: In 3,2 Sekunden fliegt die Tachonadel zur 100 km/h-Anzeige und wer den M-Sportler freischalten lässt, ist bis zu 305 km/h schnell. Dabei fließen im Schnitt 10,7 l/100 km durch die acht Brennräume.

Beim Infotainment bietet auch dieser M-BMW Bekanntes. Und das ist im Falle von BMW auch gut so. Was die Intuitivität der Bedienung angeht, spielen die Münchner ganz weit oben mit. Auch die Sprachbedienung funktioniert wirklich gut, aber wir wollen hier eine Lanze für den guten alten Drehdrücksteller brechen, der sich gerade bei der Bedienung während der Fahrt als hilfreich erweist. Lediglich die sichelförmigen Instrumente sind nicht jedermanns Geschmack, genauso wenig wie der Preis von mindestens 165.000 Euro.

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