Bisher ist aus BMWs UKL-Architektur (Untere Klassen) nicht viel Ansehnliches herausgekommen. Die Mini Cooper-Modelle schauen aus, als wären sie mit Wachstumshormonen vollgepumpt worden und das Design des BMW 2er Active Tourer nötigt jeden Italiener dazu, sich einen doppelten Espresso bestellen, um wach zu bleiben, lediglich der X1 steht satter da als der stelzige Vorgänger. Jetzt kommt also der BMW X2 dazu und schon optisch macht der Mini-X6 mit seiner coupéhaften Silhouette, den schmalen Scheinwerfern und der breiten Niere durchaus was her.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dem optischen Dynamikversprechen folgen agile Taten. Der 1.6 Tonnen schwere BMW X2 zieht souverän seine Bahn, egal wie groß oder klein der Radius der Kurve ist. Dazu passt die Lenkung, die die Befehle präzise umsetzt, ohne jedoch zu sportlich stramm sein. Allerdings muss bei dieser Eloge auch erwähnt werden, dass das Testfahrzeug mit dem Allradantrieb Xdrive ausgestattet ist, wie sich der Crossover als reiner Frontriebler schlägt, wird sich zeigen. Unabhängig davon ist, die gelungene harmonische Abstimmung des Fahrwerks, das zwar straff aber alles andere als unkomfortabel ist. Um das zu erreichen, haben die Ingenieure den Sturz und die Stabilisatoren verändert. Das M-Sportfahrwerk lässt zudem die Karosserie einen Zentimeter tiefer über den Asphalt fliegen und verleiht dem X2 eine sportliche tiefgeduckte Optik.

Der Zweiliterdiesel mit 140 kW / 190 PS ist ein alter Bekannter und passt im Zusammenspiel mit ebenfalls bewährten Achtgangautomatik gut zum 4,36 Meter langen Crossover. Die Fahrstufenwechsel flutschen und es geht ziemlich stramm vorwärts: Nach 7,7 Sekunden ist Landstraßentempo erreicht und der Münchner schafft maximal 221 km/h. Allerdings ist der Vierzylinder kein Leisetreter, vor allem bei hohen Drehzahlen liefert das Aggregat einen deutlich hörbaren Arbeitsnachweis ab. Beim Verbrauch leistet sich der BMW X2 Xdrive 20d mit 4,8 l/100 km keine Schwäche.

Typische BMW-Welt

Mit 43.800 Euro ruft BMW allerdings auch einen entsprechenden Mindestpreis für den BMW X2 Xdrive 20d auf. Für die ansehnliche M-Sport-X-Ausstattung sind es dann schon 50.200 Euro. Allerdings soll auch an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass bei manchen X2 Modellen die Basisausstattung lediglich Halogenscheinwerfer beinhaltet - ein Unding im Jahr 2018. Zumal der BMW X2 ein Hipster-SUV ist, was man man auch an der Tatsache merkt, dass die blauweiße Turbine auf der D-Säule prangt, genau wie bei angesagten Jacken auf dem Ärmel.

Innen findet man sich in der typischen BMW-Welt wieder. Die Materialanmutung erfüllt zum großen Teil das Prädikat "Premium" und die bequemen Sportsitze bieten viel Seitenhalt. Das Infotainment hat die aktuelle Kacheloptik, nach kurzer Zeit findet man sich in den vielen Menüpunkten mühelos zurecht und man nimmt. Schon nach wenigen Kilometern nimmt man erfreut zur Kenntnis, dass es beim X2 ein echtes Head-Up-Display (kostet mindestens 1.600 Euro Aufpreis) gibt und nicht die Billig-Klappbildschirmvariante, die im BMW 2er Active Tourer zur Verfügung steht.

Ganz kann der X2 seine technische Herkunft aber dann doch nicht verleugnen: Um die Lehnen der Fondsitze nach vorne zu klappen, muss man, wie beim Mini Cooper Countryman, an einer Schlaufe ziehen. Als Resultat entsteht dann eine ebene, leicht ansteigende Ladefläche, allerdings ist die Kofferraum-Luke recht eng und die Ladekante hoch. Mit einem Volumen von 470 Litern bis 1.355 Litern bewegt sich das Gepäckabteil des Münchner SUV-Coupé auf dem Niveau eines Mini Countryman All4 (450 bis 1390 Liter). Raum ist übrigens auf der Rücksitzbank deutlich mehr vorhanden, als man zunächst vermutet. Auch Kopffreiheit ist bei Personen jenseits der 1,85 Meter noch ausreichend vorhanden. Allerdings stören die breiten D-Säulen den Fahrer beim Schulterblick, gut dass es auch eine Rückfahrkamera im X2-Portfolio gibt - die hilft beim Rangieren