Es gibt bekanntermaßen viele tolle Triebwerke aus dem Hause der Bayrischen Motoren Werke und einige allenfalls mäßige. Das derzeit beste Kraftpaket kommt nicht aus München, sondern aus Österreich, ist ein Dreiliter-Diesel und hat natürlich sechs Zylinder. Eine echte Glanzbesetzung ist der Selbstzünder mit 240 kW / 326 PS und 680 Nm im bärenstarken BMW X4 M40d. Auch wenn sich das Heck flacher und betont eigenständiger präsentiert als beim Vorgänger; dem neuen X4 ist die enge Verwandtschaft zum noch immer frischen BMW X3 auf den ersten Blick anzusehen. Die Bayern bemühen sich, den leicht größer gewordenen X4 so weit als möglich vom Plattformbruder weg als eigenständiges Modell zu positionieren. Wird der neue BMW X4 beschrieben, fallen immer wieder Worte wie Fahrdynamik, kraftvolle Triebwerke, direkte Lenkung und Sportfahrwerk. Trotzdem gibt es den BMW X4 auch als zahnlosen Krieger, denn mit dem an sich ordentlichen Zweiliter-Diesel (140 kW / 190 PS) ist es mit der Sportlichkeit nicht weit her und noch düsterer sieht es mit den seelenlosen Zweiliter-Benzinern aus, die auf einigen Märkten fraglos ihre Nachfrage haben; in einem dynamischen SUV-Coupé jedoch wie die vierte Besetzung in einem farbenprächtigen Andrew-Lloyd-Webber-Musical wirken.

Daher sollte der vermeintliche Kaufinteressent keine Gedanken an die X4-Einstiegsvarianten mit schmächtigen vier Brennkammern verschwenden, gedanklich das Konto ein Stück weiter öffnen und in die Vollen gehen. Dabei muss er nicht auf das wohl rund 500 PS starke M-Modell warten, das 2019 nachgereicht wird, sondern landet mit dem 4,75 Meter langen BMW X4 M40d einen echten Volltreffer. Der Dreiliter-Commonrail-Diesel mit 240 kW / 326 PS und einem bulligen Maximaldrehmoment von 680 Nm ist sparsam, laufruhig und bei aller Zurückhaltung an der Zapfsäule ein wahres Kraftpaket. Im Gegensatz zu den schmächtig wimmernden Vierzylindern ist sein Klang satt, sonor und bassig. Nicht aufdringlich - nie nervig - aber eben so, dass man bereits ahnt, in dem bayrisch-carolianischen Hochsitzcoupé in Sachen Vortrieb keinerlei Kompromisse machen zu müssen. Der knapp zwei Tonnen schwere Allradler ist ein Bulle - einer der aus jedem nur erdenklichen Drehzahlbereich anschiebt als gäbe es kein Morgen. Ab 1.750 U/ min steht das maximale Drehmoment zur Verfügung und bereits darunter schiebt der Allradler wie wild. Der prächtige Allradantrieb mit seiner variablen Kraftverteilung arbeitet dabei perfekt mit der achtstufigen Getriebeautomatik zusammen, die in der technischen Symbiose keinerlei Probleme haben, diese Urgewalt auf den Boden zu bekommen.

Dieselcrossover als Driftmaschine

Wer entsprechendes Selbstvertrauen zum eigenen Fahrkönnen hat, schaltet zumindest auf der Landstraße in den DTC-Modus und genießt das Kurven-Carven. Wer noch mehr kann oder will, schaltet die Regelsysteme abseits öffentlicher Straßen komplett aus zeigt, dass ein Dieselcrossover zur wahren Driftmaschine taugt. Dabei dürfte der Kraftfluss im dynamischen Grenzbereich noch eine Spur hecklastiger ausfallen. Die Lenkung ist präzise und die Rückmeldung von der Fahrbahn prächtig. Das Fahrwerk: ebenso ein Volltreffer wie das grandiose Aggregat. So - genau so - muss ein kraftvoller Crossover fahren. Derlei Fahrspaß ist mit einem Benziner kaum zu realisieren; schon gar nicht bei einem akzeptablen Verbrauch. Denn 250 km/h Höchstgeschwindigkeit und 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden lassen sich sonst kaum mit einem Normverbrauch von 6,4 Liter unter einen Hut bringen und selbst in der harten Realität sollte sich der SUV aus Spartanburg mit kaum mehr als acht Litern begnügen. Natürlich Diesel! Noch Fragen?

Das Paket im Innenraum ist unspektakulär, denn hier gibt es abgesehen von der abfallenden Dachlinie mit entsprechender Kopfraumeinbuße in der zweiten Reihe keine Unterschiede zum BMW X3. Die Sitze bieten guten Seitenhalt und entsprechenden Langstreckenkomfort; das animierte Cockpit hat ohne Grund jedoch noch immer nachempfundene Runduhren und lässt sich daher nicht zügellos variieren. Und der mittige Touchscreen für die Bedienung der wichtigsten Fahrzeugfunktionen dürfte im Modelljahr 2019 bei einem Premiummodell gerne etwas größer als die ohnehin nur optionalen 10,25 Zoll sein. Die Beinfreiheit im Fond ist trotz 2,87 Metern Radstand nicht gerade üppig, doch wann sitzen hier schon einmal Erwachsene? Wichtiger dürfte den meisten daher der Laderaum sein. Hinter der elektrisch aufschwingenden Hecktür stehen 525 bis 1.430 Liter Stauraum zur Verfügung. Mehr braucht in dieser Liga niemand und die Zuladung ist mit 600 Kilogramm allemal üppig. Das gilt nicht ganz überraschend auch für den Preis. Während der untauglich motorisierte BMW X4 20i mit seinen 184 PS und schmaler Serienausstattung bei 49.700 Euro beginnt, kostet der prächtige M40d bereits 70.900 Euro und liegt dabei auf Augenhöhe mit dem 354 PS starken BMW X4 M40i mit seinen 354 Benziner-PS. Immerhin serienmäßig an Bord: das kleine Navigationssystem Business, 20-Zoll-Radsatz, Sportfahrwerk, LED-Scheinwerfer und Drei-Zonen-Klimaautomatik.