Wenn es dunkel wird, weht ein Hauch Rolls-Royce-Luxus durch die Fahrgastzelle des neuen BMW X5. Hat man das Panoramaglasdach bestellt, werden rund 15.000 geätzte Punkte mit LED-Licht angestrahlt und erleuchten so, wie das Firmament des SUVs. Natürlich hat das nicht ganz den Wow-Effekt wie die unzähligen LEDs im Dach der britischen Nobelkarosse, doch gut aussehen tut dieses bayerische Lichtspiel dennoch. "Der Innenraum stand in unserem Lastenheft ziemlich weit oben", erzählt Projektleiter Johann Kistler. Das Bemühen der Münchner Innenarchitekten ist sicht- und fühlbar: Leder, Klavierlack und galvanisierte Drehknöpfe sowie kleine LED-Bildschirme, die die Temperatureinstellungen der Vierzonenklimaanlage anzeigen. Glasapplikationen sind mittlerweile das Allheilmittel der Automobilindustrie, um ein Interieur aufzuwerten. BMW verfeinert unter anderem den Ganghebel und den Drehrücksteller.

Der bleibt den X5-Fahrern bis auf Weiteres erhalten. Die Münchner setzen bei der Handhabung des immer umfangreicher werdenden Infotainments auf eine Kombination aus Sprache, händische Bedienung und Gestensteuerung. Letztere ist ziemlich nervig. Wenn man sich angeregt unterhält und dabei auch die Hände benutzt, wird gerne mal die Musik des Radios lauter gestellt. Die Sprachbedienung klappt immer besser und der Münchner Autobauer ist der umgangssprachlichen Kommunikation mit der Maschine einen Schritt nähergekommen. Das Festhalten am bewährten Drehknopf und der manuellen Bedienung an echten Knöpfen und Schaltern unterscheidet den X5 von den aktuellen Konkurrenten aus Ingolstadt, bei denen Bedienelemente aufwendig simuliert werden. So schick das aktuelle Audi-Interieur auch ist, wer sich an den Drehrücksteller gewöhnt hat, weiß dieses Detail zu schätzen - vor allem bei schlechten Straßenverhältnissen. Zumal man auch weniger oft den Blick vom Verkehrsgeschehen nach unten nehmen, um die Fingerspitze zielgenau zu dirigieren.

Wer will, kann den 12,3 Zoll großen Monitor auch als Touchscreen nutzen, aufgrund der Entfernung zum Fahrer ergibt das aber nur im Stand richtig Sinn und ist dann auch sehr nützlich. Der zweite Bildschirm ist ebenso groß und beherbergt die digital animierten Fahranzeigen, die sich deutlich von den klassischen Rundinstrumenten bisheriger BMW-Modelle unterscheiden. Der Drehzahlmesser in der geschwungenen Listenform ist befindet sich rechts, auf der anderen Seite blickt man auf den Tacho. "Wir halten nichts von wechselnden Ansichten. Bei uns weiß der Fahrer immer sofort, wo die wichtigen Anzeigen sind", sagt Johann Kistler. Zwischen den beiden Skalen kann die Navigation oder andere Informationen eingeblendet werden. Das Head-Up-Display ist gestochen scharf und größer als beim Vorgänger. Das Smartphone wird induktiv geladen und neben klassischen USB-Anschlüssen, stehen auch zwei USB-C-Ports zur Verfügung, was nicht nur Apple-Jünger freuen wird.

Hilfreicher Rückfahrassistent

Neben Rolls-Royce haben die Münchner Ingenieure offenbar auch bei Skoda ganz genau hingeschaut, denn im neuen X5 gibt es Ideen, die das Prädikat "Simply Clever made in Bavaria "verdienen. Zum Beispiel der klimatisierte Becherhalter vorne, die elektrisch versenkbare Kofferraumabdeckung oder die sogenannten Anti-Slip-Schienen, die sich automatisch anheben, wenn es bergauf geht, damit das Gepäck nicht verrutscht. Per Knopfdruck legen sich die Lehnen Rückbank und der optionalen dritten Sitzreihe um und es entsteht eine ebene Ladefläche, das Kofferraumvolumen beträgt 650 bis 1.860 Liter. Beim Beladen hilft die zweigeteilte Heckklappe und die Tatsache, dass der BMW X5 um 40 Millimeter abgesenkt werden kann, bei der siebensitzigen Version klappen sich die Fondsitze elektrisch nach vorne und erleichtern so den Einstieg in die hinterste Reihe. Dort können immerhin Personen mit einer Körpergröße von 1,78 Metern noch einigermaßen bequem sitzen. Apropos Sitze: Die sind mit ungewohnt wenig Seitenhalt versehen, vermutlich ein Tribut an die bisweilen etwas beleibteren amerikanischen Kunden. Die Australier und Russen freuen sich dagegen über eine deutlich verbesserte Geländegängigkeit des Münchner SUVs.

Bei den Fahrassistenzsystemen auf asphaltierten Straßen bietet BMW alles, was das Technologieregal bereithält. Allerdings sind die Lenkeingriffe des Spurhalteassistenten recht grobschlächtig und nicht so geschmeidig wie zum Beispiel bei der Mercedes S-Klasse. Ein wirklich nützlicher Helfer ist der Rückfahrassistent. Steckt man zum Beispiel in einer engen italienischen Gasse fest, merkt sich das System den Fahrweg der letzten 50 Meter und setzt selbsttätig zurück. Durch die optionalen Luftfedern hat der X5 ebenso deutlich an Komfort gewonnen wie mit der Hinterachslenkung an Agilität. Dazu passt der gefahrene BMW X5 40i mit seinem laufruhigen Sechszylinder, der seine Arbeit fast unmerklich verrichtet. Nach 5,5 Sekunden ist Landstraßentempo erreicht und weiter geht es dank 250 kW / 340 PS bis Tempo 243 km/h.

Der Norm-Verbrauch hält sich mit 8,8 Litern auf 100 Kilometern auch in einigermaßen überschaubaren Grenzen. Bei den Kurvenfahrten eliminiert die elektrischen Schwenkmotoren arbeitende Wankstabilisierung das Neigen der Karosserie in den Kurven. Wenn man den X5 etwas forscher bewegt, hilft die geregelte Differenzialsperre an der Fünflenkerhinterachse.

Der Dieselmotor im BMW X5 M50d ist zwar kein polternder Geselle, aber hörbar präsenter als der Benziner und die Kombination aus adaptiven Dämpfern, Stahlfedern und M-Sportfahrwerk ist auch nicht so kommod, wie die reine Luftfederung. Als Alternative zu diesen beiden Motorisierungen steht der 30d-Selbstzünder ebenfalls zum Marktstart bereit. Auf den prächtigen Achtzylinder müssen die Europäer zunächst noch verzichten, der kommt als M-Derivat später, nächstes Jahr wird es einen Hybrid geben, der voraussichtlich 80 Kilometer rein elektrische Reichweite schafft. Der Preis für so viel Münchner Technik ist nicht von schlechten Eltern: beim BMW X5 40i sind es 70.700 Euro, der 30d kostet mindestens 69.200 Euro und der X5 M50d bildet die aktuelle Preisspitze mit 92.900 Euro.