| von Stefan Grundhoff

Als ob eine BMW X6 nicht ohnehin schon sportlich genug wäre. Jetzt setzt die Garchinger M GmbH dem Oberklasse-Crossover die fahrdynamische Krone auf. Für schlappe 144.200 Euro gibt es Leistung im Überfluss, eine grandiose Fahrdynamik und dazu ein vergleichsweise dezentes Auftreten. Grund: der BMW X6 sieht ohnehin schon sportlich aus - da hätten die M-Jungs optisch durchaus noch etwas mehr auf den Putz hauen können. In den meisten europäischen Ländern wird der BMW X6 M nur als leistungsstärkere Competition-Version angeboten. Heißt: der 4,4 Liter große V8-Doppelturbo mit 460 kW / 625 PS und einem gewaltigen Drehmoment von 750 Nm, das zwischen 1.800 und 5.800 U/min stetig zum Angriff bläst - beängstigend. Unglaublich, wie brutal sich die knapp 2,4 Tonnen Leergewicht aus dem Stand in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 ihren Weg bahnen. Abgeriegelt wird bei 290 km/h - da bleiben keine Fragen mehr offen. Doch die Fahrleistungen an sich sind das eine.

Gerade in dieser Klasse der leistungsstarken Kolosse geht es um die Fahrbarkeit, denn wenn weit mehr als zwei Tonnen Gewicht erst einmal in die falsche Richtung unterwegs sind, gibt es kein Halten mehr. Mit derlei Problemen muss sich der Pilot eines BMW X6 M oder des identisch motorisierten Schwestermodells X5 M nicht herumschlagen. Das Fahrwerk, die Lenkung und die Bremsen des Kolosses aus Spartanburg sind prächtig abgestimmt. So wird einem vorgegaukelt, sogar ein paar Zentner weniger auf den Rippen zu haben, wenn es um Beschleunigung und speziell Kurventempi geht. Die Rückmeldung der Lenkung: klasse. Die Rückstellkräfte: perfekt. Gleiches gilt für die Bremsen und das einmal mehr prächtige Achtgang-Automatikgetriebe aus dem Hause ZF, das bissiger, feinfühliger und lässiger als die Konkurrenz durch die Schaltstufen flutscht, ohne dass es dem Fahrer nennenswert auffällt.

Innen zeigt der BMW X6 M Competition das gleiche Bild wie von außen. Die Unterschiede zu den normalen M-Modellen sind vorhanden, aber alles andere als aufdringlich. So gefallen die beiden roten Taster am griffigen Lenkrad, mit denen sich die frei programmierbaren M-Modi ansteuern lassen. Der Rest passiert über den Fahrprogrammschalter an der unverändert sehr breiten Mittelkonsole. Die belederten Sportstühle passen prächtig, sehen gut aus und fassen sich gut an. Etwas blass bleiben die Instrumente, die nicht nur beim Brüderpaar X5 / X6 etwas lieblos erscheinen und je nach Menüstruktur ein paar zu viel Informationen ins Blickfeld des Fahrers pressen. Ist der BMW X6 M Competition nunmehr Kurvenräuber oder Langstreckler? Der BMW X6 M kann beides und zwar beeindruckend gut. Dafür sorgt insbesondere der variable Allradantrieb nebst aktivem Hinterachsdifferenzial, das die Leistung heckgeneigt auf das Rad überträgt, das gerade den meisten Grip hat sowie die 21-Zöller vorn und 22-Zöller hinten, die sich gespenstisch engagiert mit dem Asphalt verzahnen und jegliche Drehbewegung in wilden Vortrieb verwandeln.

Darf ein solches Fahrzeug in der heutigen Zeit noch ohne eine nennenswerte Art der Elektrifizierung unterwegs sein? Durchaus, denn die Kundschaft dürfte sich ebenso wenig für eine imaginäre Elektroreichweite von 50 Kilometern wie für den Normverbrauch von 12,5 Litern Super auf 100 Kilometern interessieren, der in der Realität gerne bei satt über 15 Litern liegt. Es geht um Auffallen, anders sein und besonders sportlich mit einem alltagstauglichen Giganten unterwegs sein, dem man diese Dynamik kaum zugetraut hätte. Anzunehmen, dass Modelle wie das Doppelpack aus BMW X5 M / X6 M sowie die direkte Konkurrenz aus Lamborghini Urus, Mercedes AMG GLE 63 oder Audi RS Q8 die letzten ihrer Art ohne Stecker und ein entsprechendes Hybridmodul sind. Wer den BMW X6 M nicht will, dass sich auch für den identisch motorisierten X5 M entscheiden. Den gibt es als 600-PS-Version und Competition-Ausstattung bereits ab 128.100 Euro.