| von Stefan Grundhoff

Wieso BMW es der Konkurrenz in den letzten Jahren so leicht gemacht hat, kann sich so recht keiner erklären. Selbst beim Hauptwettwerber Mercedes war man lange verwundert, dass man den Nobel-SUV GLS nicht mit einem großen Bruder vom X5 konterte. Doch im Mai ist er endlich da und eines steht fest: er wird ankommen. Insbesondere in den USA und Asien soll der neue X7 auf Kundenfang gehen. Jene Kunden, die mittlerweile in stattlichen Zahlen in Modelle wie den Mercedes GLS, einen Cadillac Escalade oder einen Range Rover stiegen, sie dürften sich für den neuen BMW X7 interessieren.

Dabei ist der BMW X7 zugegeben kein 7er auf SUV-Steroiden, sondern ein besonders edler und luxuriöser X5. Wahlweise gibt es sechs oder sieben Sitzplätze und besonders die 2+2+2-Konfiguration mit Komfortsesseln in der zweiten Reihe dürfte viel Anklang bei der finanzstarken Kundschaft finden. Dafür, dass der 5,15 Meter lange X7 ein echter 7er im SUV-Gewand wäre, fehlt ihm speziell im Innern die Noblesse, denn hier gibt es dank des Längenzuwachses von 22 Zentimetern zwar üppige Dimensionen, aber eben doch keinen großen Unterschied zum BMW X5, der seinen Insassen kaum weniger Komfort bietet. Etwas dünn ist die Differenzierung auch von außen. Wer einmal einen BMW X7 in Basisausstattung auf den Straßen Münchens neben einem X5 hat stehen sehen, wird abgesehen vom imposanteren Kühlergrill zweimal hinschauen müssen, wer hier wer ist. Da fallen der überarbeitete BMW 7er oder neue 8er im Alltag schon mehr auf. Serienmäßig rollt der X7 auf 20-Zöllern, wobei die größeren Varianten mit 21 und 22 Zoll deutlich stimmiger mit den großen Karosserieflächen harmonieren.

Das Motorenportfolio überrascht zumindest in europäischen Breiten, denn BMW bietet den mächtigen X7 erst einmal überhaupt nicht als Achtzylinder an und lässt auch einen V12 außen vor. Das hätte den X7 nennenswert gegenüber seinem kleinen Bruder X5 abgehoben und damit hätte man sich gegenüber dem Ende 2019 folgenden Maybach GLS sowie weiteren Luxus-Modellen wie Bentley Bentayga oder Lamborghini Urus positionieren können. Doch anscheinend will die BMW Group den imageträchtigen V12 ausschließlich dem Nobelmodell Rolls-Royce Cullinan vorbehalten sehen. Wieso ein Achtzylinder-Motor jedoch erst einmal nur in den USA und Asien verfügbar ist, mag kaum einleuchten, gerade weil dieser im 2,5 Tonnen schweren Luxusmodell wie eine Idealbesetzung erscheint. In den USA gibt es die kleinere V8-Lösung eines doppelt aufgeladenen Achtzylinders, der 340 kW / 462 PS leistet.

Frühestens Ende des Jahres dürfte es auch in unseren Breiten eine BMW X7 M50i geben, der dann von dem neuen Achtzylinder-Benziner angetrieben wird, der mit seinen 530 PS bereits die neuen Modelle M 750i und M 850i antreibt. So müssen es erst einmal die Reihensechszylinder von X7 40i, 30d und dem drehmomentstarken M50d richten, der in Europa am meisten Gefallen finden dürfte. Er leistet 294 kW / 400 PS sowie 760 Nm Drehmoment. Ob er jedoch die Laufruhe des gefahrenen BMW X7 50i bieten kann muss sich zeigen.

Sehr überzeugend zeigt sich das Fahrwerk des BMW X7. Auch im Komfortmodus hat man nie das Gefühl, zu weich oder gar schwammig unterwegs zu sein. Zudem fühlt sich der größte Bayern-SUV eine Klasse kleiner an, als er ist und kann sein üppiges Gewicht von mehr als 2,5 Tonnen allein in schnell gefahrenen Kurven nicht überspielen. 

Der Laderaum lässt sich durch elektrisches Umlegen der Sitzreihen zwei und drei von 326 auf mächtige 2.120 Liter erweitern. Die Zuladung: fast 800 Kilogramm. Angenehm wäre es, wenn sich die Fondsitze für noch mehr Beinfreiheit noch etwas mehr nach hinten verschieben lassen würden; dann ließe sich die getrennt regelbare Klimatisierung und der Ausblick nach oben durch das Panoramadach noch besser genießen. 5,15 Meter ist in dieser Klasse eben standesgemäß, aber nicht viel. Die entsprechenden Luxuslimousinen sind zumeist gut zehn Zentimeter länger und das hätte auch einem X7 gut zu Gesicht gestanden. In der dritten Reihe finden zwei Personen vollwertige Sitzplätze mit Armauflagen, Cupholdern und USB-Anschlüssen.

Zwei große 12,3-Zoll-Displays geben alle Informationen an die Insassen weiter, während eine Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen für Sicherheit und Entspannung sorgt. Der Assistent für Lenk- und Spürführung macht sich seine Arbeit jedoch auf Autobahnen und Landstraßen allzu leicht und man muss bereits nach wenigen Sekunden wieder die Hände ans Steuer nehmen. So sorgt das System allenfalls im Stau für eine leichte Entlastung. Der mit LED-Scheinwerfern, elektrischen Ledersitzen, Navigationssystem und zahlreichen Komfort- und Assistenzsystemen ausgestattete kostet in der Basisvariante als BMW X7 xDrive 30d mit 265 PS mindestens 84.300 Euro, wobei der 340 PS starke Basisbenziner bei 86.300 Euro startet. Idealbesetzung für Europa wäre erst einmal der 400 PS starke Power-Diesel M50d, der bei 109.900 Euro beginnt. Und dann warten wir einfach noch etwas länger auf den V8.