Zugegeben, ein bisschen Skepsis war vorhanden, als wir uns hinter das Steuer des BMW Z4 sDrive30i gleiten ließen. Die Ziffer-Buchstabenkombination "30i" steht beim Münchner Autobauer schon länger nicht mehr für famose Reihensechszylinder. Stattdessen verrichtet jetzt ein Vierzylinder-Benziner mit 190 kW / 258 PS sein Werk. Und dieses Aggregat hat uns nicht immer restlos begeistert. Die erste Generation des Motors hatte zu wenig Punch, einen lausigen Sound und genehmigte sich den einen oder anderen Schluck zu viel. Diese Kinderkrankheiten sind mittlerweile ausgeräumt - beinahe: Die kleinere Power-Bayer klingt zwar nicht wie ein Sechszylinder und hat auch nicht die sämige Drehfreude, aber immer noch genug Druck, um den 1.505 Kilogramm schweren Roadster in 5,4 Sekunden auf Landstraßentempo und weiter bis 250 km/h zu wuchten.

Die Fahrbarkeit überzeugt aufgrund des maximalen Drehmoments von 400 Newtonmetern, das bei 1.550 U/min anliegt und dem gelungenen Zusammenspiel des Triebwerks mit der Achtgangautomatik. Wer es noch sportlicher will, nutzt die Schaltwippen am Lenkrad. Zwar muss man dem kleinen Bruder immer etwas mehr die Sporen geben, aber dann ist Beschleunigung linear und vermittelt echte Freude. Auch ohne Klappenauspuff ist der Klang der vier Töpfe animierend, ohne das echte Gänsehaut-Gefühl aufkommen zu lassen. Gut, es ist und bleibt ein Vierzylinder und da tun sich auch andere schwer, einem solchen Aggregat akustische Gipfelstürme zu entlocken. Die Stärke des Z4 liegt bei den Landstraßenkurven, der Weg dazwischen ist nur lästige Pflicht. Das Volant mit dem dicken Kranz liegt gut in der Hand, befolgt die Steuerbefehle des Piloten sehr exakt, ohne bei der natürlichen Rückmeldung vollends zu überzeugen.

Dank des verbauten Sperrdifferenzials an der Hinterachse zieht der BMW Z4 sDrive 30i stoisch sein seine Bahn und kennt bei Richtungswechseln oder einem Kurvengeschlängel nur wenig Gegner. Dazu kommen deutlich größere Spurweiten vorne (+98 Millimeter und hinten (+57 mm) sowie ein tiefer Fahrzeugschwerpunkt und die im Verhältnis 50:50 perfekt ausbalancierte Achslastverteilung. Der Fahrspaßdreiklang, bestehend aus Anbremsen, Einlenken und Herausbeschleunigen, macht auch bei diesem Z4 richtig viel Spaß. Das liegt auch an dem durchaus straffen adaptiven M-Fahrwerk, das ganz eindeutig und sehr deutlich weitergibt, was sich unter den vier Rädern so abspielt. Aber klar ist auch: Ein solcher Roadster darf schon etwas knackiger abgestimmt sein. Zumal es der Querdynamik förderlich ist. Dazu passen auch die guten Sportsitze, in denen man tief über den Asphalt flitzt.

Extras treiben den Preis hoch

Ein Highlight ist und bleibt die Bedienung des Infotainments mit dem typischen 10,25-Zoll-Bildschirm über der Mittelkonsole. Für uns ist der iDrive-Kontrollknopf im Zusammenspiel mit der gut umgesetzten Sprachbedienung immer noch die beste Lösung. Beim Kommando "Head-up-Display" erscheint sofort das betreffende Bedienfeld im Monitor, gepaart mit dem Hinweis, mit der manuellen Bedienung fortzufahren. Die erledigt man mit dem Drehknopf zielsicher, auch wenn die Straße schlecht und daher die Fahrt nicht ganz ruhig ist. Da müsste man bei einem Touchscreen schon ein paar mal tippen, um die Höhe einzustellen.

Dass der Kofferraum mit einem Volumen von 281 Litern kein Großraumbüro schluckt und das Beladen aufgrund der höheren Kante nicht einfach von der Hand geht, ist klar. Aber da das Verdeck seinen eigenen Rückzugsraum hat, steht das Gepäckabteil immer komplett zur Verfügung, egal ob die Sturmhaube aufgezogen oder zusammengefaltet ist. Die Tatsache, dass das Verdeck aus festen Elementen besteht, das mit Stoff überzogen ist und keine klassische Stoffmütze ist, hilft bei der Geräuschdämmung, der Isolierung bei kälteren Tagen und nicht zuletzt der Optik. Bleibt bloß noch der Preis. Der BMW Z4 sDrive 30i kostet mindestens 48.950 Euro. Mit ein paar Extras werden sehr schnell 55.000 bis 60.000 Euro daraus.