Die Geschichte der Marke Borgward verlief dramatisch. Anfang der 1960er Jahre stürzte der Konkurs des ehemals fünftgrößten deutschen Autobauers das Bundesland Bremen in eine Krise und rüttelte erstmals am Selbstverständnis der Wirtschaftswunder-Bundesrepublik. Bislang war man davon ausgegangen, dass der Aufschwung stets so weitergehen würde. Doch Autos wie die “Isabella” oder die “Pullman”-Limousine Hansa 2400 befeuern auch 50 Jahre nach dem Untergang des Automobilherstellers die Phantasie der Fans. Als zum ersten Mal Gerüchte aufkamen, dass es ein Comeback der Marke geben würde, jubelten die automobilen Romantiker. Doch die Euphorie wich schnell der Ernüchterung: Immer wieder gab es Wasserstandsmeldungen, auf dem Genfer Autosalon im Frühjahr dieses Jahres stand lediglich eine Isabella aus den 50er Jahren und jetzt hat es ein “seriennaher Prototyp” namens BX 7 auf die IAA geschafft.

Das 4,70-Meter Automobil, das im Scheinwerfer-Licht steht, hat mit den eleganten Modellen der 50er Jahre nur den Namen gemein. Das SUV hat ein eher konservatives Design, wobei die Heckleuchten bei einem seitlichen Blickwinkel an den Porsche Macan erinnern. Auch wenn der Markenchef Ulrich Walker mit Stichworten, wie “accessible premium” den Geist der Marke Borgward beschwört, steht der Erfolg des Konzepts in den Sternen. Das Comeback der Marke Maybach hat Mercedes viel Geld gekostet und Bugatti baut nur noch Autos, weil es der ehemalige VW-Patriarch Ferdinand Piech so wollte. Und jetzt soll eine Marke, die in Deutschland kaum einer und im Ausland fast niemand kennt, erfolgreicher sein, als die Reanimations-Versuche der deutschen Autobauer? Dem eigenen Bekunden nach, plant Borgward “mittelfristig einen weltweiten Absatz von mehr als 500.000 Fahrzeugen”. Das sind ambitionierte Ziele.

Dass sich Borgward zunächst nur auf den chinesischen Markt konzentriert und erst danach innerhalb der nächsten zwei Jahre nach Deutschland und Europa kommen will, könnte sich als kluger Schachzug erweisen. Denn in China sind mit dem (vermutlich) schwer auszusprechenden Namen keine historischen Vorbilder und damit Erwartungen verknüpft. Das Konzept hinter dem 1.646 Kilogramm schweren SUV ist nicht neu: Das Geld kommt aus China und europäische Zulieferer leisten die Entwicklungsarbeit. Ähnliches versucht der chinesische Hersteller Qoros mit Magna. Auf dem Datenblatt kann sich der Borgward BX 7 T-GDI AWD durchaus sehen lassen. Das Konzept ist modern: Ein Zweiliter-Turbo-Einspritzer mit 165 kW / 225 PS bekommt Unterstützung von einem E-Motor, der an der Hinterachse sitzt.

Die Kraftquelle für das Stromern ist eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 13,2 Kilowattstunden. Das treibt die Systemleistung auf 295 kW / 401 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 650 Newtonmeter, die elektrische Reichweite 55 Kilometer und der Durchschnittsverbrauch 2,26 Liter pro 100 Kilometer. Die Kraftübertragung des Verbrenners erfolgt über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und einer “virtuellen Kardanwelle” für den E-Motor hinten. Für die Kraftverteilung des Allradantriebs ist eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung, die der Zulieferer BorgWarner beisteuert, zuständig. Wie man es von einem SUV erwartet, bietet auch der Borgward BX 7 ein Offroad-Fahrprogram. Natürlich wird es auch Modelle mit reinem Frontantrieb und ohne E-Motor-Unterstützung geben. Auch das Infotainment kommt nicht zu kurz. Das zentrale Display hat eine Bildschirm-Diagonale von 12,3 Zoll. Der Fahrer kann diesen Touchscreen nutzen oder sich per Drehrücksteller durch die Menüs hangeln. Auch ein Concierge-Service ist geplant und per App kann man von seinem Smartphone auf das Vehikel zugreifen. So lässt sich der Benzinstand prüfen, das Auto öffnen oder verriegeln oder eine Route direkt in das Navigationssystem übertragen. Je nach Wunsch finden fünf oder sechs Personen in dem SUV Platz.

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Wolfgang Gomoll; press-inform