Der Gebäudekomplex am San Tomas Expressway 2701 im kalifornischen Santa Clara fällt schon von weiten auf. Eine riesige Finne, die scheinbar das Haus trennt, ist auch im Silicon Valley eine Rarität. Hier tüftelt Nvidia an Grafik-Prozessoren, die das Bild auf jedem Display real erscheinen lassen. Die kalifornische Firma hat in der PC-Szene einen Namen als Hersteller potenter Grafikkarten, die die aufwendigen 3D-Spiele zunehmend realistisch darstellen. Auch bei Hollywood-Blockbustern, wie “Transformers” greifen die Chip-Experten den Oscar-preisgekrönten Special-Effects-Experten von Dreamworks unter die Arme.

Dieses Know-how um das Zaubern schöner Bilder haben die Amerikaner in das Auto gebracht. Frei programmierbare Displays, wie beim Audi TT, beim Lamborghini Huracan oder beim BMW i8. Das Infotainment wird immer wichtiger. Da sich die Autofahrer an ihren Smartphones und Tablets orientieren, sind die Autobauer gezwungen, die Entwicklungszyklen, bis ein neues Hard- und Software-Paket im Auto landet, drastisch zu verkürzen. Viele legen sich jedes Jahr ein neues Handy zu, da wird leicht angestaubte Grafik, und sei sie nur zwei oder drei Jahre alt, bei einem Autokauf nicht akzeptiert.

Die Chiphersteller haben reagiert und bieten nun modulare, flexible Infotainment-Einheiten an, die mit aktuellen Prozessoren sowie einer Basis-Software ausgestattet sind und daher unkompliziert aufgerüstet werden können. Neben Nvidia, will auch der Computer-Chip-Gigant Intel ein Stück vom immer größer werdenden Kuchen abhaben und arbeitet seinerseits ebenfalls mit Autobauern, wie Jaguar, BMW, Ford oder Kia zusammen. Bei der letztendlichen Gestaltung der Software und des Erscheinungsbilds des Infotainments, wollen die Autobauer das Heft in der Hand behalten. “Da findet die Unterscheidung zu den Wettbewerbern statt”, sagt Michael Hafner, Leiter Fahrerassistenzsysteme und aktive Sicherheit, bei der Daimler AG.

Die Anzahl der Assistenzsysteme wächst und dementsprechend wird das Zusammenspiel der dazugehörigen Sensoren immer komplexer. Das beeinflusst auch die Entwicklung der Grafik-Chips. “Wir bauen einen Computer für das Auto”, sagt Danny Shapiro, Director Automotive bei Nvidia. Die GPU (Graphics Processing Unit) ist mittlerweile so leistungsstark, dass sie dieses Übermaß an Informationen verarbeiten kann. Das Fernziel lautet autonomes Fahren. Vorstufen dazu sind bereits in der automobilen Realität angekommen – der Stau-Assistent entlastet den Fahrer heute schon beim Stop-and-Go-Verkehr, indem das Auto selbstständig dem Vordermann folgt.

Bis zum Jahr 2020 soll das autonome Fahren überall möglich sein. Die größte Hürde ist dabei das Bewegen des Autos in der Stadt. Da viele Einflüsse und Gefahren lauern, wird die Datenmenge deutlich größer sein. Das Prinzip der “Sensor-Fusion” ist, dass die Daten aller Sensoren und Kameras in einem Computer zusammenlaufen und dort zu einer dreidimensionalen Karte zusammengefügt werden. Dazu ist eine immense Rechenpower nötig. “Wir werden bereit sein”, ist sich Shapiro sicher. Der Computer-Experte vergleicht die Aufgabe des automobilen Super-Rechners mit der eines Schachcomputers, der viele Züge vorauskalkulieren muss.

Solche ambitionierten Ziele bedeuten auch, dass die Bande zwischen dem Hightech-Zulieferer und den Autobauern noch enger geknüpft werden. In der Nvidia-Unternehmenszentrale im Silicon Valley gehen Mitarbeiter der großen Automobil-Hersteller ein und aus. Je näher das autonome Fahren rückt, desto wichtiger wird die Hard- und Software aus den USA. Doch mit dem gestiegenen Automobil-Know-how könnte bei den Hightech-Zulieferern auch der Gedanke reifen, selbst ein Vehikel zu bauen. Schon seit 15 Jahren arbeiten Konzerne, wie Nvidia mit BMW, Audi und Co. bei den virtuellen Simulationen zusammen. Viele wichtige Elemente hat man im Griff und für den Rest könnte man dann auf Zulieferer, wie Magna Steyr, zurückgreifen, die bei der Herstellung von Automobilen einen reichen Erfahrungsschatz bieten.

Tesla macht es vor, wie aus einem Start-Up ein Autobauer werden kann. Zwar ist der Weg nicht ganz unproblematisch, doch das kalifornische Unternehmen, das noch vor nicht allzu langer Zeit von den renommierten Herstellern belächelt wurde, wird zunehmend als Konkurrenz bei der E-Mobilität ernstgenommen. “Wir arbeiten mit den Herstellern zusammen, aber die Autos werden in Zukunft auch von den bekannten Herstellern kommen”, verweist Shapiro jede Begehrlichkeit in das Reich der Fabel. Doch die Realität könnte bald neue Fakten schaffen. Google hat unlängst sein autonom fahrendes Ei vorgestellt. Andere könnten folgen. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, dass auch Apple sich mit der Automobilität beschäftigt.

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Wolfgang Gomoll; press-inform.