| von Jürgen Wolff

Citroën will den Markt der kleinen Elektroflitzer aufmischen und hat jetzt den neuen Ami vorgestellt. Der Ministromer ist kleiner als der Smart, schafft 70 Kilometer Reichweite mit stadtkompatiblen 45 km/h Höchstgeschwindigkeit - und zu einem Preis ab 6.000 Euro. "Der Ami soll ein echter Durchbruch beim Zugang zu urbaner Mobilität sein", sagt Citroën-CEO Vincent Cobée: "Eine Lösung, die möglichst nah an neuen Nutzungsgewohnheiten ist". Dabei soll es aber nicht bleiben, kündigt Citroëns neue Produkt- und Strategie-Direktorin Laurence Hansen an: Bis 2025 will Citroën in jeder Modellinie ein vollelektrisches Fahrzeug anbieten.

Optisch kommt der Ami, den Citroën jetzt in der riesigen La-Défense-Arena in Paris präsentierte, wie ein Würfel mit abgerundeten Kanten daher. Platz bietet er für zwei Passagiere. Der Beifahrersitz ist starr montiert, der Fahrersitz lässt sich verstellen. Der Einstieg erfolgt über breite und gegenläufige Türen: Auf der Fahrerseite öffnet die Tür nach hinten, auf der Beifahrerseite klassisch nach vorne. Innen wirkt der Ami dank der großen Fensterflächen - inklusive serienmäßigem Panoramadach - hell und luftig. Rundum sind reichlich Stauräume verteilt, einen dezidierten Kofferraum gibt es nicht: Hinter die beiden Sitze passt gerade mal ein Blatt Papier. Eine Heckklappe sucht man denn auch vergeblich.

Überall hat Citroën auf einfache und kostengünstige Bauweise geachtet. Die Seitenfenster etwa lassen sich wie bei der klassischen Ente manuell nach oben klappen. Airbags? Fehlanzeige, gesetzlich in dieser Fahrzeugklasse aber auch nicht vorgeschrieben. Statt Griffen gibt es innen an den Türen Schlaufen und auch das Armaturenbrett ist eher spartanisch bestückt. Immerhin: Im Ami ist man besser geschützt als auf einem Fahrrad, eScooter oder Motorroller und hat eine größere Privatsphäre als in öffentlichen Verkehrsmitteln. Und mit den meisten Autos in der Stadt ist man als Fahrer auf Augenhöhe.

Ab 6.000 Euro Kaufpreis - in Frankreich

Der Ami ist rein für die Stadt gedacht. Mit einer Länge von 2,41 Metern, einer Breite von 1,39 Metern und einer Höhe von 1,52 Metern unterbietet er selbst den Smart Fortwo (2,70 x 1,66 x 1,56 Meter) deutlich. Der Wendekreis von 7,20 Metern macht den gerade mal 485 Kilogram schweren Stromer unschlagbar wendig. Und die Reichweite von 70 Kilometer sowie die Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h machen ihn außerhalb der Stadt ohnehin zum Verkehrshindernis. Der flach unter dem Boden installierte Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 5,5 kWh sorgt für einen tiefen Schwerpunkt und Standfestigkeit. An einer Haushaltssteckdose dauert es rund drei Stunden, bis ein leerer Akku wieder voll aufgeladen ist. Das Ladekabel mit Schuko-Stecker ist in der Tür verstaut.

In Deutschland darf der Ami von jedem gefahren werden, der mindestens 16 Jahre alt ist und einen Führerschein der Klasse AM besitzt. In Frankreich ist gar kein Führerschein nötig. Interessant ist auch das Preis- und Vertriebsmodell, das Citroën für den Ami einführt. Angeboten wird der Ami zum einen im Langzeitleasing - in Frankreich für eine Leasingrate ab 19,99 Euro im Monat. Nur im Kleingedruckten wird darauf hingewiesen, dass auch noch eine Einmalzahlung von 2.644 Euro fällig wird. Wer nicht leasen, sondern kaufen will, ist in Frankreich ab 6.000 Euro dabei - inklusive Mehrwertsteuer. Im Carsharing kann man den Ami bei Free2Move auch minuten-, stunden- oder tageweise mieten, ab 0,26 Euro pro Minute - soviel, wie ein Elektroscooter in Paris pro Minute kostet. Wie die Preise in Deutschland aussehen werden, mag man bei Citroën noch nicht sagen.

Neue Vertriebswege

Solche Preise machen den Ami interessant als Zweit- oder Drittwagen für die Stadt. Und möglich werden sie nicht zuletzt durch die kostengünstige Bauweise. Die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h macht aufwändige Fahrwerkstechnik unnötig, die Klappfenster ersparen selbst die Handkurbel und die einzelnen Module, aus denen der Ami zusammengebaut wird, sind bis hin zu den Steckeinsätzen auf dem Armaturenbrett einfach und aus kostengünstigen Materialien. Immerhin: Preiswert sein heißt beim Ami nicht auch, preiswert aussehen. Zudem bietet Citroën zahlreiche Individualisierungspakete an - ab Werk oder nachträglich.

Neu sind auch die Vertriebswege für den Ami. In Frankreich etwa geht Citroën Partnerschaften mit großen Einzelhandelsketten wie Fnac Darty ein und hat mobile Probefahrtzentren entwickelt. An stark frequentierten Orten in Frankreich soll der Ami in Containern präsentiert werden. Daneben kann der Ami komplett online geordert werden. Und natürlich steht er auch bei den regulären Citroën-Händlern. Bestellbar ist der Citroën Ami in Frankreich ab dem 30. März 2020, ausgeliefert wird er dort ab Juni.

Mit dem Namen "Ami" knüpft Citroën an die kleine Limousine gleichen Namens an, die Frühjahr 1961 vorgestellt wurde und deren Design von Flaminio Bertoni stammt. 1966 war der Ami 6 das meistverkaufte Auto Frankreichs. Der "L'Ami Six" mit dem markanten Heck wurde bis 1969 ganze 1,04 Millionen mal gebaut und dann durch den Ami 8 ersetzt, der bis Herbst 1978 vom Band lief.

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