Citroën will einstigen Glanz und Gloria wieder aufleben lassen. Was vor 50 Jahren mit der “Göttin”, der DS begann, soll jetzt mit dem DS 5 seine Fortsetzung finden. Das Flaggschiff der neu kreierten Premiummarke macht vieles richtig; aber nicht alles.

Wenn es um die darbende französische Automobilindustrie geht, hat Francois Hollande einen geradezu biblischen Eifer. Deswegen fährt der französische Präsident ganz patriotisch in einem Citroën DS 5 vor; der Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte sich noch in einem Citroën C6 durch die Gegend chauffieren lassen. Diese publikumswirksame Unterstützung kann die Citroën Premium-Marke gebrauchen. Schließlich soll mit dem Edel-Ableger in China und später auch in Europa richtig Geld verdient werden. Der Zeitpunkt für den Auftritt des DS 5 ist perfekt gewählt: Vor 60 Jahren läutete der Citroën DS beim Pariser Autosalon des Jahres 1955 eine neue Ägide des Automobilbaus und vor allem des Designs ein.

Feines Leder und solide Verarbeitung

Auch wenn die Manager des französischen Autobauers fast schon gebetsmühlenartig wiederholen, dass DS keine Retromarke ist, muss sich das Flaggschiff den Vergleich mit der grandiosen Göttin DS gefallen lassen. Das Design des DS 5 ruft keinen Wow-Effekt hervor, gefällt aber, denn vor allem die Front kann sich sehen lassen. Im Interieur haben die Franzosen die Kritik der Autofahrer beherzigt und zwölf Knöpfe aus der Mittelkonsole entfernt. Das Ergebnis ist ansehnlich, das Bedienkonzept jedoch verschachtelt. Zentrales Eingabe-Instrument ist ein Sieben-Zoll-Touchscreen, eine alternative Bedienung über einen Drehknopf gibt es nicht. Dass das Display bei Sonneneinstrahlung, die durch das optionale Panoramadach dringt, schlecht ablesbar ist, macht die Sache nicht besser. Kennt man sich in dem neuen DS 5 noch nicht richtig aus, artet die Bedienung bisweilen in ein Suchspiel aus: Einige Schalter befinden sich im Dachhimmel des Automobils. Hat man sich einmal daran gewöhnt, ist das schnell verinnerlicht, aber intuitiv ist anders.

Das Interieur beeindruckt mit feinem Leder (Aufpreis: 3.490 Euro), aufwendig unterschäumten Flächen und einer vernünftigen Verarbeitung. Doch im Detail offenbaren sich doch ein paar Schwächen. Manche Knöpfe, wie zum Beispiel der Start-Schalter, sind durch die Hartplastik-Anmutung nicht wirklich wertig. Auch bei den Applikationen ist nicht alles Alu, was glänzt. Wer will, kann sich die wichtigsten Fahrdaten auf einem Head-Display anzeigen lassen, das wie ein Visier aus dem Armaturenbrett klappt. Bei den Testwagen war dies nur in weißer Farbe möglich, doch die DS-Techniker versprechen, dass bis zum Verkaufsstart am 3. Juli auch eine Navigations-Vektorgrafik mit farbigen Dioden zu sehen sein wird.

Komfortables Fahrwerk

Bei der Konnektivität können die Franzosen bei der Konkurrenz mithalten. Zwar ist eine Spiegelung des Smartphones aktuell nur für Geräte mit Android-Betriebssystem möglich, aber Apple Car Play soll in wenigen Monaten folgen. Bei Citroën denkt man weiter: Die MyDS-App zeigt den Fußweg zum Ziel. Die Software hilft auch beim Wiederfinden des Autos, wenn man sich im Großstadt-Dschungel verirrt hat. Auch bei den Assistenzsystemen haben die Franzosen nachgelegt. Helferlein, wie der Tote-Winkel-Assistent und die Rückfahrkamera sind bei der nicht ganz optimalen Rundumsicht des DS 5 durchaus hilfreich. Beides gibt es im Paket zusammen mit einem Navigationssystem ab 1.490 Euro. Wer den Spurhalte-Assistent dazuwählt, darf sich nicht wundern, wenn es ab und an am Popo-Meter vibriert, denn das System gibt die Warnungen nicht, wie üblich, über das Lenkrad, sondern wie ehemals bei Citroen eingeführt über das Sitzkissen aus.

Auf der Straße gefällt der Komfort des Fahrwerks, das jede Art von Wellen und Unebenheiten souverän schluckt. Das Lederlenkrad liegt gut in der Hand und die Steuerung gelingt einigermaßen präzise, auch wenn die Vorderräder bisweilen Probleme haben, die Kraft des Dieselmotors auf die Straße zu bringen. Immerhin zerren 133 kW / 180 PS und ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern, das bei 2.000 U/min bereitsteht, an den Vorderrädern. Die Stärke des DS 5 zeigt sich bei langen Autobahn- und Landstraßen-Etappen. Dennoch lässt sich der 1.7-Tonnen schwere Franzose auch gerne zum Kurventanz bitten. Nur darf der Tango nicht zu enge und zu schnelle Drehungen beinhalten, denn da drängt das Flaggschiff nach außen.

Vorne ist man im DS 5 gut aufgehoben

Das starke Selbstzünder-Aggregat macht eine gute Figur und passt am besten zur neuen von PSA selbst entwickelten Sechsgang-Automatik, die dem Motor etwas die Verve raubt. Den Sprint von null auf 100 km/h bewältigt der DS 5 in 9,2 Sekunden und stürmt danach bis zu 220 km/h weiter. Dass der Durchschnittsverbrauch lediglich 4,4 Liter pro 100 km beträgt, vervollständigt das gute Bild. Nicht ganz so wacker schlägt sich der 121 kW / 165 PS starke Benziner im Zusammenspiel mit dem Automatik-Getriebe. Wer auf etwas mehr Sportlichkeit will, sollte auf den 210-PS-Ottomotor warten, der Ende des Jahres erhältlich sein wird.

Vorne ist man beim DS 5 trotz der hohen Sitzposition und des geringen Seitenhalts gut aufgehoben. Im Fond schaut die Sache etwas anders aus. Hinter normalgroßen Mitteleuropäern wird es um die Knie herum eng. Der Kofferraum fasst zwischen 468 Liter und 1.288 Liter. Da kann der flotte Franzose nicht mit dem Passat Variant mithalten, dessen Gepäckabteil mindestens 650 Liter und maximal 1.780 Liter schluckt. Auch der Ladeboden ist nicht ganz eben, wenn man die Rückenlehnen umlegt. Aber wer einen DS 5 kauft, braucht keinen Nutzlaster. Schließlich handelt es sich hier um eine Präsidenten-Limousine. Die kostet mit dem kräftigen Dieselmotor mindestens 36.990 Euro. Dafür gibt es Parksensoren vorne und hinten, eine zwei Zonen-Klimaautomatik und ein Radio mit USB-Anschluss sowie Lenkrad-Fernbedienung.