Zum bereits zwölften Mal weicht die gewohnte Stille rund um und auch im Schloss Dyck dem Brodeln, Rotzen und Krachen von Motoren. Ob einer, zwölf, 16 oder gar kein Zylinder - den stählernen Stars der Classic Days nimmt das an diesen Tagen niemand übel. Ganz im Gegenteil. Das schönste Auto-Festival Deutschlands zieht trotz arg durchwachsenem Wetter Gäste aus der ganzen Welt in seinen Bann. Allein die Anzahl unterschiedlichster Auto-Kennzeichen-Nationalitäten auf den überfüllten Parkplätzen lässt erahnen, welchen Stellenwert das Festival in der kleinen Stadt Jüchen mittlerweile hat. Doch nicht nur die Anzahl der Besucher, sondern auch die der vielen, fleißigen und stellenweise noch ehrenamtlich tätigen Helfer steigt von Jahr zu Jahr. Da macht es beinahe nichts, dass in diesem Jahr das Wetter nicht gerade die Vorfreude auf einen unvergesslichen Tag steigert. Dem eingefleischten Petrolhead reichen ein paar schöne Stunden Sonnenschein, um einen ersten Eindruck von all dem zu erhaschen, das da ganz offen und zum Anfassen nah Stoßstange an Stoßstange zu sehen ist.

Beim sehenswerten Stand der Autostadt sind dies zum Beispiel ein schwarzer Volkswagen Export Käfer aus dem Jahr 1951 und ein grüner VW Irland Käfer von 1950 sowie einer der letzten in Brasilien produzierten luftgekühlten Bullis. Auf der zweiten Ausstellungfläche steht ein Mann im Fokus, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert: Walter Röhrl. Der Vorgeschmack auf die ZeitHaus-Ausstellung "Walter Röhrl - ein Leben für den Motorsport", die ab Ende August in der Autostadt zu sehen ist, umfasst einen Ford Capri RS, Opel Ascona, Porsche 911, Lancia Rally 037 und einen Audi quattro. Dass Walter Röhrl selbst Platz hinter dem Steuer eines seiner Erfolgsautos nimmt und an der Seite seines ewigen Beifahrers Christian Geistdörfer ein paar Runden auf der Rennstrecke der Classic Days dreht, ist doch Ehrensache. Und so zeigt der noch immer topfitte zweifache Rallye-Weltmeister und vierfacher Monte-Carlo-Sieger, dass ihm auch heute noch so leicht niemand etwas vormachen kann.

Neben dem sympathischen und stets sich selbst treu gebliebenen Rallye-Multitalent sind aber noch weitere fahrende Legenden in Jüchen auf Achse. So stehen der aktuelle Formel 1-Safety Car-Pilot Bernd Mayländer, Karl Wendlinger, Jochen Mass, Ellen Lohr, Frank Biela, Klaus Ludwig und Roland Asch für Autogramme und Interviews parat. Ein ganz besonderes Pärchen ist jedoch mit den Classic Days auf Schloss Dyck bereits von Stunde null an verbunden und zugleich das wohl bekannteste Camper-Paar der Welt: Annemarie und Karl-Heinz Paumen. Die bereits zum zwölften Mal für rund eine Woche im Schlosspark campenden 85-Jährigen sind mal wieder mit einem ihrer zahlreichen Gespanne angerollt. In diesem Jahr sitzen sie allerdings wetterbedingt bevorzugt unter dem Vorzelt ihres Westfalia Camping 310-4.

Die Clubs sind eine Ausstellung für sich

Über ein eigenes Vorzelt würden sich aber auch noch ganz andere Teilnehmer der Classic Days freuen. Denn so wechselhaft wie das Wetter an diesem Wochenende ist, trauen sich nur wenige Cabriofahrer ihr Verdeck ganz unten zu lassen. Völlig unbeeindruckt, da auch ein wenig alternativlos, fegen die offenen, einsitzigen Rennwagen über die Rennstrecke, hinter dessen Begrenzung zahllose Helfer und anfeuernde Zuschauer stehen und sich über ein Hupen, Motoraufheulen oder auch ein einfaches Winken freuen. Keines dieser drei Tätigkeiten muss die zwei Mann starke Besatzung des Beast of Turin, ein Fiat S76, ausführen. Warum? Der 106 Jahre alte holt 290 PS aus 28 Litern Hubraum, die unter einem gewaltigen Lärm und der einen oder anderen mit Flammen begleiteten Fehlzündung aus lediglich vier Zylindern herausgekitzelt werden. Vor rund 104 Jahren erreichte der rote Italiener 211 Kilometer pro Stunde.

Nicht ganz so laut, aber dafür bezahlbar und weltweit bekannt geht es auf der Ausstellungsfläche von Ford zu. Die Kölner rollten auf eigener Achse mit über einem Dutzend Ford-Raritäten auf die Wiese von Schloss Dyck. Gleiches gilt für die zahllosen Automobilclubs, die zwischen den mehr als zwei Meter hohen Maisfeldern ihre eigene kleine Autoshow veranstalten. Besonders hervorzuheben ist in diesem Jahr der Club der Marke Wiesmann, die gefühlt 50 Exemplare ihrer exotischen Fahrzeuge zusammenbringen konnten. Doch auch der BMW Z1-, der MG-, der Jaguar-, der Lotus 7-, und viele weitere Clubs machen mit ihren im Alltag nur zu selten zu sehenden Mitgliederfahrzeugen die Classic Days auf Schloss Dyck zu dem, was sie sind: Ein Festival für Freunde des Automobils.