Der Ateca macht den Startschuss. Anfang diesen Jahres hatte Volkswagens Tochter Seat eine neue Marke kreiert: Unter dem kupferfarbenen Label "Cupra" sollen künftig die leitungsstärksten und sportlichsten Fahrzeuge der Spanier für sich alleine stehen. Toyota hat sein Lexus, Fiat sein Abarth, Renault sein Alpine - und Seat künftig eben sein Cupra als eigenständiges Tochterunternehmen. So zumindest die Botschaft. Das erste Modell nun unter dem zackigen Tribal-Logo: der Kompakt-SUV Cupra Altea.

Der ist allerdings noch nicht so ganz das, was sich die Strategen bei Seat unter ihrer neuen Marke vorgestellt haben. Denn eigentlich sollte Cupra-Fahrzeuge eigenständige Entwicklungen sein und nicht nur bestehende Modellreihen veredeln. "Das Backbone von Cupra ist der Motorsport," sagte Seat-Chef Luca de Meo damals bei der Vorstellung der neuen Marke. Zum Einstieg ein komplett neues Fahrzeug zu entwickeln, dauerte den Marketingstrategien bei Seat allerdings zu lange. Mit der Aufwertung des Altea nun lässt sich zumindest schon mal testen, ob die Cupra-Idee im Markt ankommt. Und SUV geht aktuell ohnehin immer.

Entsprechend unauffällig sieht der Cupra Ateca auf den ersten Blick denn auch aus - die eigentlichen Leckerbissen stecken unter der Karosse. Obwohl: So ganz ohne optischen Chic geht es auch beim Außendesign nicht. Die Farben wirken edler als beim Ateca von der Stange, die 19-Zoll-Felgen sind aus Aluminium, der dreigeteilte, schwarzglänzende Kühlergrill mit dem Wabenmuster, die sportlichen Stoßfänger vorne und hinten, die vier Endrohre - das macht schon was her. Dazu kommen in der Wagenfarbe lackierte Brembo-Bremssättel und ein "Willkommenslicht", das nachts beim Ein- und Aussteigen den Markennamen und das Logo auf den Boden projiziert.

300 PS für vier Räder

Der Innenraum entspricht weitgehend dem des Seat Ateca. Nur eben in edel. Er wurde unter anderem durch viel Alcantara und durch Leder aufgewertet. Daneben gibt es optional zumindest optisch einige "Karbon"-Teile als Kontrast. Das faßt sich alles sehr angenehm an. Die Pedalerie sieht sportlich nach Aluminium aus. Vor dem Fahrer breiten sich serienmäßig die üblichen Instrumente der gehobenen Fahrzeugklassen aus dem VW-Konzern aus: ein digitales Cockpit, das um ein paar Sportanzeigen ergänzt wurde, ein 8-Zoll-Bildschirm für Navigation, Entertainment, Verbindung nach Außen und zum Smartphone. Dazu kommen die Möglichkeit, sein Smartphone drahtlos aufzuladen, das GSM-Signal wird verstärkt, einen Parkassistenten gibt es, eine Außenkamera, die den Wagen aus der 360-Grad-Vogelperspektive zeigt und mehr. Griffig, straff und weitgehend ermüdungsfrei: die neuen Sportsitze. Viel Platz ist - wie im "normalen" Ateca vor allem vorne, hinten geht es eher eng zu. Der Laderaum fasst 485 Liter, bei umgeklappter Rückbank lassem sich daraus bis zu 1.604 Liter machen.

Die neuen Markengene sind beim Cupra Ateca jedoch vor allem woanders zu finden. Beim Fahrwerk zum Beispiel. Nicht ohne Grund ist die kompelette Motor- und Rennsport Division von Seat Sport unter das Dach von Cupra gezogen.

Der Vierzylinder-TSI-Benziner unter der Motorhaube stammt zwar aus dem VW-Konzernregal, erlebt seinen Ersteinsatz aber im Cupra Ateca. Er liefert aus 1.984 ccm Hubraum 221 kW/300 PS und ein maximales Drehmoment von 380 Nm, das zwischen 1.800 und 5.500 U/min. anliegt. Das sorgt für einen schnellen Spurt von 0 auf 100 km/h in 5,4 Sekunden und eine Höchstgeschwndigkeit von 247 km/h. Nicht schlecht für ein gut 1,6 Tonnen schweres SUV. Nur zum Vergleich: Das liegt gleichauf mit einem Porsche Macan S 3.0. Den Durchschnittsverbrauch gibt Seat mit 7,3 Liter Super auf 100 Kilometer an. Real bleibt es gerade so im einstelligen Bereich.

Straff mit Cupra-Modus

Ein Otto-Partikelfilter sorgt dafür, dass er die künftige Grenzwert-Norm Euro 6d-TEMP einhält. Auf die Straße gebracht werden die 300 PS über ein ebenfalls neu entwickeltes siebenstufiges DSG. Die Schaltzeiten sind rasant kurz, alles wirkt auch bei flottem Beschleunigen präzise und hat keine wirklich merkbaren Zugunterbrechungen.

Serienmäßig hat der Cupra Ateca Allradantrieb. Das System analysiert den Straßenzustand in Echtzeit, Lenkrichtung, Fahrstil, dazu die Geschwindigkeit des Ateca und jedes einzelnen seiner Räder. Daraus errechnet der Computer den jeweils nötigen Antriebsimpuls je Rad und liefert ihn dorthin. Dazu lassen sich verschiedene Antriebsmodi per Knopfdruck voreinstellen: Normal, Sport, Individuell, Schnee, Offroad und ein betont knackiger "Cupra-Modus". Offroad klingt aufgesetzter, als es ist: Im Rahmen seiner Bodenfreiheit zeigt der Cupra Ateca erstaunliche Qualitäten abseits asphaltierter Straßen. Im Cupra-Modus reagiert der Motor spontaner, die Gasannahme ist direkter, das Fahrwerk wird härter - und Seat macht die aktuelle Mode mit und generiert künstlich einen sportlich knackigeren Sound.

Dank eines relativ niedrigen Schwerpunkts lässt sich der Cupra Ateca agil und präzise fahren, in Kurven braucht es schon eines ziemlich nachdrücklichen Gasfußes, um ihn ein wenig aus der Spur zu bringen - aber gleich ist die Elektronik da, und regelt es wieder ein. Sehr angenehm die exakte Lenkung, die gut Rückmeldungen von der Straße liefert. Die Motorleistung sorgt dafür, dass man im Cupra Ateca flott und lustvoll unterwegs sein kann. Wenn man nicht gerade den "robusten" Cupra-Modus einstellt, ist der flotte Spanier auch gut auf Langstrecken zu gebrauchen.

Die Preise. Ursprünglich wollte Seat wohl unter 40.000 Euro starrten. So ganz hat das wohl nicht geklappt. Aktuell sind rund 43.000 Euro im Gespräch.