| von Stefan Grundhoff

Beim Design kann man dem Dacia Duster genauso wenig vorwerfen wie beim Preis. Bei unter 12.000 Euro geht es für den 100 PS starken Basismotor mit Frontantrieb los und ansehnlich ist der Duster bereits hier allemal. Kraftvoll und selbstbewusst lockt er mögliche Interessenten auch aus anderen Klassen und insbesondere von anderen Herstellern an. Wen stört da schon, dass das meiste, was sich in den Luxusausstattungen Prestige und Adventure Leder nennt, kein solches ist. Kunstleder gibt im Innenraum für zusätzliche 500 Euro den Ton an. Dabei täte man dem Duster Unrecht, seinen Innenraum allein als Billigareal zu sehen. Die Kunststoffoberflächen sind in Ordnung; die Übersichtlichkeit auch. Wir sind schließlich in der Liga unter 15.000 Euro.

Da überrascht es wenig, dass Selbstverständlichkeiten wie eine nur einstufige Sitzheizung 150 Euro kostet, die mächtig schwach auf der Brust arbeitet oder für die Klimaautomatik weitere 200 Euro anfallen. Immerhin sind beim Topmodell Dacia Duster Prestige Einparkhilfe, Kameras vorne und hinten, DAB-Radio oder Navigationssystem serienmäßig an Bord. Das Sondermodell Adventure hat abgesehen von der Teillederausstattung und Metalliclack für 19.890 Euro ohnehin alles an Bord, was das Herz eines potenziellen Duster-Kunden begehrt.

Mehr als praktisch ist dabei auch die Handsfree-Keykarte, die zwar kleiner sein könnte, jedoch den Schlüssel bedeutungslos macht. Besonders angenehm, dass diese Karte tatsächlich in der Tasche bleiben kann und man nicht einmal einen Knopf am Fahrzeug drücken muss, um den Duster zu öffnen oder zu schließen. Kommt man in die Nähe des 4,34 Meter langen SUV, öffnet sich dieser selbsttätig. Entfernt man sich ein paar Schritte, schließt sich der Duster automatisch ab. Das bieten selbst in der Luxusliga kaum Hersteller, kostet bei den anderen Duster-Modellen unterer Ausstattungsstufen gerade einmal 200 Euro und ist ebenfalls Serie im Adventure. Leider gibt es jedoch auch bei ihm keine Möglichkeiten, die Scheinwerfer in lichtstarke Regionen zu drücken. Zwar gibt es LED-Tagfahrlicht für einen schicken Lidstrich im Alltag, doch sonst äugt der Duster aus gelblich schimmernden Halogenstrahlern, die immerhin von Nebelscheinwerfern unterstützt werden. Vorbei sind längst die Zeiten, in denen Dacia seine Modelle nur mit einem Mindestangebot an Sicherheitssystemen auf die Kunden losließ. So ist der Duster mit ABS, ESP und zahlreichen Airbags ausgestattet. Dazu gibt es Berganfahrhilfe, Kameras vorne und hinten sowie einen Totwinkelwarner. Das sollte für die meisten Kunden reichen.

Ausreichend Platz

Die Bedienung im Innern ist einfach und praktisch, doch es gibt auch Patzer. Mit dem mäßigen Navigationsgerät kann man sich noch arrangieren, doch der unbeleuchtete Bediensatellit für Radio und Soundsystem ist im Düstern über dem rechten Knie verborgen. Auch die Taster am Lenkrad sind unbeleuchtet. Wie soll man diese bei Dunkelheit bedienen - indem man die grelle Innenraumbeleuchtung einschaltet und vom Verkehr und dem Licht gleichermaßen abgelenkt wird? Gleiches gilt für die Beleuchtung der elektrischen Spiegelverstellung - hier hapert es mächtig. Und die ebenfalls unbeleuchtete Positionierung des Schalters für die Sitzheizung an der Außenseite ist ebenfalls sinnfrei. An der Detailliebe hapert es beim Duster mächtig.

Das Platzangebot im Duster ist auch dank des 2,67 Meter langen Radstandes vorbildlich. Vorne wie hinten finden auch Erwachsene mit mehr als 1,80 Metern ausreichend Kopf- und Beinfreiheit. Jedoch könnte die Sitzfläche etwas länger sein und über mehr Seitenhalt würde sich auch ohne sportlichen Anspruch niemand beklagen. Allerdings sollte man es in der zweiten Reihe bei zwei Personen belassen und hier oder da ein USB-C-Anschluss würde die Konkurrenz noch mehr ärgern. Überhaupt ist der Sitzkomfort im Fond überschaubar. Das Ladevolumen liegt zwischen 445 und 1.478 Litern bei umgelegter Rückbank. Dass es im Laderaum hier und da ohne eine schicke Verkleidung zugeht - wen stört es?

Preis: unter 20.000 Euro

Ähnlich ausgewogen wie Design und Ausstattung zeigen sich die Antriebe. Für die meisten Interessenten dürften die Versionen mit 100, 115 und 130 PS ausreichend sein. Doch gerade das Topmodell Davis Duster Adventure TCe 150 mit seinem 110 kW / 150 PS starken Turbovierzylinder schlägt sich in dem 1,3 Tonnen schweren Duster überzeugend. Durch das maximale Drehmoment von 250 Nm ab 1.700 U/min geht es mit der leichtgängigen Sechsgang-Handschaltung flott zur Sache. Aus dem Stand beschleunigt der Fronttriebler in 9,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht 202 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Normverbrauch von 6,0 Litern entstammt jedoch dem Reich der Kobolde und Feen. In der Realität sind es rund acht Liter, die durch die Einspritzdüsen fegen. In Sachen Geräuschdämmung hat der Duster so seine Schwächen, denn wer flott oder gar schnell auf Autobahn oder Landstraße unterwegs ist, der bemerkt schnell wie Fahrtwind, Reifen, Motor und Soundsystem um die Aufmerksamkeit des Piloten kämpfen. Hier ist einer der Punkte, an denen gespart worden ist und die der Kunde es schneller spürt, als ihm lieb ist.

Das Fahrverhalten des Duster TCe 150 ist unaufgeregt und gerade für schlechte Straßen in der Innenstadt komfortabel genug. Während vorne eine McPherson-Achse verbaut ist, arbeitet hinten eine Verbundlenkerachse. Die 21 Zentimeter Bodenfreiheit sorgen dafür, dass man zumindest mit dem optionalen Allradantrieb auch einmal abseits befestigter Straßen unterwegs sein könnte. Etwas mehr Rückmeldung und Bodenkontakt könnte die zu leichtgängige Servolenkung bieten, mit der der Dacia ausgestattet ist. Was kann man dem Dacia Duster vorwerfen? Nicht viel - schon gar nicht zu diesem Preis.