| von Stefan Grundhoff

Gut sieht er aus der neue Dacia Sandero. Bereits der Vorgänger konnte sich sehen lassen und räuberte dabei nicht nur bei der Konkurrenz aus Asien und Europa, sondern auch im eigenen Konzern. Auch Einstiegsmodellen von Nissan und speziell Renault bereitete der Sandero gerade als pseudo-rustikaler Sandero Stepway (60 Prozent Verkaufsanteil) einiges an Kopfzerbrechen. Das dürfte bei der neuen, dritten Generation noch heftiger werden, denn der Sandero ist was Plattform, Technik und Antrieb angeht, mit dem gleichen Rüstzeug wie der deutlich teurere Renault Clio unterwegs.

Der neue Dacia Sandero hat nicht nur beim Design, sondern speziell auch bei der Technik deutlich nachgelegt. Die weitgehend nackte Basisvariante hat nach Renault-Aussagen gerade einmal eine Verkaufsquote von zwei Prozent. Bleibt die Frage, wieso der Dacia Sandero Access, der nur das Nötigste vom Nötigen bietet, überhaupt im Programm geblieben ist. Der Lockruf des Preises von billigen 8.490 Euro ist an einen Motor gebunden, der ebenfalls nicht mehr zeitgemäß ist. Die modernste Abgasreinigung kostete im Vergleich zum Vorgänger zudem ein paar Pferdestärken und so leistet er nur noch 49 kW / 67 PS. Daher keinen Gedanken an den alten Saugbenziner in der Access-Variante verschenken und gleich eine Etage höher einsteigen - dann passt es auch mit dem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 11.490 Euro gibt es ein Billigmodell, das längst keines mehr ist.

Der Dacia Sandero TCe 90 Comfort bietet einen wahren Hightech-Benziner, der auch den deutlich teureren Renault Clio befeuert. Doch identisch motorisiert und kaum besser ausgestattet kostet der Renault Clio TCe90 Intens fast 19.000 Euro - ein sattes Aufgeld von über 7.000 Euro - rund 60 Prozent mehr. Das muss einem der Clio erst einmal wert sein. Auch weil der aufgeladene Dreizylinder zwar aufgrund der sehr mäßigen Geräuschdämmung im Sandero nahezu in jedem Geschwindigkeitsbereich allzu präsent vor sich hin schnattert, doch mit Fahrleistungen versorgt, die keinen Kunden enttäuschen dürften. Der ein Liter große Turbo holt aus einem Liter Brennraum 67 kW / 91 PS und ein maximales Drehmoment von 160 Nm, das ab 2.100 U/min anliegt. So beschleunigt der Fronttriebler akustisch deutlich vernehmbar, aber allemal flott aus dem Stand in 11,7 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 178 km/h. Mehr braucht in der Kleinwagenliga niemand. Der Normverbrauch: solide 4,8 Liter und der im Vergleich zu vielen Konkurrenten standesgemäß dimensionierte Tank mit seinem Füllvolumen von 50 Litern sorgt für Reichweiten einstiger Dieselzeiten mit 1.000 Kilometern.

Finger weg vom Basismodell

Der Diesel ist bei Renault deutlich auf dem Rückmarsch und bei Dacia wegen des sinkenden Kundeninteresses gestrichen. Wer mehr Reichweite und weniger Verbrauch will, kann sich für eine LPG-Variante entscheiden, die neben dem Benzintank in der Reserveradmulde einen 32 Liter großen Gastank versteckt. Neben einem dezenten Leistungszuwachs auf 100 PS vergrößert das die Reichweite auf rund 1.300 Kilometer. Doch die meisten Sandero-Kunden dürften beim normalen 90er TCe bleiben, der aus Dynamik und Sparsamkeit ein guter Kompromiss ist. Das Fahrwerk ist dank der modernen CMF-Plattform ebenso auf der Höhe wie der Antrieb. McPherson-Vorderachse und Koppelachse hinten sind kein Wunder an Fahrdynamik oder Komfort für das knapp 1,2 Tonnen schwere Modell, aber allemal gut genug für ein Fahrzeug der unter 20.000-Euro-Liga. Die Rückmeldung der allzu leichtgängigen Lenkung ist gut, der Federungskomfort abgesehen von groben Unebenheiten ordentlich und das Fahrverhalten ist unaufgeregt abgestimmt. Gut: die Sechsgang-Handschaltung, die einen nicht mit der stufenlosen CVT-Variante flirten lässt.

Neben dem günstigen Preis ist das gute Platzangebot des 4,09 Meter langen Dacia Sandero Kaufargument Nummer eins. Vier Personen finden in dem Franzosen mit rumänischen Wurzeln und marokkokanischen Geburtsstätten allemal Platz. Für dritt wird es im Fond jedoch allzu eng und so sollte man es bei maximal drei bis vier Personen im gesamten Innenraum belassen. Das Laderaumvolumen wuchs im Vergleich zum Vorgänger marginal auf 328 bis 1.108 Liter. Fahrer und Passagiere freuen sich mittlerweile über ordentlich verarbeitete Verkleidungen sowie Textilelemente in Türen und dem Armaturenbrett. Auf den Sitzen kann man auch größer gewachsen einmal ein paar hundert Kilometer abreißen. Unverständlich jedoch, wieso Selbstverständlichkeiten wie Sitzheizung vorne und hinten oder am Lenkrad erst einmal nicht lieferbar sind und die Billigversionen immer noch mit manuell bedienbaren Außenspiegeln und Fensterkurbeln produziert werden. Hier sollte der Rotstift angesetzt werden, um die Varianz zu reduzieren und die Ausstattung ab Werk zu erhöhen. Das hilft Hersteller wie den Kunden. Die Serienausstattung des neuen Billigmodells hat als Comfort-Version unter anderem LED-Scheinwerfer, sechs Airbags, Notbremsassistent, Notbremsassistent, Regen- / Lichtsensor, schlüsselloser Zugang oder Totwinkelwarner. So viel Auto für so wenig Geld - nahezu unmöglich zu finden.

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