Auch wenn die Kunden weltweit noch die Köpfe schütteln - das große Thema auf dem Pariser Automobilsalon ist die Elektromobilität. Unter 300 Kilometern Reichweite geht gar nichts mehr. Besser sind 400 oder 500 Kilometer. Genau das legt der Opel Ampera-e vor. Zumal diese Angabe mit leichtem Gasfuß nicht unrealistisch ist: "Wir sind 417 Kilometer von Paris nach London gefahren und hatten immer noch eine Restreichweite von 80 Kilometern", erzählt Opel-Chef Dr. Karl-Thomas Neumann freudestrahlend. Noch schweigt Opel, wenn es um den Preis geht. Der dürfte bei etwa 34.000 Euro liegen, damit wäre der Blitz-Stromer immer noch billiger, als der BMW i3, der 34.950 Euro kostet. Voraussichtlich bietet der Ampera-e eine umfangreichere Ausstattung. Mit 150 kW / 204 PS ist der Opel auch ausreichend motorisiert.

Der VW-Konter lässt noch auf sich warten. Die sehenswerte Studie des VW I.D. gibt einen Ausblick auf ein Serienmodell, das 2020 den Markt der E-Mobile aufmischen soll. Beim niedersächsischen Autobauer geht auch das Stromern nur mit einem Baukasten. Deswegen steht auch die Studie eines Kompakt-Automobils auf dem "Modularen Elektrifizierungsbaukasten" (MEB). VW verspricht für das Serienmodell eine Reichweite zwischen 400 und 600 Kilometern. Angesichts der Batterieentwicklung ist das durchaus drin. Ein E-Motor mit 125 kW / 170 PS reicht für 160 km/h Höchstgeschwindigkeit. Bereits zu bekommen sind die Elektro-Klassiker BMW i3, Renault Zoe und Nissan Leaf, die allesamt deutlich an Reichweite zugelegt haben und nur 300, 250 und bis zu 400 km. Auch der VW E-Golf verspricht 300 km Reichweite - angesichts der bis zu 500 Kilometer des Opel Ampera-e dürfte das vielen potenziellen jedoch zu wenig sein.

Was BMW mit "i" recht ist, ist Mercedes nur billig. Die Schwaben heben ebenfalls eine eigene E-Mobilitäts-Submarke aus dem Taufbecken. Der Name: "Mercedes EQ" deckt sich mit dem der Studie, die in Paris den Anfang macht. Der "Mercedes Generation EQ" ist ein 4,70 Meter langes E-SUV, das Ähnlichkeiten zum GLC hat, der im kommenden Jahr auch einen Wasserstoffantrieb bekommen wird. Der Mercedes EQ ist eindeutig die Sperrspitze gegen Teslas Model X. Das zeigen die puren Leistungsdaten. Das Akkupaket des Mercedes Generation EQ wird Kapazitäten von bis zu 70 kWh haben und die beiden Elektromotoren des Allradlers werden mit bis zu 300 kW / 403 PS Leistung versorgt. Die maximale Reichweite soll bei 500 Kilometern liegen. Bis der Stromer auf deutschen Straßen zu sehen, ist dürften noch zwei bis drei Jahre vergehen. Dann dürften auch die effektheischenden Front- und Heck-Lichtspielereien verschwunden sein. Chefdesigner-Gorden Wagener, Chefdesigner über sein Werk: "Seine Faszination liegt in der Neuinterpretation unserer Designphilosophie der sinnlichen Klarheit für eine avantgardistische, moderne und eigenständige Elektro-Ästhetik." Noch schärfer sieht jedoch der Renault Trezor aus - eine spektakuläre Sportwagenstudie mit weit aufschwingender Einstiegskuppel. Da geraten die 350 Elektro-PS fast zur Nebensache. Chancen auf eine Serienumsetzung: wie fast immer bei Renault - gleich null.

Run auf SUVs ungebrochen

Und sonst? Auf dem weltweiten Messeparkett spielt die mächtige Automesse im Herzen der französischen Metropole trotz mehr als einer Million erwarteter Zuschauer allenfalls noch in der zweiten Reihe. Sie findet im Wechsel mit der Frankfurter IAA nur alle zwei Jahre und ist nicht nur auf Europa, sondern aufgrund der allzu französisch orientierten Heimfirmen, allzu sehr auf Frankreich fokussiert. In diesem Jahr gibt es im Messezentrum an der Porte de Versailles jedoch nicht nur ein starkes Heimspiel von den nationalen Marken Renault / Nissan, Peugeot und Citroen, sondern auch die anderen europäischen Firmen gehen in die Vollen. Bei dem Versuch jede noch so kleine Lücke mit einem Derivat zu schließen, kommt eine große Messe der Pariser Automobilsalon gerade Recht, um das eigene Modell ins strahlende Scheinwerferlicht zu rollen. PSA zeigt erstmals den neuen Citroen C3 und die lange überfälligen Peugeot 3008 und 5008 - mittlerweile beide zu SUV gereift.

Wenn es um das Publikumsinteresse geht, stehen SUV und Geländewagen diesmal auch an der Seine ganz oben. Der Skoda Kodiaq als großer Bruder des VW Tiguan wurde publikumswirksam bereits vor der Messe enthüllt. Er soll die preissensible Mittelklasse aufmischen und mit viel Platz Kunden locken, die bisher in einem Kombi oder einem anderen SUV unterwegs waren. Wer es lieber spanisch mag, steigt in den Seat Ateca Xperience. Noch zwei Klassen größer ist der Land Rover Discovery unterwegs, der nach seiner Premiere im Jahre 2003 nicht nur wegen seines Übergewichts mächtig in die Jahre gekommen ist. Die Generation V bietet ebenfalls Platz für bis zu sieben Personen, moderne Triebwerke und ein deutliches Mindergewicht von fast 500 Kilogramm. Sportlicher lassen es Modelle wie der BMW Concept X2 als schnittiger Bruder des überaus erfolgreichen BMW X1 und der neue Audi Q5 angehen. Die zweite Q5-Generation wird in Mexiko produziert und sieht seinem Vorgänger ebenso ähnlich die die neuen A4- / A5-Modelle ihren Ahnen. Dafür gibt es modernste Technik, Premiumcharme im Innern und zahllose Fahrerassistenzsysteme.

Dauerbrenner

Noch mehr Dampf gefällig? Einfach in den Mercedes AMG GLC 43 oder gar den Porsche Macan einsteigen, die beide in der Klasse zwischen 360 und 450 PS auf Kundenfang gehen. Wer es weniger rustikal mag, kann sich an auf dem Pariser Salon über Zwischenmodelle wie die Mercedes E-Klasse All-Terrain. Ebenso wie der Opel Karl Rocks oder der Volvo V90 Cross-Country, der nicht in Paris zu bestaunen ist, bietet der Schwabenicht viel mehr Technik als die weitgehend identische Kombiversion, sorgt mit grauem Plankenzierrat und mehr Modenfreiheit jedoch für zaghafte Offroad-Gefühle. Ohne jeden Allradcharme kommen Supersportler wie der LaFerrari Spider oder der Ferrari GTC Lusso T aus.

Klein- und Kompaktwagen laufen in Europa nach wie vor bestens. Auf dem Messegelände kommen heißen die Stars Kia Rio, Suzuki Ignis, Hyundai i30 oder den zunehmend weniger extravaganten Honda Civic. Klein und günstig will der neue Ford Ka+ aus indischer Produktion in erster Linie Kunden von Dacia, in Paris mit dem überarbeiteten Sandero vertreten, oder der koreanischen Konkurrenz abgreifen, die in der 10.000-Euro-Klasse ein Fahrzeug suchen. Knapp darüber dürfte sich der neue Nissan Micra positionieren, der zu seinem Vorgänger nicht nur ein Sachen Design einen Klassensprung gemacht hat. Ab sofort gibt es sehenswertes Styling, moderne Fahrassistenzsysteme und aufgeladene Benzintriebwerke.