Die Szenerio könnte aus einem Science-Fiction-Film der 1960er stammen. Vorne geht ein Mann und mit einem halben Meter Abstand folgt ihm ein rollendes Ufo, das seine Tasche transportiert, auf Schritt und Tritt. Wie von Geisterhand gesteuert vollzieht das spacige Teil jede Richtungsänderung. Diese Zukunfts-Visionen von damals können bald schon Realität werden. Zumindest wenn es nach dem Schöpfer des Vehikels Kilian Vas geht. Wenn der Ingenieur von seinem "Baby" spricht, leuchten seine Augen. "Wir haben viel Herzblut in CarrE gesteckt", strahlt er.

Sobald man sich man sich auf die runde Platte stellt, meldet das UFO mit freundlichem Blinken Einsatzbereitschaft. Die Steuerung des Vehikels ist eine Mischung Skateboard- und Skifahren. Wippt man auf die Zehenspitzen beschleunigt das Gefährt, verlagert man das Gewicht auf das linke oder rechte Bein, flitzt es um die Kurve. Gebremst wird, in dem man sich auf die Fersen stellt. Mit ein bisschen Übung geht es einigermaßen flott zur Sache: CarrE schafft maximal elf mph / 18 km/h und hat eine Reichweite von 14 Meilen / knapp 23 Kilometern. Die Idee des deutschen Technikers kommt auch in den USA an. Ford-Entwicklungschef Raj Nair ließ es sich nicht nehmen, selbst eine Testfahrt zu machen. Und was hat er gesagt? "Er will, dass CarrE schneller wird", lacht Vas.

Das dürfte kein Problem sein. Momentan sorgen zwei E-Maschinen mit jeweils 500 Watt für den Vortrieb. Beim ähnlich konzipierten Hoverboard sind es lediglich 500 Watt. Angetrieben werden die zwei äußeren Räder, während die beiden anderen Reifen (vorne und hinten) frei beweglich sind. So folgt CarrE exakt dem Fußdruck des Piloten. Wer einmal Snowboard oder Skateboard gefahren ist, findet sich auf Anhieb auf diesem Flitzer gut zurecht.

Praktische Handhabung

Nachdem der Chef-Entwickler den Daumen gehoben hat, har CarrE die erste Hürde zur Serie bereits genommen. Ob der amerikanische Autobauer aber CarrE in Serie bringt, steht noch in den Sternen. So verschmitzt der runde Flitzer mit seinen Scheinwerfern und Rücklichtern auch aussieht, so einfach er sich auch bedienen lässt, steckt doch eine ganze Menge Hirnschmalz in dem Gerät. Bei der Orientierung helfen Radarsensoren, wie sie bei Einparkhilfen verwendet werden. Auch die Steuerungssoftware stammt zu Teilen aus den Parkassistenten, musste natürlich an die neue Aufgabenstellung angepasst werden.

Die Ultraschall-Sensoren sind auch der Kniff hinter dem Verfolgungs-Modus. Der Voranschreitende trägt einen Sender bei sich, der sich, der mit den Pendants, die sich vorne an CarrE befinden, kommuniziert. Damit das auch reibungslos klappt, hat CarrE ein Hirn mit der Rechenpower von frühen Smartphones. Drei Monate dauerte die Entwicklung des neuen Fortbewegungsmittels und Killian Vas\' Team hat an alles gedacht. Das Gerät passt genau in die Reserveradmulde und kann an einer Schuko-Steckdose innerhalb von 35 Minuten geladen werden. "Auch eine Aufladung während der Fahrt ist machbar", sagt Kilian Vas.

Idee eines Ingenieurs

Was passiert eigentlich, wenn jemand das Gepäck von der Plattform entfernt? Dann veranstaltet CarrE einen Höllenlärm und blinkt ganz aufgeregt. Das Smartphone des Besitzers vibriert und ein Alarmton ertönt. Bei Bedarf kann auch ein Befestigungsgurt für die Transsportgegenstände und eine Stange, wie bei einem Segway installiert werden. Ein Griff, um die zehn Kilogramm schwere Scheibe zu tragen, ist ebenfalls vorhanden. Wer will kann, das Vehikel auch per App steuern, so legt man den Anstand des Vehikels fest oder dirigiert CarrE per "Drohnen-Modus" aus der Ferne.

Bleibt nur noch die Frage, nach dem Mann hinter dem Gerät. Normalerweise kümmert sich Kilian Vas in der Vorentwicklung um Innenräume der Autos. Aber als sein Arbeitgeber Ford einen weltweiten Wettbewerb ausschrieb, in dem es darum ging, wie die letzte Meile zum Ziel überbrückt werden kann, reifte in ihm die Idee zu CarrE. Jetzt müssen die Ford-Bosse nur noch ihr Placet geben, dann wird die letzte Meile zur Spaß-Veranstaltung.