| von Wolfgang Gomoll

So langsam, aber sicher drehen sich die automobilen Vorzeichen um. Wurden früher die Autos nach China importiert, ziehen immer mehr westliche Autobauer dort eine lokale Produktion hoch und verschiffen die Autos nach Europa. Der DS 9 ist eines der ersten Fahrzeuge, die diesen neuen Weg einschlagen. Der westlich orientierte Autofahrer würde jetzt annehmen, dass es bei einem solchen Fahrzeug Veränderungen beim Fahrwerk gibt. Schließlich sind die Fahrgewohnheiten in München und Hamburg anders als in Shanghai - mitnichten. "Das Auto ist identisch mit der in China verkauften Version", erklärt Produktmanager Tijl Verhelst.

Beim Fahrwerk ist diese Nachbesserung auch nicht notwendig. Denn der DS 9 hat eine Kombination aus adaptiven Dämpfern und einer Kamera, die die Straße vor dem Auto überwacht und die Befehle an jedes einzelne Rad schickt, das diese innerhalb von 150 Millisekunden umsetzt und so den Unebenheiten entgegenwirkt. Der fliegende Teppich à la Paris funktioniert. Trotz eines Gewichts von 1.845 Kilogramm bügelt die Technik von Rissen im Asphalt bis hin zu Schlaglöchern alles weg, ohne jedoch zu unnatürlich entkoppelt zu sein. So merkt der Fahrer, was unter den vier Rädern vor sich geht.

Infotainment und Instrumente mit verspielter Grafik

Bei den Assistenzsystemen bietet die französische Oberklassen-Limousine einiges, erreicht aber nicht die Opulenz einer Mercedes S-Klasse. Zum Beispiel gibt es kein Head-up-Display und virtuelle Richtungspfeile fliegen schon gar nicht. Aber auch der gallische Luxuskreuzer bietet einiges an Assistenzsystemen: Ein Toter-Winkelwarner oder ein adaptiver Tempomat gehören heute schon in niedrigeren Preisklassen zum guten Ton, ein Highlight ist aber der Nachsicht-Assistent, der sogar kleinere Tiere ab einer Körperhöhe von 45 Zentimetern erkennt.

Das Infotainment des Zwölf-Zoll-Touchscreens und die Rauten-Grafik der Instrumente sind verspielt und stellen einen Kontrast dar zum klar strukturierten teutonischen Ansatz. Ganz ohne deutschen Einfluss geht es dann doch nicht. Auf Wunsch werden die Sitze und die Interieur-Applikationen mit Leder überzogen, das von bayerischen Rindern stammt, die auf hoch gelegenen Weiden gehalten wurden, wo keine Mücken mehr fliegen und keine Drahtzäune nötig sind. Das Resultat: Das Leder weist keine Insektenstiche auf und auch keine Spuren, die durch die Zäune hervorgerufen werden.

Fürstliche Raumverhältnisse auf der Rückbank

Die Franzosen legen Wert auf Details. Sei es durch das extrovertierte Äußere der Chromleiste samt der DS-typischen Clous-de-Paris-Gravur, die die Motorhaube teilt oder durch die mehrfarbigen Nähte am Lenkrad. Die sich drehenden LED-Scheinwerfer, die sich dem Fahrer entgegenstreckenden versenkbaren Türöffner und das ansehnliche Design des DS 9 sind weitere Pluspunkte. Das größte Pfund ist allerdings der Platz. Mit einem Radstand von 2,89 Metern ist der DS der Spitzenreiter bei den Fahrzeugen des PSA-Konzerns, die auf der EMP2-Plattform basieren. Das schlägt sich in fürstlichen Raumverhältnissen auf der Rückbank nieder. Ganz wichtig für Chinesen. Dass alle vier Sitze jetzt eine Massage-Funktion haben, freut Kilometerfresser. Ebenso der Fakt, dass der DS 9 E-Tense 225 ab 52.810 Euro zu haben ist - im Vergleich zur S-Klasse oder einem 7er BMW durchaus günstig.

Ein Leitspruch bei DS heißt seit jeher, dass man die Deutschen nicht auf der Autobahn schlägt. Das ist auch beim DS 9 so, der ab September beim Händler steht. Die Kombination aus Vorderradantrieb, einem Verbrennungsmotor mit 131 kW / 181 PS und einer E-Maschine mit 80 kW / 110 PS ist im PSA-Konzern nichts Neues. Das ergibt eine Systemleistung von 165 kW / 225 PS und ein maximales Drehmoment von 360 Newtonmetern - ganz in Ordnung, aber in der Luxusklasse leistungsmäßig eher am unteren Ende angesiedelt.

Dank der 11,9-Kilowattstundenbatterie kommt der DS 9 mit maximal 135 km/h rund 47 Kilometer (WLTP) weit. Die Franzosen setzen alles daran, dass die Batterie nie komplett entleert wird. Aus gutem Grund: Im Zusammenspiel mit der E-Maschine kann man mit der Limousine sehr entspannt reisen. Das spiegeln auch die Fahrleistungen wider: Nach 8,7 Sekunden sind aus dem Stand 100 km/h erreicht und die Limousine ist bis zu 240 km/h schnell. DS gibt einen Verbrauch von 1,6 l/100 Kilometer an. Bei unserer Testfahrt standen 5,1 l/100 Kilometer auf der Uhr. Den Sport-Fahrmodus haben wir schnell wieder deaktiviert, denn dann hört man dem Verbrennungsmotor sein Bemühen an, die Kraft des Antriebsstrangs voll auszureizen.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil es im DS 9 ansonsten aufgrund der dicken Verbundglasscheiben ziemlich ruhig zugeht. Deutlich besser passt dann schon der Allradantrieb und der Antriebsstrang mit 264 kW/360 PS aus dem Peugeot PSE mit den zwei Elektromotoren zum DS 9. Mit diesem Auto ist man zwar souveräner unterwegs, aber auch der Preis dürfte ein höherer sein. Wer gänzlich auf die Kraft des Elektroherzens verzichten will, greift zum 184 kW/250-PS-Benziner, der ebenfalls später erscheinen wird.

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