Model 3Das Strohfeuer der ersten Volumenmodelle mit Elektromotor verpuffte ohne große Bühne. An Mitsubishi i-MIEV, Peugeot Ion oder Citroen C-Zero erinnert sich bereits jetzt kaum mehr jemand und auch der Opel Ampera ist als GM-Modell aus den Köpfen verschwunden. Und abgesehen vom bestens für den Elektroantrieb geeigneten Smart Fortwo machte allenfalls der Renault Zoe mit der teuren Batteriemiete von sich reden, der in Deutschland aktuell das meistverkaufte Elektro ist. BMW i3, VW E-Golf und Nissan Leaf sind da schon mindestens eine Nummer größer und das gilt nicht nur für den jeweiligen Verkaufspreis. Erfolgsmodelle sehen zumindest in unseren Breiten jedoch anders aus. Mit großem Marketingdruck versuchen die Premiumhersteller gerade ihre Luxusmodelle in den Markt zu drücken und sich als visionäre Elektromarken zu präsentieren. So recht gelingen mag das aktuell keinem.

Audi hat seinen schicken E-Tron vorgestellt, Jaguar verkauft seinen sportlichen i-Pace, Tesla fängt endlich an, auch hier sein volumentaugliches Model 3 auszuliefern und bei Mercedes hat man den EQ C als Erstlingsmodell nach der beinahe vergessenen B-Klasse Electric Drive nochmals nach hinten verschoben. Doch während viele vom Porsche Taycan träumen, den BMW iNext oder gar den Audi E-Tron GT herbeisehnen, geht die Post gerade ein paar Klassen tiefer ab. Abseits der Premiumsegments formiert sich langsam eine Elektrowelle, deren Zukunft rosiger aussehen dürfte als die der bisherigen Modelle.

So bringt Kia zu bezahlbaren Preisen mit weitgehend identischer Technik sein Elektrodoppelpack aus e-Niro und e-Soul zu den Kunden; beide mit entsprechender Reichweite und hohem Alltagsnutzen. "Die Batterie ist für Plug-in-Hybrid- und batterieelektrische Fahrzeuge immer noch der entscheidende Kostentreiber", räumt Michael Winkler ein, der im Entwicklungszentrum von Kia in Rüsselsheim den Bereich Antriebstechnologie verantwortet. Dass der Kia e-Niro mit einem Gesamtpreis von 34.290 Euro 455 Kilometer Reichweite verspricht, reicht den meisten Kunden trotzdem nicht. Für die vollelektrische Variante entscheiden sich gerade einmal fünf Prozent der Niro-Käufer.

Renault mit elektrischem Kwid: KZ-E

Bei PSA war nach dem Flop mit dem abgekupferten Mitsubishi i-MIEV als Peugeot Ion und Citroen C-Zero nicht viel in Sachen Elektroantrieb zu holen und bei Opel trauert man nach wie vor dem kurzen, aber großen Marketingerfolg des Opel Ampera-E nach, der als GM-Modell bald aus den Schauräumen verschwinden wird. Jetzt preist PSA mit dem DS3 Crossback seinen neuen Einstiegs-SUV nicht nur mit Verbrennermotor, sondern ab Anfang 2020 auch mit einem Elektromotor an. Mit seinen 100 kW / 136 PS bietet der Stromer angesichts von 1,5 Tonnen (300 kg Mehrgewicht) zwar nicht mehr als solide Fahrleistungen, aber eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern. Seine Technik teilt sich der Franzose dabei mit dem kommenden Kleinwagen-Doppelpack aus Peugeot 208 und Opel Corsa - beide kommen auch als Elektromodelle. Da Carlos Tavares keine Lust mehr auf eine Opel-Plattform hatte, wurde der bereits weitgehend entwickelte Opel Corsa eingestampft und vom Peugeot 208 und der neuen CMP-Plattform abgeleitet. Bei allen Modellen soll eine mindestens 50 Kilowattstunden große Batterie für Energiefluss sorgen.

Renault geht mit seinem neuen Clio nicht ganz so weit und elektrisiert den Europa-Bestseller zeitnah mit einem Hybridmodul. Vor zwei Jahren hatte Renault den Fünfjahresplan "Drive the Future" ausgerufen. Eine Prämisse der neuen Strategie ist es, bis 2022 zwölf elektrifizierte Modelle auf den Markt zu bringen. Der Renault Clio V bekommt ab dem nächsten Jahr den E-Tech-Hybridantriebsstrang bestehend aus einem 1,6 Liter Benzinmotor, zwei Elektromaschinen und einer Batterie mit 1,2 Kilowattstunden Kapazität. Durch das schnelle Rekuperieren und Laden sollen der Spritverbrauch im Stadtverkehr um bis zu 40 Prozent gesenkt werden. Bei den konventionellen Antrieben setzt Renault beim Clio sowohl auf Dieselmotoren als auch Benzinaggregate. In China und Indien ist man schon weiter und bringt den kleinen Crossover Renault K-ZE mit Elektroantrieb und 250 Kilometern Reichweite für umgerechnet deutlich unter 20.000 Euro.

Auch Toyota wird vollelektrisch

Auch bei VW werden die Elektroautos kleiner. Dabei ist es durchaus überraschend, dass die Wolfsburger ihre breit gespannte Elektrofamilie namens ID. mit dem ID. Neo als Kompaktklassemodell beginnen lassen. Zum einen steht dieser damit ab Ende des Jahres in direkter Konkurrenz zum neue VW Golf; zum anderen kommt der ID. Neo als Kompaktklassemodell auf einige großen Märkten gar nicht zu den Kunden. In den USA wird der Mittelklasse-SUV namens ID. Lounge die Elektrooffensive starten. Von der ID.-Familie sollen ab 2020 pro Tag 1.500 elektrische Fahrzeuge vom Band der Fabrik in Zwickau laufen und bis 2025 soll rund eine Million Elektroautos verkauft werden. Das Spektrum der MEB-Modelle wird dabei ähnlich groß sein wie das der heutigen Fahrzeuge auf Basis des Modulen Querbaukastens (MQB) - das bedeutet vom Polo oder der Seat-Studie es E-Born bis hin zum Fünf-Meter-Crossover und dem ID. Bus. "Bis 2022 laufen bei uns weltweit 27 MEB-Fahrzeuge von vier Konzernmarken an", verkündet Thomas Ulbrich, Volkswagens E-Mobilitäts-Vorstand. Die elektrischen Einstiegsmodelle sollen bei unter 20.000 Euro starten.

Toyota hatte bei den Elektroantrieben lange Zeit den Kopf geschüttelt und auf seine Hybridversionen gesetzt. Das wird sich speziell durch den Druck des chinesischen Marktes ändern. Die Japaner planen, ihre Kapazitäten in dem chinesischen Werk Guangzhou kurzfristig auf 120.000 Einheiten zu erweitern. Um die Lücke bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden (NEVs) so schnell als möglich zu schließen, wird Toyotas Joint Venture mit der Guangqi Automotive Corporation zudem das vollelektrische Modell des GAC iX4 herausbringen. Der Produktplan von Toyota sieht vor, bis zum Jahr 2030 ein NEV-Verkaufsvolumen von insgesamt 5,5 Millionen Einheiten zu erreichen; wobei die neuen Modelle zumeist für den chinesischen Markt gedacht sind. Laut Prognose von IHS Markit wird Toyotas NEV-Produktionsvolumen bis 2022 auf 160.000 Einheiten steigen. Auch hier sollen gerade bei kleinen und mittelgroßen Fahrzeugen Elektromotoren zum Einsatz kommen.