| von Stefan Grundhoff

Einst war der Audi A3 der unbestrittene Star der Kompaktklasse. Schöner und schicker als der Golf brachte er im Gegensatz zu BMW 1er und Mercedes A-Klasse echten Premiumcharme in das Segment, das sich die meisten leisten konnten. Das hat sich die Konkurrenz ganz genau angeschaut und gerade erst ein komplett neues Angebot zum Kunden gebracht. Schwierige Vorzeichen für den neuen Audi A3, der auf dem Genfer Automobilsalon seine offizielle Weltpremiere feiert. Doch vorab sind wir fernab ziviler Welt mit den Prototypen unterwegs mit Entwicklungsingenieuren, die anscheinend ein Schweigegelübde abgelegt hatten. Dabei besteht bereits beim Starten des Motors kaum ein Zweifel daran, dass es sich bei dem getarnten Probanden um ein Vorserienfahrzeug des Typs Audi S3 handelt. Zwar wird es 2021 von dem zahmen Audi A3 noch den Raketenwerfer RS3 mit einem mehr als 400 PS starken 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo geben, der Jagd auf Mercedes AMG A45 und BMW M2 macht; aber erst einmal wird der S3 das Topmodell sein. Für Vortrieb sorgt ein überaus alter Bekannter in seiner neuesten Ausbaustufe. Der zwei Liter große Vierzylinder-Turbo aus dem Volkswagen-Konzernregal mit der internen Bezeichnung EA 888 ist die Allzweckwaffe in Wolfsburg, Martorell, Ingolstadt und Mlada Boleslaw. Er treibt im Konzern so ziemlich jedes Modell unterhalb der Oberklasse und bisweilen selbst da an. Im neuen Audi S3 dürfte der aufgeladene Vierzylinder über 300 PS leisten und mindestens 250 km/h schnell sein. Das gleiche Antriebspaket mit variablem Allradantrieb und siebenstufigem Doppelkupplungsgetriebe befeuert auch den kommenden VW Golf R, der wohl 333 PS leistet, sowie als Fronttriebler auch den VW Golf GTI.

Trotz umfangreicher Tarnkleidung lässt sich über den Auftritt des neuen Audi A3 einiges sagen. Obwohl er komplett neu entwickelt wurde, sind die Ähnlichkeiten zur Vorgängergeneration unverkennbar. Die wenig nachgefragten Dreitürer wurden wie bei den meisten Konkurrenten gestrichen. Auffällig sind die neue Front mit Wabengrill und serienmäßigen LED-Scheinwerfern mit konfigurierbaren Lichtinseln außen. Dynamischer als bisher präsentiert sich die C-Säule und das Heck mit breiten Leuchtelementen. Wer A6, A7 und A8 kennt, ist auch vom Innenraum und dem Cockpit nicht überrascht. Alles extrem wertig und mit Touchflächen einfach zu bedienen. Gut wie bisher: das Platzangebot und die Sitze.

Allrad ein Muss

Der Motor passt perfekt in den neuen Audi A3 / S3. Der Klang ist je nach angewähltem Fahrprogramm sportlich oder gar leicht krawallig. Letzteres kann man von dem Audi S3 bei der ersten Testfahrt nicht sagen. Wie schon beim aktuellen Audi TTS lässt sich der S3 der frischen Generation sehr schnell und überaus entspannt ambitioniert Richtung Grenzbereich bewegen. Die Lenkung ist präzise und dabei leichtgängig, ohne dabei Defizite bei der Rückmeldung zu vermelden. Die elektromechanische Progressivlenkung beinhaltet dafür speziell geformte Zahnstange und Ritzel. Dadurch ergeben sich je nach Lenkwinkel unterschiedliche Übersetzungen. Bei starkem Einschlag ist sie kleiner und die Lenkung sehr direkt. Von Anschlag zu Anschlag genügen 2,5 Lenkradumdrehungen, die Lenkübersetzung in der Mittelstellung beträgt 14,3:1.

Die Kurven sind mal weiter und mal enger, doch es regnet in Strömen und die Fahrbahn ist nicht nur nass, sondern auch regelmäßig stark verdreckt. Einmal mehr zeigt sich bei den schwierigen Bedingungen, wieso man sich nicht nur bei sportlicher Fahrweise für einen Allradantrieb entscheiden sollte. Auch wenn das Allradsystem des Audi S3 im Vergleich zu seinem Vorgänger nur überarbeitet und nicht völlig neu aufgesetzt wurde, ist es schneller und dynamischer als bisher. Blitzschneller denn je verteilt der Ingolstädter seine Motorleistung via Doppelkupplung und Elektronik zwischen den beiden Achsen. Die Allradkupplung mit ihren metallenen Reibringen in einem Ölbad ist am Ende der Kardanwelle vor dem Hinterachsdifferenzial platziert.

Der Allradantrieb ist dabei mit dem Fahrdynamiksystem Drive Select verbunden, wobei die Daten der Fahrwerkssensoren mit dem Zustand der Fahrbahn und dem Verlangen des Piloten fusioniert werden. Der Allradantrieb verteilt die Momente vollvariabel zwischen Vorder- und Hinterachse. Auch wenn auf gerader Strecke und normaler Fahrt der Großteil der Motorleistung an die Vorderachse gebracht wird, können bei Bedarf bis zu 100 Prozent nach hinten transferiert werden. Der gefahrene Audi S3 Prototyp ist mit einer adaptiven Dämpferregelung ausgestattet, die sich mit ihren drei Dämpferkennlinien den Wünschen des Fahrers anpasst. Selbst im Dynamikmodus geht es allenfalls stramm zur Sache; der Restkomfort ist selbst auf schlechten Straßen und groben Unebenheiten groß genug. Wer sich keine Gedanken machen will, entscheidet sich für den Automatik-Modus, der ganz nebenbei auch die Schaltvorgänge und die Motorelektronik entsprechend anpasst. Man kann sich freuen auf den neuen Audi A3 / S3 und die Geduld kann sich dabei in Grenzen halten. Im März ist Marktstart.

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