• Britischer Kampfjet auf vier Rädern. In die Serie hat es der 862 PS starke Jaguar C-X75 nicht geschafft. Doch seine Gene sollen die Briten fit für die Zukunft machen. - Bild: Jaguar/press-inform

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    Britischer Kampfjet auf vier Rädern. In die Serie hat es der 862 PS starke Jaguar C-X75 nicht geschafft. Doch seine Gene sollen die Briten fit für die Zukunft machen. - Bild: Jaguar/press-inform

“Wir mussten den C-X75 so konstruieren, dass auch behelmte Fahrer in ihm Platz finden ? ohne jedoch das Grunddesign des Konzeptfahrzeugs zu verändern”, erklärt Jaguar-Ingenieur Felipe Austin Bodely. Nachdem die Fahrertür des nur 1,16 Meter hohen Jaguars nach oben hin aufschwingen, bedarf es in den ersten Sekunden einer Menge Phantasie, dem kurz zuvor Gehörten Glauben zu schenken. Ein letzter Blick huscht über die runde und futuristisch anmutende Außenhaut, die auf dem Dach verbaute und wie das Positionslicht eines Flugzeugs leuchtende Finne mit integrierter Heckkamera ? es kann losgehen. Der Einstieg in den vierrädrigen Kampfjet fällt erfreulich leicht. Der Rennsitz passt wie angegossen. Der Fünfpunktgurt vereint den Fahrer mit der Karbonkarosserie und die von normalen Fahrzeugen schon bekannten Buchstaben R, D und N in der Mittelkonsole sorgen zumindest im ersten Augenblick für eine Beruhigung des Pulses.

Britischer Kampfjet auf vier Rädern

Jetzt heißt es nur keinen zu Fehler machen, denn von diesem Jaguar-Modell gibt es nur fünf weltweit. Und: Der eigene Hintern befindet sich gerade einmal knapp 20 Zentimeter über der Asphaltdecke. Der Puls ist wieder oben. Während der linke Fuß auf dem linken Pedal für Stillstand sorgt, heißt es nun Fingerspitzengefühl beweisen. Denn mit dem rechten Zeigefinger wird per einfachen Knopfdruck der Zündungsvorgang initiiert. Anders, als von einem 634 kW / 862 PS starken Supersportler erwartet, herrscht Ruhe. Beängstigende Ruhe. Doch da ist noch etwas. Der 354 Kilometer pro Stunde schnelle C-X75 atmet! Eine Szene wie aus einem mit einem Science-Fiction-Film gepaarten Horrorfilm läuft vor dem geistigen Auge ab. Es scheint, als würde das in die Blutbahn entleerte Adrenalin nun endgültig für Wahnvorstellungen sorgen. Erst das Beruhigende “Wir erzeugen dieses Atmen mit Hilfe eines Akustik-Wandlers, der das Dach zum Schwingen bringt. Wir wollen, dass auch im Elektro-Modus die Insassen wissen, dass der Wagen läuft” vom Copiloten senkt den gerade gesteigerten Schweißfluss.

Jaguar C-X75 Interieur

Der Einstieg in den vierrädrigen Kampfjet fällt erfreulich leicht. Der Rennsitz passt wie angegossen. - Bild: Jaguar/press-inform

Per Fingerdruck aus dem Sekundenschlaf

Ein weiterer Fingerdruck holt die Raubkatze aus ihrem Sekundenschlaf. Allerdings wirkt die Soundkulisse immer noch nicht leistungsgerecht. Lautlos ist sie aber auch nicht. Jaguar hat sich entschieden, anders als Porsche beim 918 Spyder, dem Fahrer eine synthetische Rückmeldung zu verpassen. Da es sich beim Testfahrzeug um einen Prototypen handelt, besteht zumindest noch die Hoffnung auf eine Verbesserung. Wobei an dieser Stelle erwähnt werden muss, dass Jaguar offiziell den C-X75 niemals produzieren wird. Aber wie sagt der Engländer auch so schön: “Abwarten und Tee trinken.” Mal sehen, in wie vielen Jahren die Bänder anlaufen…

Der Name setzt sich nebenbei bemerkt aus C wie Concept, X wie experimentell und 75 passend zum 75-jährigen Geburtstag der Marke von vor drei Jahren zusammen. Doch zurück ins Cockpit der 4,65 Meter langen und 2,04 breiten Karbon-Raubkatze.

Im gewählten Elektromodus schafft der Hybrid-Supersportwagen knapp Tempo 150 und eine Reichweite von 60 Kilometern. Selbst bei voll durchgedrücktem Gaspedal ist dem 1,6 Liter kleinen Vierzylinder im Heck kein Grollen zu entlocken. Wie auch? Er arbeitet ja gar nicht. Das lässt sich jedoch per Drehschalter am aus dem F-Type bekannten Lenkrad schnell ändern. Drei der vier möglichen Fahrmodi beinhaltet den Einsatz des von der Formel 1 inspirierten aufgeladenen 375 kW / 509 PS starken Weltrekordmotors. 234 kW / 318 PS hat noch kein Hersteller zuvor aus einem Liter Hubraum geholt. Anders, als jetzt vielleicht viele 1,6 Liter-Autofahrer glauben mögen, klingt der kleine Verbrenner wie ein ganz Großer. Wie ein knurrender Löwe bollert er im Stand sonor vor sich hin. Dass er auch so laut kreischen kann wie ein Löwe, wird auf dem rasend schnellen Weg bis kurz vorm Ende des Drehzahlbandes bei 10.000 Umdrehungen auch klar.

Bei all dem Adrenalin, der den Geist benebelnden Geräuschkulisse und einer unglaublichen Beschleunigung in knapp drei Sekunden bis Tempo 100 muss für den Gangwechsel selbst Hand angelegt werden. Der im Schnitt 3,8 Liter verbrauchende Allradler verfügt über ein komplett neues automatisiertes Siebengang-Schaltgetriebe, das mit Hilfe von Schaltwippen am Lenkrad im Zaum gehalten wird. Bekommen die beiden Insassen im unteren Drehzahlbereich bei jedem Gangwechsel noch einen ordentlich Tritt in den Rücken, reduziert sich dieses Gebaren mit steigender Drehzahl. Wer im rein elektrischen Modus fährt braucht sich um derlei Dinge keinen Kopf zu machen, denn der auf zwei Synchron-Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse basierende Antrieb verfügt über lediglich einen Gang.

Träumen wird wohl erlaubt sein

Besonders spannend ist neben dem reinen Fahrerlebnis, die Entwicklungsgeschichte des 1,7 Tonnen schweren Jaguar C-X75. Denn das Ingenieurs- und Design-Team von Jaguar bekamen vom Vorstand die Aufgabe, das Konzeptfahrzeug in seiner Form nahezu unangetastet zu lassen. Gleichzeitig sollten drei weitere Dinge realisiert werden. Erstens: Die Beschleunigungswerte sollten denen eines Bugatti Veyron gleichen. Zweitens: Der Verbrauch musste niedriger als der eines Toyota Prius sein und Drittens: Die rein elektrische Reichweite muss die eines Chevrolet Volt übertreffen. Zugegeben, mit dem 2,5 Sekunden-Ziel eines Tempo 100-Sprints vom Veyron haben sich die Vorstandschefs ein wenig übernommen, doch das Gesamtpaket stimmt. Und dass der über 1.000 Newtonmeter starke Supersportler im Handel knapp 1,5 Millionen Euro kosten würde, macht auch nichts mehr. Denn gebaut wird er nie. Doch träumen muss erlaubt sein.

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Marcel Sommer/press-inform