Während BMW X3 und Audi Q5 die Sahne abschöpften, fuhr der Nachzügler Mercedes GLK trotz guter Verkaufszahlen bisher nur in der zweiten Reihe. Sein Nachfolger GLC ließ Kanten verschwinden und setzt neue Bestmarken ? abseits der Straße.

Der 1,9 Tonnen schwere Allradler kraxelt den steilen Anstieg mit über 70 Prozent Steigung herauf, als sei es gar nichts. Auf der anderen Seite des Hügels geht es wieder herunter. Dazwischen tiefe Löcher und eine spektakuläre Verschränkung ? erst dann geht es wieder auf die befestigte Straße zurück. Der Mercedes GLC wird den bisherigen Platzhirschen BMW X3 und Audi Q5 Kopfschmerzen bereiten. Mit seiner optionalen Luftfederung und einem entsprechenden Offroad-Paket kennt er für rund 3.000 Euro Aufpreis abseits befestigter Pisten kein Halten mehr. Hier klettern allenfalls noch die klassenhöheren Range Rover oder VW Touareg hinterher. Bleibt die Frage, ob die Schwaben nicht etwas zu viel Technik in ihr neues Geländeaushängeschild gepackt hätten. Denn dass jemals ein GLC-Kunde mit seinem 4,66 Meter langen und fünf Zentimeter breiter gewordenen SUV ins harte Gelände einzieht, darf getrost bezweifelt werden, und selbst die Daimler-Verantwortlichen schütteln ob dieses breiten Nutzspektrums eher den Kopf. Die Lenkung ist angenehm leichtgängig und wer an den Schaltermodulen des Offroad-Paketes herumspielt, kann die Bodenfreiheit auf 23 Zentimeter erweitern. Auf der Straße federt der Schwabe, der ab 2016 auch in China produziert werden soll, alles weg und verwöhnt mit einem niedrigen Geräuschniveau.

Mercedes geht es um die Positionierung. Man will weg aus der Fahrdynamikecke, die schmerzhaft stark von den beiden Bayern X3 und Q5 belegt ist und nicht allein die Komfortecke, die offiziell niemand nach außen kehrt. Man will sich in einem SUV schließlich dynamisch und freizeitorientiert präsentieren. Couch Potatoes sind da nicht gefragt, wenngleich die aufpreispflichtige Luftfederung auch die Annehmlichkeit bietet, die Fahrwerksabstimmung über eine entsprechende Dämpferverstellung nach Gusto anzupassen. Im Gelände hat der Mercedes keine ernsthafte Konkurrenz und auch im Innenraum wirkt alles schick, edel und aufgeräumt. Das Platzangebot vorne ist insbesondere aufgrund der breiten Mittelkonsole nicht opulent, doch ausreichend dimensioniert. Die Verstellmöglichkeiten der elektrischen Sitze sind klasse und wer will kann den heißen Tagen nicht nur die Klimaautomatik, sondern auch klimatisierte Sitze den Schrecken nehmen.

“Unser neuer GLC verbindet höchsten Fahrkomfort mit einer sportlichen Note, überzeugt sowohl auf der Straße und mehr denn je abseits befestigter Wege und präsentiert sich in der neuen Designlinie”, sagt Entwicklungsvorstand Thomas Weber. Der Innenraum präsentiert sich ebenfalls stark an das Interieur von C- und GLE-Klasse angelehnt. Im Vergleich zum Vorgänger gibt es schon Dank des um 11,8 Zentimeter verlängerten Radstandes deutlich mehr Platz und Variabilität. So können die Passagiere im Fond allein fast sechs Zentimeter mehr Beinfreiheit genießen. Besonders großen Wert wurde bei der Entwicklung des Mercedes GLC auf den Laderaum gelegt, der bereits im Normalzustand 550 Liter schluckt. Ein Griff in die Taster im Laderaum oder neben der Rücksitzbank und der Laderaum erweitert sich durch Umklappen der 40:20:40-Rückbank auf bis zu 1.600 Liter. Um eine möglichst große Ladebreite zu bekommen, wurde der Hinterwagen speziell für den GLC entwickelt. Der Vorderwagen des GLC kommt von der neuen Mercedes E-Klasse.

Überraschend daher, dass Mercedes gerade hier ein schmerzhafter Patzer unterläuft. Die elektrische Heckklappe lassen sich die Schwaben mit 535 Euro extra bezahlen. Überhaupt ist der GLC mit einer Sparausstattung unterwegs. Standesgemäßes LED-Licht kostet 1.725 Euro extra und das größere der beiden Navigationssysteme kostet freche 3.510 Euro. Das Komplettpaket an Fahrerassistenz gibt es für knapp 2.500 Euro und weitere 1.150 Euro sind für den Abstandstemponaten zu bezahlen. Der Basispreis für den 170 PS starken Mercedes GLC 220d 4matic liegt bei 44.863 Euro. Sinnvoll erscheint allemal der größere der beiden 2,2-Liter-Diesel, der GLC 250d mindestens 46.410 Euro kostet und die rund 1.500 Euro Mehrpreis allemal sinnvoll werden lässt. Er hat mit 5,5 Litern Diesel den gleichen Normverbrauch, bietet mit seinen 150 kW / 204 PS und 500 Nm maximalem Drehmoment jedoch in einem schmalen Drehzahlband zwischen 1.600 und 1.800 U/min kraftvolleren Durchzug.

Der Allradler schafft den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 in 7,6 Sekunden und lässt einen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h auch auf längeren Autobahnpassagen souverän reisen. Doch mehr Dampf wie bei der Konkurrenz, die Diesel bis über 300 PS bietet und dabei ebenso gut wie ertragreich verkauft, gibt es erst einmal nicht. Die Motorleistung wird bei allen Linkslenker-Modellen im festen Verhältnis von 45:55 zugunsten der Hinterachse verteilt. Die neunstufige Getriebeautomatik arbeitet dabei dezent im Hintergrund und müht sich insbesondere um sanfte Gangwechsel und möglichst geringe Drehzahlen. Wie schon bei der C-Klasse lässt Mercedes die Dieselversionen mit einem kleinen 50-Liter-Tank auf die Kunden los, um in eine günstigere Schadstoffklasse zu kommen. Für knapp 60 Euro kann man sich von der Mogelpackung freikaufen und aus 66 Litern schöpfen.

Wem das aktuelle Motorenangebot nicht reicht, kann sich nach oben und wohl auch unten über mittelfristigen Zuwachs freuen. Insbesondere der 367 PS Mercedes GLC 450 AMG soll Audi mit seinem erfolgreichen S Q5, der je nach Region als Benziner und Diesel zu bekommen ist, Kunden abluchsen. Ebenfalls nachfolgen wird eine GLC-Variante, der sich das Plug-In-Modul mit dem C 350e teilt. Der 211 PS starke Turbobenziner wird während der Fahr von einem 85 kW / 115 PS starken Elektromodul unterstützt, das den Hybriden 235 km/h schnell macht. Rein elektrisch kann dieser 34 Kilometer zurücklegen und verbraucht auf Papier 2,6 Liter.

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Stefan Grundhoff; press-inform