Was könnte man aus Seat herausholen, wenn man sie nur richtig ließe? Doch so langsam werden die Wolfsburger Zügel etwas lockerer und die Spanier lassen ihren Gefühlen zunehmend freien Lauf. Ein 280 PS starker Leon Cupra, Allradantrieb für den Leon ST und der kleine Ibiza ist sowieso weit mehr als ein schickerer Polo. Wer sich keinen VW Golf GTI mit 220 PS für rund 30.000 Euro leisten möchte und Wert auf Design, Hightech und jede Menge Fahrspaß legt, dem dürfte der alles andere als spektakuläre Seat Leon 1.8 TSI SC auf Dauer mehr als ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sein Einstiegspreis: nicht einmal 26.000 Euro. Beim Händler sehen die Konditionen meist noch günstiger aus. Vorwerfen kann man den Seat-Strategen allenfalls eine höchst unglückliche Nomenklatur. Denn offiziell heißt der dreitürige Sportspanier Seat Leon 1.8 TSI SC FR ? umständlicher geht es kaum.

Der dreitürige Leon namens SC sieht ebenso gut wie sportlich aus ohne dabei großartig aufzufallen. Schöner, schicker und individueller als der Plattformgeber VW Golf, und unter dem Blech gibt es die gleiche Konzerntechnik. Das Motorenspektrum ist weit, doch wer flott unterwegs sein will, sollte keinen Gedanken verschwenden, sich für weniger als den 1.8 TSI zu entscheiden. Dessen aufgeladener Direkteinspritzer muss zwar mit reduzierten 1,8 Litern Hubraum auskommen, leistet jedoch stattliche 132 kW / 180 PS und ein maximales Drehmoment von 250 Nm zwischen 1.250 und 5.000 U/min. Am besten, man entscheidet sich gleich für die Variante mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe. Das reduziert den Normverbrauch auf 5,7 Liter Super, die Beschleunigung 0 auf Tempo 100 auf 7,2 Sekunden und bringt jede Menge Laune, wenn man die sieben Schaltstufen am Lenkrad durchschnalzen lässt. Ein, zwei oder gar drei Gänge herauf und vor der Kurve wieder herunter. Nochmal und gleich noch einmal. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 224 km/h allemal ausreichend in dieser Liga der Sportschuhe auf Rädern, und selbst der leicht hintergründige Klang des Vierzylinders kann sich hören lassen. Wer hier mehr will, braucht mehr Hubraum oder gleich noch zwei Brennkammern mehr. Dann klappt es auch mit der Gänsehaut, denn die fehlt auch bei flotter Gangart.


GTI light ? so präsentiert sich der Seat Leon SC. Keine Granate für die Kurvenhatz, doch einer, der einfach Spaß macht. Präzise Lenkung, kaum spürbare Antriebskräfte und das ausgezeichnete Doppelkupplungsgetriebe, das sich in Verbindung mit dem Turbotriebwerk bei Drehzahlen unterhalb von 1.500 U/min etwas unwirsch zeigt. Der schicke Spanier ist nichts für einen großen Auftritt, aber eben einer, der Laune macht und seinen Piloten zudem mit exzellenten Sitzen, wertigen Oberflächen und auf Wunsch einem Hightech-Paket verwöhnt. So gibt es Applaus für die LED-Leuchteinheiten vorne und hinten, Abstandstempomat und Notbremsassistent ? da müssen einige Konkurrenten schneller als erwartet die Waffen strecken. Zudem macht sich das geringe Gewicht von rund 1,3 Tonnen angenehm bemerkbar.

Variabel lassen sich die drei Fahrmodi, Sport, Comfort und Normal, einstellen, die auf Lenkung, Gasannahme und Getriebekennlinie einwirken. Die variable Dämpfereinstellung bleibt jedoch dem Topmodell Seat Leon Cupra vorbehalten. Bei aller Dynamik ist der Alltagsnutzen eine der größten Stärken des Seat Leon 1.8 TSI SC. Der 380 Liter große Laderaum lässt sich durch Umklappen der Rücksitze auf 1.150 Liter erweitern. Vorne gibt es auf den Sportsitzen guten Langstreckenkomfort und vorbildlichen Seitenhalt. Hinten haben zwei Personen nach einem beschwerlichen Einstieg genug Platz.

Der Seat Leon 1.8 TSI SC FR startet mit der serienmäßigen Sechsgang-Handschaltung bei 25.640 Euro. Sinnvoll sind das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe und eine Handvoll Komfort- und Sicherheitsausstattungen. Die sind im Gegensatz zu vielen Konkurrenten besonders fair gepreist. Dazu zählen das Fahrerassistenzpaket (560 Euro), Navigation (690 Euro), Winterpaket (375 Euro) und die 1.190 Euro teuren LED-Scheinwerfer. Serienmäßig bietet der Leon FR unter anderem 17-Zoll-Alufelgen, Sportsitze, Sportfahrwerk und Ambientebeleuchtung. Was will man mehr?

Stefan Grundhoff; press-inform