Die Carbon-Zigarre des VW XL1 sorgte nicht nur auf dem Genfer Salon für mächtig Aufsehen. Jetzt wurde die sparsame Kombination aus 0,8 Liter großem Zweizylinderdiesel und einem Elektromotor kurzerhand in den VW Up verpflanzt.

Der Prototyp des VW Twin Up bietet bei 1,1 Litern Normverbrauch viertürig Platz für bis zu vier Personen. Von außen unterscheidet sich der kleine Flitzer mit der Kraft der zwei Herzen nicht von einem der anderen Up-Varianten. Von innen sieht es kaum anders aus. Auf dem kleinen Multifunktionsbildschirm auf dem Armaturenbrett zeichnet sich ein XL1 ab – deutlich aerodynamischer als der Twin Up. “Wir haben viele Teile direkt vom XL1 übernommen”, erklärt der Projektleiter David Prochazka, “somit auch diese Anzeigen. Ist ja schließlich ein Erprobungsträger.”

Kein Motor für Leisetreter und Lenkradschmeichler

Einsteigen und den Motor gestartet – das grüne Ready-Symbol leuchtet und rein elektrisch rollt der 1,2 Tonnen schwere Hybridkleinwagen vom Parkplatz herunter. Noch geschieht alles im Elektromodus, der sich über einen Taster im Armaturenbrett auch als Einzelspieler ansteuern lässt. Als es im normalen Hybridmodus auf die Schnellstraße geht und beschleunigt wird, schaltet sich laut vernehmbar der ruppige Zweizylinder-Diesel zu. Kein Motor für Leisetreter und Lenkradschmeichler, denn weder Klang noch Vibrationen lassen sich im Innern nennenswert überspielen. Der rustikal knatternde Zweizylinder leistet 35 kW 48 PS.

Im Vergleich zum real gewordenen Zukunftsmodell VW XL1 wurde der Elektromotor im Twin Up nicht nur von hinten nach vorne verpflanzt, sondern er erstarkte auch von 20 auf 35 Kilowatt. “Die Systemleistung des VW Twin Up liegt somit bei 55 kW / 75 PS”, erläutert Prochazka. Beschleunigungswunder fahren sich anders, doch die zwei Triebwerke lassen den Twin Up gerade im Sportmodus des siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebes flott im Wolfsburger Straßenverkehr mitflitzen. Mehr braucht hier keiner; auch wenn der Elektromodus den weitaus harmonischeren Fahreindruck verbreitet.

VW Twin Up

Im Vergleich zum real gewordenen Zukunftsmodell VW XL1 wurde der Elektromotor im Twin Up nach vorne verpflanzt. - Bild: VW/press-inform

Weltpremiere in Tokio und Serienstart mit Fragezeichen

Rekuperiert wird beim Twin Up unmerklich in einer Stufe und die Segelfunktion macht sich bereits im Cityverkehr positiv für die elektrische Reichweite bemerkbar, die klein im Cockpit angezeigt wird. Die Fahrleistungen an sich reißen mit 0 auf Tempo 100 in 15,7 Sekunden und einer abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h keine Bäume aus. Daran ändern auch die 215 Nm maximales Drehmoment wenig. Der 75 PS starke Dreizylinder-Benziner schafft 171 km/h und 0 auf Tempo 100 in 13,2 Sekunden.

Rein elektrisch schafft der Twin Up 125 km/h und 0 auf Tempo 60 in 8,8 Sekunden – immerhin. Der Plug-In-Normverbrauch von 1,1 Litern auf 100 Kilometern ist dabei allemal eindrucksvoll; liegt er doch nur knapp über den 0,9 Litern des XL-1, der nur knapp 800 Kilogramm auf die Waage bringt und mit einem 20 kW / 27 PS starken Elektromotor auskommen muss. “Der VW Twin Up feiert seine Weltpremiere auf der Tokio Motorshow”, sagt VW-Entwicklungsvorstand Neußer, “wir überführen den XL1 so in ein viersitziges Konzept. Wir wollen unsere Kunden nicht erziehen, sondern bieten ihnen ein breites Angebot.”

Das Akkupaket mit einer Leistung von 8,6 kWh im 1,2 Tonnen schweren Winzling ist im Unterboden untergebracht. Die rechnerische Reichweite des VW Twin Up liegt Dank des 33 Liter großen Kraftstofftanks bei mächtigen 1.050 Kilometern. „Rein elektrisch kann man bis zu 50 Kilometern weit fahren“, ergänzt Prochazka, „in rund zwei Stunden lässt sich der Twin Up an der Haushaltssteckdose wieder zu 80 Prozent aufladen.“ Allemal serientaugliche Zeiten. Doch um einen etwaigen Serieneinsatz des VW Twin Up scheint es nicht zum Besten bestellt.

Aufgrund der aufwendigen Hybridtechnik mit zwei getrennten Antriebseinheiten im prall gefüllten Motorraum bleibt ein möglicher Verkaufspreis das größte Problem. Bereits der Elektro-Up kostet mit 26.900 Euro mehr als das doppelte eines Benziners. Durch den gewaltigen Technikeinsatz würde ein potenzieller Twin Up so wohl noch teurer als das Elektromodell. Der einzige Trost, dass er selbst mit einem Schätzpreis von 30.000 Euro noch immer weit unter dem Carbonrenner VW XL1 läge, dessen 200 Serienmodelle zu einem Preis von jeweils 111.000 Euro ab 2014 angeboten werden.

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Stefan Grundhoff/press-inform