| von Stefan Grundhoff

Die Überraschung konnte größer nicht sein. Als die neue Mercedes S-Klasse vor einigen Wochen erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde, hatten die meisten erwartet, dass diese seinen Kunden endlich die Fahrerassistenzstufe drei bieten würden. Heißt, der Fahrer kann auf längeren Passagen immer wieder die Hände vom Steuer nehmen und sich anderen Aufgaben im Auto widmen. Doch auch die Mercedes S-Klasse der Generation W 223 macht nur einen winzigen Schritt und bietet nicht mehr als einen intelligenten Stauassistenten an. Der funktioniert in einem ersten Schritt nur bei vorausfahrenden Fahrzeugen, entsprechenden Begrenzungslinien und vor allem nur bis Tempo 60. Noch seltsamer: diese Funktion wird die Mercedes S-Klasse erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 und erst einmal nur in Deutschland bekommen.

Insbesondere Volvo und Mercedes hatten sich vor Jahren in Person von Volvo-CEO Hakan Samuelsson, Tesla-Chef Elon Musk und Daimler-Entwicklungsvorstand ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, wann die jeweils eigenen Konzernprodukte unfallfrei durch den Verkehr kommen würden. Gestützt wurden die Ankündigungen dadurch, dass Hightech-Start-ups wie Mobileye, Nvidia, Waymo, Argo AI oder die großen Zulieferfirmen auf die Überholspur einbogen und immer neue Probebetriebe verkündeten und so als vermeintliche Innovationstreiber in aller Munde waren.

Der ADAC hat sich die aktuellen Autobahnassistenten in einem Vergleich genauer angeschaut. Unterschieden wurde in den Punkten Fahrerunterstützung, Fahrereinbindung und Notfallassistenz. Für einige wohl überraschend, dass der oftmals gepriesene Tesla-Assistent, im ADAC-Test verbaut in einem Tesla Model 3, nur im Mittelfeld landete. Eine bessere Platzierung als Platz sechs verhinderte die schlechte Fahrereinbindung. Bei der reinen Fahrerunterstützung lag das Tesla Model 3 dagegen vorn und auch bei der Notfallassistenz gab es gute Noten und mit 95 von 100 Punkten Platz eins.

ADAC testet Autobahnassistenten

Doch im Gesamtklassement gewann der Mercedes GLE mit 174 Punkten knapp vor dem BMW 3er und einem "sehr gut" vom ADAC. Dahinter: der Audi Q8. Alle drei deutschen Fahrzeuge erlaubten sich in den drei Disziplinen Fahrerunterstützung, Fahrereinbindung und Notfallassistenz keine echten Patzer und ließen damit Fahrzeuge wie den Ford Kuga oder den VW Passat hinter sich. Deutlicher abgeschlagen Modelle wie das Tesla Model 3, der Nissan Juke, Volvo V60, Renault Clio oder Peugeot 2008. Die beiden letzten Modelle bekamen nach den Tests gerade einmal die Note ausreichend. Allen Modellen war gemein, dass diese jedoch nur als reine Autobahnassistenten eingestuft wurden. Denn auch bei Modellen wie dem Siegertrio kann man die Hände je nach Tempo und Verkehrssituation kaum mehr als 15 Sekunden vom Steuer nehmen. Von einem Fahrerassistenzsystem der offiziellen Stufe drei mit realer Fahrunterstützung sind alle Modelle noch weit entfernt und der Mehrwert im Alltag so überschaubar.

In den nächsten zwei Jahren wird 5G Einzug in die meisten neuen oder technisch aufgefrischten Fahrzeuge halten. Das gilt nicht nur für das elektrische BMW-Doppel aus i4 / i5, sondern auch für die ID-Familie von Volkswagen, die E-Tron-Modelle von Audi oder die neue Porsche-Sportler, die allesamt ab 2021/2022 auf die internationalen Märkte rollen. Besonders schnell dürfte die 5G-Technik, die eine Datenübertragung und damit Sicherheitsfunktionen nahezu in Echtzeit ermöglicht, bei Fahrzeugen in Asien und den USA implementiert werden. Einige kleinere Hersteller aus China werben bereits damit, dass ihre Fahrzeuge aktuell mit 5G-Technik unterwegs sind. Das Problem sind dabei jedoch nicht nur die teuren Bordeinheiten mit 5G-Antennentechnik, sondern dass das 5G-Netz in vielen Regionen auch wegen der kleinen Funkwaben nur höchst regional funktioniert. Wer einmal auf deutschen Straßen unterwegs ist und selbst in Innenstädten oder auf Autobahnen nicht einmal 3G oder 4G in seinem Display sieht, mag darüber schmunzeln, dass das für das hoch automatisierte Fahren benötigte 5G-Netz in den nächsten Jahren flächendeckend verfügbar sein soll. Es dürfte daher auch deshalb noch eine ganze Zeit dauern, ehe wir auf dem Weg zu Arbeit die Hände etwas länger vom Steuer nehmen können - außer man gönnt sich einen Chauffeur.

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