Vier Schrauben machen beim Abarth 124 GT den Unterschied. Die fixieren das Carbon-Hardtop, das aus dem Abarth Spider einen Ganzjahres-Roadster macht. Also Schraubenschlüssel raus, Dach runter und los geht die muntere Oben-Ohne-Fahrt? "Nein, so einfach ist das nicht", heißt es bei Fiat. Zum einen empfiehlt es sich, das Dach mit zu zweit Personen abzunehmen, sonst läuft man Gefahr den Lack zu zerkratzen und zum anderen dauert die Prozedur rund 20 Minuten. Wofür also dann die innen gefütterte feste Haube? Sie macht den Skorpion-Zweisitzer aufgrund der größeren, besser beheizten Heckscheibe und dem reduzierten Innenraum-Geräuschpegel zum problemlosen Ganzjahres-Fahrzeug. Allen Sonnenfreunden sei beruhigend gesagt, dass unter dem Festdach noch die Stoffmütze vorhanden ist.

Wer glaubt, dass der Abarth 124 GT deswegen ein akustisch kastrierter Leisetreter ist, sieht und hört sich getäuscht. Der 1.4-Liter-Turbo-Motor röchelt und röhrt so herrlich blechern-kehlig, wie die britische Pop-Sirene Bonnie Tyler zu ihren besten Zeiten. Der Sound der 125 kW / 170 PS-Maschine, der durch die serienmäßige Record Monza-Sportauspuffanlage lustvoll in die Welt trompetet wird, ist so animierend, dass man gar keinen Gedanken daran verschwendet, das Radio anzustellen. Die Verbrennungssymphonie wird auch mit fahrdynamischen Fakten unterlegt: Der GT lenkt gierig ein und schwingt sich munter um jede Kurve, während das Heck aktiv tänzelt, ohne jedoch zu wild zu wedeln. Mit der festen Haube verwindet sich die Karosserie im Vergleich zur offenen Version ebenfalls weniger, das hilft bei der Agilität.

Allerdings wiegt das Dach 16 Kilogramm und der Schwerpunkt liegt einen Schuss höher. Das kontert Abarth mit den serienmäßigen 17-Zoll OZ Superleggera Felgen, die pro Stück um vier Kilogramm leichter sind, was bei ungefederten Massen durchaus hilfreich. Unterm Strich wiegt der Abarth 124 GT mit 1.135 Kilogramm genauso wenig, wie die offene Standardversion des Abarth Spider und liegt damit satt auf der Straße. Das sportlich straffe Fahrwerk bügelt Unebenheiten gut weg, ohne nachzuschwingen. Macht Spaß und fühlt sich gut an, auch auf längeren Strecken. Dazu kommt noch die knackig-präzise Handschaltung, den Aufpreis von 2.000 Euro sparen sich Puristen, und nicht nur die. Die Fahrleistungen sind ebenfalls animierend: Nach 6,8 Sekunden ist Landstraßentempo erreicht. bei 224 km/h hört der Vortrieb auf, allerdings wird der Normverbrauch von 6,4 Litern bei diesem Auto in der Regel überboten und der Tank ist mit einem Fassungsvermögen von 45 Litern nicht besonders groß. Das gilt auch für den Kofferraum, der gerade mal 140 Liter Volumen hat.

Der Innenraum unterscheidet sich nicht von dem Standard-Abarth. Also ist die Lenkradsäule nicht in der Länge verstellbar, aber dennoch findet sich eine gute Sitzposition, allerdings ist der rechtsliegende Tacho für großgewachsene Personen nicht immer ganz problemlos ablesbar und das Infotainmentsystem stammt nach wie vor vom Technikgeber Mazda MX-5, dem der Abarth 124 GT von der Agilität her, nahekommt. Wer einen dieser Ganzjahres-Abarths will, muss sich beeilen, denn es werden in Deutschland nur 124 Stück angeboten.