“Ich wurde gekündigt und nutzte die Zeit, mich an Cake Pops zu probieren. Naja und dann kam zwar kein neuer interessanter Job, aber dafür ein interessanter Abend am Balkon mit Sandra und Prosecco. Und da entstand die Idee für Sandybel’s Sweet Caravan – und jetzt mach ich das hauptberuflich”, verrät die 39-jährige Anabel Kuntz mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Seit dem verkauft sie zusammen mit Sandra Leon Gallardo in Fürth und Nürnberg in ihrem 50 Jahre alten Caravan Cake Pops. Wann sie genau wo sind, lässt sich mittlerweile ganz einfach per Smartphone herausfinden, denn Sandybel’s Sweet Caravan gehört zur täglich wachsenden Familie der Foodtrucks in Deutschland und kann mithilfe einer App geortet werden. Doch was genau sind Foodtrucks überhaupt und wer darf da mitmachen?

Im Schulbus 100 Burger pro Minute braten

Letzteres lässt sich mit nur einem Wort beantworten: Jeder. Beziehungsweise jeder, der es lang genug aushält und jeder, dem die Kundschaft aufgrund einer konstant guten Qualität die Treue hält. Klaus Wünsch, einer der ersten Foodtrucker in Deutschland und Besitzer des RibWich-Trucks, bringt es auf den Punkt: “Die schärfste Institution ist der Kunde. Er sieht genau, was wir machen.” Für den rechtlichen Teil ist das Gesundheitsamt verantwortlich, denn “wir haben dieselben Auflagen wie eine Gaststätte.” Damit die Beamten keine allzu weiten Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, bieten sich Foodtruck-Treffen, sogenannte Foodtruck-RoundUps an. Über 5.000 Besucher sind bei diesen Veranstaltungen keine Seltenheit mehr, bei denen sich mehrere Foodtrucker auf einem großen Platz treffen und ihre teilweise recht skurrilen, aber stets leckeren und vor allem frischen Köstlichkeiten unters Volk bringen.

Und wer genau sind die Typen, die da in den lustigen Küchen und Grills auf Rädern oder wie die Taste Brothers gleich in einem gewaltigen amerikanischen Schulbus auf Rädern täglich durch die Lande ziehen? Klaus Wünsch antwortet als einer von ihnen darauf sehr gern: “Sie kommen aus fast allen Berufen, die man sich vorstellen kann – gelernte Köche oder Gastronomen sind allerdings nur sehr selten an Bord. Zu meinen Anfängen habe ich bei kleinen Veranstaltungen Rippchen in einem Zelt verkauft. Doch das rechnete sich nicht. Es war keine Seltenheit, wenn ich 15 Stunden unterwegs war, um zwei Stunden lang meine Eigenkreationen zu verkaufen. Da kam mir die Idee, die ich aus den USA kenne: Foodtrucks.” Wer jetzt glaubt, dass damit eigentlich nur eine recht spezielle Art von Essen auf Rädern oder rollenden Imbissbuden gemeint ist, der irrt jedoch gewaltig. Denn hier wird alles vor den Augen der Kunden frisch zubereitet – und das können schon mal, wie bei den Schulbusfahrern Oliver Schmidt und Marius Felzen einhundert Burger pro Stunde sein.

Richtig gutes Essen in Essen

Hinzukommt eine große Besonderheit dieser, bis zum Ende des Jahres über 300 Unternehmer zählenden Familie: ihre Vielfältigkeit. Diese spiegelt sich in den meisten Fällen bereits in den Namen. So bleiben kaum Fragen offen, wenn Vincent Vegan, Style your Burger, das Original Nürnberger Bratwurst Döslein, Lou’s Maultäschle oder die intolerante Isi auf den Hof rollen. Die schon aus der Ferne an ihrem spannenden und extravaganten Exterieur auffallenden Fahrzeuge, ob nun Truck oder Anhänger, machen von Anfang an klar: Hier gibt es etwas, was es woanders nicht gibt. Natürlich gibt es mittlerweile Burger und Currywurst an vielen Ecken, doch wer kann schon von sich behaupten, jemals Pommes mit Pflaumen-Ketchup gegessen zu haben, wie sie die Wurst-Durst-Truppe in Nürnberg anbietet.

Gleiches gilt für Burger und Currywurst mitten im Ruhrgebiet. Wenn der 30-Jährige Joschka Glod mit seinem schwarzen Freightliner Mt45 vorfährt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass einer seiner Kunden jemals wieder in einen Fastfood-Bunker marschiert, rapide gen Null. Aber warum zu ihm fahren, wenn es auch einfacher geht? “Catering nehme ich erst ab 50 Personen an. Da nehmen die meisten Leute Burger, Pommes und Currywurst für 17 Euro pro Person. Catering sollte nicht weiter als 100 Kilometer entfernt sein – für Festivals fahre ich bis 200 Kilometer”, erklärt der Gründer von Snack-n-Roll gern und wendet dabei geschickt einen brutzelnden Fleischklops. Die Summe variiert selbstverständlich von Truck zu Truck. So berechnen die beiden Stuttgarter Daniel Krcmar und Markus Zimmermann für die Buchung ihres Lou’s Maultäschle-Boliden 350 Euro plus sieben Euro pro Person.

Allerdings gehört nicht jeder Foodtruck zwangsläufig der Foodtruck Deutschland-Gemeinschaft an. Damit sich auch Familienunternehmen wie “Kaffee Tüt-Tüt…und mehr”, die mit ihrem alten Citroen HY gern gesehene Gäste auf Oldtimer-Veranstaltungen wie den Classic Days auf Schloss Dyck sind, noch besser informieren und mit anderen austauschen können, findet am 12. und 13. November in Nürnberg zum ersten Mal die SFC Street Food Convention statt. Die wie eine kleine Stadt gestaltete Messe soll als Wegbereiter für Einsteiger und Unternehmer, sowie als Inspiration für bereits aktive Food Trucker gesehen werden. Eines steht schon jetzt fest: Auf jeden Fall wird es eine große und vor allem sehr geschmackvolle Veranstaltung.