Mit einer Länge von 5,33 Metern ist der Ford Expedition für ein amerikanisches SUV guter Durchschnitt. In Europa gehört der Crossover dagegen damit zu den ganz großen Vertretern seiner Zunft. Wie geräumig der Platzmeister aus Detroit sein kann, merkt man spätestens dann, wenn man im Fond Platz nimmt und selbst die dritte Reihe ist nicht nur für die Kids bequem. Mit einer Fußfreiheit von 1,04 Metern ist ganz hinten nur unwesentlich weniger Platz als eine Reihe weiter vorne - und der ist schon mehr als ausreichend. Dass es bei den Hinterbänklern eher rustikal zugeht, ist ein Resultat des straff abgestimmten Fahrwerks, dessen unnachgiebige Federung schon bei kleineren Unebenheiten und Querfugen die Passagiere unmissverständlich über den Zustand des Untergrunds informiert.

Ein Grund für diese unkommode Abstimmung ist sicher das Gewicht von knapp 2.6 Tonnen. Vollbesetzt mit Gepäck steigt die Last schon mehr als auf drei Tonnen. Zieht man dann noch das Kofferraumvolumen von mindestens 592 Litern hinter der dritten Reihe bis hin zu unglaublichen 2.962 Litern in Betracht, ergibt die straffere Abstimmung durchaus Sinn. Denn die Kilos müssen ja auch irgendwie abgefedert werden. Die Transformation zum Gepäckslaster geht übrigens ruckzuck von statten. Per Knopfdruck versenken sich die Sitze der dritten Reihen elektrisch im Boden, dabei werden sogar die Kopfstützen eingeklappt. Die Fondsitze haben keine elektrische Betätigung, sondern schnalzen mechanisch nach unten. Das bedeutet aber, dass man sie auch wieder manuell aufrichten muss.

Der 3,5 Liter-V6-Ecoboost-Motor mit 375 PS und einem maximalen Drehmoment von 637 Newtonmetern, das bei 3.500 U/min bereitsteht, kommt mit dem nicht gerade leichten Expedition gut zurecht. Nach 6,6 Sekunden fällt die 100 km/h-Marke und mit 193 km/h Höchstgeschwindigkeit mutiert man auch auf schnellen Straßen nicht zur rollenden Schikane. Das Vorankommen ist dank des Allradantriebs und eines Sperrdifferentials an der Hinterachse auch auf schneebedeckten Fahrbahnen ganz entspannt möglich. Dank Untersetzungen und verschiedener Konfigurationsmöglichkeiten des Allradantriebs, die mit einer Bedieneinheit in der Mittelkonsole bestimmt werden, kann man auch die Vorderachse abkoppeln und den Vortrieb der Hinterachse überlassen. Das spart Sprit, aber mit einem Durchschnittsverbrauch von 12,4 l/100 km gönnt sich der Expedition dennoch einen amerikatypisch großen Schluck aus der Kraftstoff-Pulle.

Guter Preis

Mit einem Drehrad lassen sich verschiedene Fahrprogramme einstellen und der Expedition feinjustieren, die Bandbreite reicht von Asphalt über Schotter und Schlamm bis hin zu Schnee. Das gemütliche Gleiten auf dem Highway ist die große Stärke des neuen Ford Expedition. Da fällt es nicht groß ins Gewicht, dass die Lenkung nicht gerade ein Muster an Direktheit ist. Die geschmeidig agierende Zehngangautomatik passt gut zu dem V6-Motor und daher ist das Geräuschniveau im Innenraum sehr gering. Verschiedene Assistenzsysteme, wie ein Toter-Winkel-Assistent, der auch den Anhänger und den Querverkehr überwacht, sind beim Bewegen dieses Großschiffes sehr hilfreich.

Wer über die Hartplastik-Anmutung des Cockpits hinwegschaut, freut sich über einen Wifi-Hotspot. Das Infotainment mit dem Touchscreen in der Mittelkonsole erreicht nicht ganz den Standard der deutschen Premium-Hersteller, aber erfüllt seinen Zweck. Vor allem bei der Sprachsteuerung setzen Hersteller wie Mercedes bei der nächsten A-Klasse mittlerweile einen sehr hohen Standard. Dennoch: Für einen Preis von 64.220 US-Dollar (52.598 Euro) erhält man ein voll ausgestattetes Auto, mit dem man auch auf deutschen Straßen Spaß haben kann. Zumal eine Zwei-Zonen-Klimaanlage, Lenkradheizung und beheizbare Vordersitze enthalten sind.