Der Ford F-350 SRW 4×4 King Ranch SuperCrew-Cab zeigt eindrucksvoller denn je: size matters! Insbesondere in den USA.

Ein aktueller Smart misst 2,69 Meter in der Länge. Ein Ford F-350 SRW 4×4 King Ranch SuperCrew-Cab misst 2,67 Meter – allerdings in der Breite. Zugegeben, das stimmt nur, wenn die extrabreiten Seitenspiegel montiert sind. Denn eigentlich ist der auf den ersten Blick wie ein Straßengigant wirkende Ford mit 2,03 Meter ohne Spiegel gar nicht so viel breiter, als ein europäisches SUV. Doch wird er auf unseren Straßen auch weiterhin nicht zu sehen sein. Und das liegt nicht nur daran, dass er nicht beim Händler erhältlich ist, sondern daran, dass er für die uns bekannte Infrastruktur dann doch mindestens zwei Nummern zu groß geraten ist. Mit 6,27 Meter Länge und 2,05 Meter Höhe sind die meisten Parkhäuser schon mal tabu. Auch, wenn sich allein das Fluten des 6,7 Liter großen V8-Turbodiesel-Aggregats in einem Klangkörper wie es ein Parkhaus darstellt, um ein Vielfaches grandioser anhört, als auf irgendeinem Supermarkt-Parkplatz. Natürlich würde sich nicht jeder Nachbar über die allmorgendliche Fanfare freuen, die aus der Garage des Fordfahrers tönt. Aber mal ehrlich: Wer hat denn schon so eine große Garage?

Komfortables Reisen

Schon vor dem ersten Besteigen des ab 65.500 US-Dollar teuren Ford F-350 SRW 4×4 King Ranch SuperCrew-Cab wirkt ein Blick besonders verstörend, wenngleich er sich auf ewig ins Gedächtnis brennt. Denn eine Motorhaube auf Augenhöhe wird einem nicht jeden Tag vor die Nase gefahren. Und auch die 1.815 Liter fassende Ladefläche des 3,4 Tonnen-Gefährts sorgt in Sekundenschnelle für erste, geistreiche Nutzungsideen: Ein Pool? Eine Tischtennisplatte? Ein Pferd? Letzteres wird von der Idee nicht sehr begeistert sein. Aber wofür hat der F3-50 denn schon eine maximale Anhängelast von fast 6,5 Tonnen, wenn nicht für ein Pferd. Ach was, für eine ganze Herde! Wem das nicht reicht, der kann innerhalb der F-350-Modellpalette sogar noch mehr an den Haken nehmen. Aber eigentlich dürfte das ja schon reichen.

Das denkt sich auch der Ford-Besitzer, wenn er zum ersten Mal den nach rund 500 Kilometer völlig leer gesaugten 98 Liter-Treibstofftank wiederauffüllen darf. Ist der Tank voll und die Ladefläche leer wirkt der 446 PS starke Ami sogar recht fidel. Mit einem Drehmoment von 1.166 Newtonmeter, das auf Wunsch an allen vier Rädern angreift, kommt fast ein wenig Mitleid mit Straßenbauern auf, da ein ordentlicher Gasstoß gefühlt ganze Straßenzüge aufreißt. Die sofaähnlichen Sitze, die aufklappbare Mittelarmauflage mit dem Potential zum Bierkasten-Verstauen und der Blick aus knapp 1,80 Meter Höhe macht einfach Laune. Und auch die bis zu drei Fondpassagiere können über die Platzverhältnisse in europäischen Premium-SUV bei diesem Anblick nur noch lachen. Die King Ranch-Variante wartet sogar mit einer feinen Leder-Innenausstattung auf, so dass das Gefühl in einem Gefährt fürs Grobe zu sitzen, so schnell verfliegt, wie die ursprüngliche Angst aus Versehen einen anderen Verkehrsteilnehmer zu übersehen.

Wer sich auf normalen Straßen mit dem F-350 bewegt, wird wegen der Leiterrahmenkonstruktion mit vorderer Einzelradaufhängung und der hinteren Starrachse mit Blattfedern kaum Komforteinbußen bemerken. Lediglich die Lenkung gibt einem Europäer Rätsel auf. “Wie kann es sein, dass ich so wenig Rückmeldung von der Straße bekomme?” Vielleicht liegt es daran, dass diese Straße ziemlich weit unter einem durchrauscht. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass es am Gesamtkonzept des F-350 liegt. So ist der auf starke Zugleistungen und gelegentlichen Offroadeinsatz getrimmte Ford sogar ein wenig zickig, wenn beim Rangieren die Räder komplett eingeschlagen sind und der Allradantrieb gewählt ist. Auf befestigten Straßen bietet sich daher definitiv eher die Heckantriebs-Einstellung an. Dank seines hohen Lebendgewichts ist trotz seiner nahezu unbändigen Kraft nur bei bewusst brutalem Einsatz des Gaspedals mit schwarzen Streifen in einer typisch amerikanischen Donutform auf dem Asphalt zu rechnen. Die Fahrt in einem riesigen F-350 wirft am Ende eigentlich nur noch die eine, wichtige Frage auf: Warum sind die Straßen in Europa bloß so schmal und die Parkhäuser so niedrig? Schade, aber so ergibt dieses Fahrzeug bei uns leider keinen Sinn.