Der Marktstart für die nächste Focus-Generation ist zwar erst im kommenden September, doch bereits jetzt zieht Ford an der Themse das Tuch von seinem neuen Kompaktklassestar. Im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte wurden vom Escort-Nachfolger 16 Millionen Fahrzeuge verkauft; sieben Millionen davon allein in Europa.

Endlich einmal kein neues Auto, das wie eine dünne Modellpflege anmutet und endlich ist auch die von Ford in den 90er Jahren eingeführte New Edge Designlinie mit irren wirren Linien verschwunden. Der neue Focus sieht klasse aus, bietet gefällige Proportionen, steht optisch breiter auf der Straße und ist trotz deutlicher Verbesserungen bei Karosseriesteifigkeit und Crashverhalten je nach Modell 40 bis 88 Kilogramm leichter als sein Vorgänger. Zusammen mit der Verbesserung des cW-Wertes auf 0,25 bzw. 0,27 soll sich dies spürbar auf eine Reduzierung des Verbrauches auswirken. Im Vergleich zum Vorgänger wuchs der Radstand der Limousine um 5,3 Zentimeter, während sich die Gesamtlänge nur um 1,8 Zentimeter steigerte. Bemerkbar macht sich das bei einer ersten Sitzprobe im Fond, wo es bis zu fünf Zentimeter mehr Beinfreiheit gibt, während der Laderaum auf 341 Liter wuchs.

Da die Dachlinie etwas flacher verläuft, wird es im Fond jedoch für Personen über 1,80 Metern eng mit der gefönten Haarpracht. Angenehm in Reihe zwei machen sich der deutlich flachere Mitteltunnel und die größere Fensterfläche bemerkbar. "Mit dem neuen Ford Focus setzen wir uns in puncto Technologie und Fahrerlebnis an die Spitze des Segments", betont Joe Bakaj, bei Ford Europa verantwortlich für die Produktentwicklung. "die Chance, ein komplett neues Modell beginnend mit einem weißen Blatt Papier zu entwickeln, bietet sich nicht oft. Wir haben die Gelegenheit mit beiden Händen ergriffen und das beste Auto auf die Räder gestellt, das es in der kompakten Mittelklasse derzeit gibt."

Im Gegensatz zur aktuellen Focus-Generation werden die schwächeren Versionen mit 1,0 und 1,5 Litern Hubraum nur noch eine Torsionsachse bekommen. Die fahrdynamisch bessere Mehrlenkerachse gibt es nur für die leistungsstärkeren Modelle und den um knapp elf Zentimeter gewachsenen Kombi namens Focus Turnier. Auswirken dürfte sich dies ebenso wenig wie bei den Konkurrenten Golf, A3 und Auris, die damit bereits vor Jahren ohne negative Kundenresonanz begannen. Die Chancen scheinen gut zu stehen, dass der Focus erstmals auch außerhalb des Topmodells RS optional einen Allradantrieb bekommen wird. "Ich möchte die Allradtechnologie in dem neuen Modell haben. Insbesondere beim Focus Active", sagt Jo Bakaj, "aber ich brauche hierfür einen belastbaren Businessplan." Denkbar ist nach Meinung von Bakaj auch ein Allradsystem mit einer rein elektrischen Hinterachse.

Marktstart im September

Neu sind zwei 1,5 Liter große Vierzylinderdiesel, die 95 und 120 PS / 300 Nm leisten sowie ein Zweiliter-Selbstzünder mit 150 PS / 370 Nm. Bei den Benzinern behalten die aufgeladenen Dreizylinder das Sagen. Die beiden Motoren mit 1,0 (85, 100 und 125 PS) und 1,5 Litern (150 und 182 PS) Hubraum wurden mit einer Zylinderabschaltung versehen, die die Triebwerke im Teillastbereich zwischen 1.250 und 4.500 U/min nur mit zwei Zylindern arbeiten lassen. Die Normverbräuche liegen zwischen 3,5 und 5,2 Litern. Ausgedient hat das bisherige Doppelkupplungsgetriebe. Je nach Modell- und Motorvariante kann der Kunde beim neuen Focus zwischen einem manuellen Sechsgang-Getriebe und einer Achtgang-Automatik (ab 120 PS) wählen, die Ford zusammen mit Konkurrent General Motors entwickelt hat. "In Sachen Verbrauch gibt es heute keinen Unterschied mehr zwischen einer Doppelkupplung und einer Wandlerautomatik", räumt Jo Bakaj mit einem bekannten Vorurteil von Mehrverbräuchen auf. Am Mitteltunnel findet sich ein Drehknopf, über den sich die Fahrprogramme Eco, Normal und Sport ansteuern lassen, die sich auch auf das Getriebe und das Fahrwerk auswirken, wann man sich für das variable Dämpfersystem entschieden hat.

Deutlich zugelegt hat der Focus auch bei den Fahrerassistenzsystemen. So bietet er gegen Aufpreis Abstandstempomat mit Staufunktion, Verkehrszeichenerkennung, adaptive LED-Scheinwerfer, Einparkautomatik, Notbremsassistent oder ein Head-Up-Display, das seine Informationen auf eine ausfahrbare Scheibe projiziert. Ein erstmals verbauter Ausweichsassistent soll den Fahrer bei Gefahrensituationen unterstützen. Marktstart für den Ford Focus der fünften Generation mit Produktionsort im saarländischen Saarlouis ist im September. Das Basismodell mit überschaubaren 85 PS soll bei 18.700 Euro beginnen. Das Kompaktklassemodell wird in den sechs Ausstattungslinien Trend, Cool & Connect, Titanium, ST-Line, Vignale und Active (rustikaler Auftritt und drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit) angeboten.