Ford unternimmt den nächsten Versuch, mit seinem Focus gegen den übermächtigen VW Golf anzukämpfen. Die vierte Generation basiert erstmals auf der neuen C2-Plattform, die durch die Verwendung von hochfesten Stählen und einer neuen Struktur 20 Prozent torsionssteifer ist. Je nach Motorisierung speckte der Ford Focus um 40 bis 88 Kilogramm ab und bietet trotz eines überschaubaren Längenzuwachses von nicht einmal zwei Zentimetern deutlich mehr Platz im Innern. Besonders beliebt ist der Ford Focus als Kombiversion Turnier. Die Kombivariante ist mit 4,67 Metern rund 30 Zentimeter länger als der 4,38 Meter lange Fünftürer. Das Plus an Raum im Innern stammt von dem um mehr als fünf Zentimeter größer gewordenen Radstand, der sich speziell im Fond nennenswert bemerkbar macht, wo nun auch Erwachsene zumindest bis 1,80 Meter im Doppelpack gut sitzen können. Was trotz der 5,6 Zentimeter mehr Beinfreiheit fehlt, sind separate Luftaustrittsöffnungen oder eine Sitzheizung im Fond. Dabei bietet der Kölner in seiner vierten Generation nicht nur deutlich mehr Platz im Innern, der Innenraum wirkt abgesehen von den Instrumenten auch wertiger und schicker als bisher, ohne jedoch das unerreicht hohe Niveau des VW Golf erreichen zu können.

So gibt es Bedienelemente und Verkleidungen, die zumindest im oberen und mittleren Teil des Armaturenbretts mit ansprechenden Soft-Touch- Oberflächen überzogen sind. Die Türverkleidungen und Ablagen sind nunmehr mit Teppich ausgekleidet, was ein klapperndes Herumrutschen verhindert: sehr angenehm. Die Zahl der Schalter wurde im Vergleich zum Vorgänger durch den vom Fiesta bekannten Touch-Bildschirm halbiert und so präsentiert sich das Interieur nebst USB-Anschlüssen und Ladezone für das Smartphone aufgeräumter als bisher. Nicht gewonnen haben die Instrumente, denn die Instrumente sind nicht nur unverändert analog, sie wirken betagt und die Mittelkonsole ist nicht zum Fahrer geneigt. Der Laderaum des Fünftürers fasst 375 Liter, die sich durch Umlegen der geteilten Rückbank auf 1.354 Liter erweitern lassen. Die 608 Liter Volumen des Focus Turnier lassen sich durch Umlegen der Rückbank auf 1.653 Liter vergrößern. Für 375 Euro lässt sich die Heckklappe elektrisch bedienen.

Wer sich für einen Ford Focus entscheidet, kommt um einen Dreizylinder nicht mehr herum. Was vor Jahren unvorstellbar erschien, ist mittlerweile Normalität. Ein wahlweise 1,0 oder 1,5 Liter großer Dreizylinder-Turbomotor ist der Dreh- und Angelpunkt des Motorenportfolios. Verfügen die kleinen Versionen mit 85, 100 und 125 PS unverändert über gerade einmal 1,0 Liter Hubraum, wurde dem stärkeren Zylindertrio mit 150 oder 182 PS zumindest ein Brennraum von 1,5 Litern spendiert. Als ob drei Zylinder nicht schon wenig genug wären, arbeitet zwischen 1.250 und 4.500 U/min je nach Leistungsabfrage nur ein Zylinderduett und der dritte Zylinder macht im Teilbetrieb Pause, was im normalen Fahrbetrieb kaum zu vernehmen ist. Der Motor läuft vibrationsarm und zieht Dank des Turboladers bereits von unten gut durch. Aus dem Stand beschleunigt der Ford Focus 1.5 Ecoboost Turnier in 9,0 Sekunden aus Tempo 100 und bietet eine Höchstgeschwindigkeit von 208 km/h. Der Normverbrauch der Kombivariante in Verbindung mit der serienmäßigen Sechsgang-Handschaltung liegt bei 5,5 Litern Super (125 g CO2 / km).

Einfache Hinterachse für Basismodelle

Wer sich für die neue Achtgang-Automatik, die aus dem Hause des Konkurrenten General Motors entscheidet, ist mit 206 km/h unmerklich langsamer und erhöht den Normverbrauch um 0,4 Liter. "In Sachen Verbrauch gibt es heute keinen Unterschied mehr zwischen einer Doppelkupplung und einer Wandlerautomatik", räumt Jo Bakaj mit einem bekannten Vorurteil von Mehrverbräuchen auf. Vier Zylinder gibt es nur noch bei den besonders sparsamen Dieselversionen (1,5 und 2,0 Liter), die 95, 120 bzw. 150 PS leisten sowie später bei der Sportversion RS. Bei den ersten Testfahrten präsentierte sich die 150-PS-Benzinversion des Focus Turnier bei flotter Fahrt mit einem Verbrauch von zehn Litern allzu durstig.

Die große Stärke bleibt das Fahrwerk des rund 1,4 Tonnen schweren Focus. Das ohnehin sehr gute Paket des Vorgängers wurde beim neuen Modell nochmals verbessert. Sie wirkt jetzt noch direkter, dreht noch präziser und ist ein wesentlicher Punkt in der gefühlten Fahrdynamik. Erstmals kann man im Focus zwischen verschiedenen Fahrprogrammen wählen, die sich nach einem Dreh am Schalter auf der Mittelkonsole auf Lenkung, Getriebe, Motorsteuerung und Dämpfer auswirken. Beim Fahrwerk hat sich Ford leider der Konkurrenz angepasst und die technisch aufwendigere Mehrlenkerachse bleibt so den stärkeren Versionen und der erfolgreichen Kombiversion Focus Turnier vorbehalten. Die Modelle mit 1,0 und 1,5 Litern Hubraum sind daher nur mit einer Torsionshinterachse zu bekommen, was den normalen Kunden nicht stören dürfte.

Deutlich zugelegt hat der Focus auch bei den Fahrerassistenzsystemen. So bietet das Kompaktklassemodell gegen Aufpreis Ausstattungsdetails wie Abstandstempomat mit Staufunktion, Verkehrszeichenerkennung, adaptive LED-Scheinwerfer, Einparkautomatik, Notbremsassistent mit Personenerkennung oder erstmals ein Head-Up-Display. Ein Ausweichassistent soll den Fahrer bei Gefahrensituationen unterstützen. Marktstart für den Ford Focus ist im September. Der Basispreis für den kaum empfehlenswerten Ford Focus 1.0 mit 85 PS in der blassen Trend-Ausstattung liegt bei 18.700 Euro. Kauftipp ist der Focus 1.5 Ecoboost Titanium, der als Fünftürer zu Preisen ab 26.500 Euro unter anderem Klimaautomatik, Navigationssystem, Tempomat, Regensensor, anklappbare Außenspiegel, Sportsitze und 16-Zoll-Alufelgen bietet. Die sinnvollen LED-Scheinwerfer gibt es nur optional in Verbindung mit zwei Ausstattungspaketen. Die identisch ausgestattete Kombiversion kostet 1.000 Euro mehr.