Ford, in Europa lange Zeit nahezu orientierungslos vor sich hindümpelnd, scheint seinen neuen Weg gefunden zu haben. Die Bekenntnisse zu mehr Sportlichkeit kommen bei den Kunden ebenso gut an wie eine neue Emotionalität und das Bekenntnis zu seinen Ikonen, die zumeist jedoch nicht aus europäischen Landen stammen. Da kommt die Markteinführung des in Europa jahrzehntelang gescholtenen Ford Mustang gerade Recht. Endlich muss der geneigte Markenfan nicht mehr selbst importieren oder zum US-Importeur seines Vertrauens fahren, der sich Import und Abnahme meist teuer vergolden ließ.

Keine Haubeneinlässe

Insbesondere der aufgeladene Vierzylinder mit 231 kW / 314 PS soll in Zentraleuropa seine geneigten Abnehmer finden und fraglos hat der Mustang eine allerdings wenig rühmliche Historie mit überschaubaren 2,3 Litern Hubraum. So gut dessen Fahrleistungen auch sind, sollte zumindest der eingefleischte Mustang-Fan keinen Gedanken an diesen flotten, aber übewiegend blutleeren Vierzylinder verschwenden. Wenn schon Mustang und dessen klare Abgrenzung zu Coupés und Cabriolets aus europäischer Produktion, dann auch den blubbernden und brabbelnden Achtzylinder mit fünf Litern Hubraum aus acht prachtvoll gefluteten Brennkammern bewegen. Der leistet 308 kW / 418 PS und ein maximales Drehmoment von 524 Nm bei 4.250 U/min. Von 0 auf Tempo 100 geht es mit der knackigen, aber etwas knochigen Sechsgang-Handschaltung in unter sechs Sekunden. Die 3.000 Euro Aufpreis für die Sechsgang-Automatik: einfach vergessen. Die Höchstgeschwindigkeit des Mustang V8: 250 km/h. Ford gibt ohne Sel einen Normverbrauch von üppigen 13,5 Liter an und mit 15 bis 17 Litern sollte man allemal kalkulieren, um Spaß zu haben. Das sonore Grollen beim Gasgeben ist jeden Tropfen des edlen Kraftstoffs wert. Doch bei nur 61 Liter Tankvolumen sieht man den Tankwart öfter als es einem lieb ist.

Die Unterschiede zwischen dem bereits seit November auf dem Markt befindlichen US-Modell und den Euro-Versionen, die bei 35.000 Euro für das Vierzylinder-Coupé beginnen, sind dünn. Leichte Modifikationen bei den Lichtmodulen, Hochgeschwindigkeitsreifen und ein besseres Standard-Infotainment sollen dem Amerikaner aus dem Flat-Rock-Werk in Michigan konkurrenzfähiger auf den anspruchsvollen hiesigen Märkten machten. Der Fußgängerschutz kostet die GT-Version zum anderen die schmucken Lufteinlässe auf der Motorhaube.

Bullige V8-Power

Der Sommer steht vor der Tür und wieso sollte man sich nicht gleich in das offene Ford Mustang V8 Cabrio verlieben? Echte US-Car-Fans begehren den Amerikaner zwar insbesondere wegen seiner scharfen Coupélinien, doch für 44.000 Euro gibt es einen coolen Charakterkopf, der nicht nur Uncle-Sam-Fans den Kopf verdreht. Auch wenn im Innenraum vieles besser geworden und der Retrolook allemal sehenswert ist, sollte man für die fairen 44.000 Euro keine Wunder erwarten. Materialien und Verarbeitung liegen nicht auf Premiumniveau, doch Ford ist auf einem guten Weg, die US-Ikone auch im Innenraum in Szene zu setzen.

Der fünf Liter große V8-Sauger ist kein Hightech-Triebwerk; aber einer, der zum 4,78 Meter langen Mustang passt wie die Faust aufs Auge. Am Steuer genießt man insbesondere offen den Tatendrang des bulligen Achtzylinders und lässt seine Ohren akustisch verwöhnen, während einen die Leistung ins Ledergestühl drückt. Wer es kurvenhungrig angehen lässt, spürt schneller als es ihm lieb ist, das Übergewicht des 2+2-Sitzers: 1,8 Tonnen. “Ein Sportwagen wie der Mustang muss sich seinen bezahlbaren Charakter erhalten”, räumt Dave Perick, Entwicklungsleiter des neuen Mustang ein. Schließlich startet die Pony-Ikone in seinem Heimatland USA bei umgerechnet unter 25.000 Euro.

Schwaches Verdeck

Trotzdem dürften sich auch die Amerikaner darüber ärgern, dass zwar die elektrische Stoffmütze mit gerade einmal sieben Sekunden konkurrenzlos schnell ihre Arbet verrichtet, dies jedoch nur bis zu einer realitätsfremden Geschwindigkeit von fünf km/h erledigt, wodurch man auch direkt stehen bleiben kann. Immerhin wuchs der Laderaum auf 332 Liter; rund 70 Liter weniger als im Mustang Coupé. Nur leicht verbessert: die Geräuschdämmung des Stoffdachs durch eine zusätzliche Zwischenschicht. Schnell macht sich am Steuer nicht der kraftvolle Achtzylinder, sondern die verbesserte Karosseriesteifigkeit der offenen Version bemerkbar. Auf dem Niveau der deutschen Premiumcabrios ist man mit dem Mustang Cabriolet jedoch noch lange nicht. Wer offen fährt, wird den in dieser Liga obligatorischen Windschutz hinter den Frontsitzen vermissen und bei geschlossenem Dach ist der Amerikaner einfach zu laut.

Der Basispreis für das Ford Mustang 2.3 Cabrio mit dem 314 PS starken Turbo-Vierzylinder liegt bei fairen 39.000 Euro. Doch der Preisunterschied von gerade einmal 5.000 Euro zum blubbernden V8-Cabrio macht einem die Auswahl leicht. Das offene Topmodell ist gut ausgestattet, bietet Fahrspaß und Dampf, wie man es sich von einem offenen US-Spaßmacher wünscht. Nicht nur Sonnenanbeter dürften sich obligatorisch für das sinnvolle Premiumpaket entscheiden, das für 2.500 Euro Aufpreis unter anderem Navigationssystem, Einparkhilfe, klimatisierte Sitze19-Zöller und zwölf Lautsprecher bietet. Kein Wunder, dass Ford innerhalb kürzester Zeit vom Mustang mehr als 2.200 Bestellungen schreiben konnte. Auf so ein emotionales Auto haben nicht nur Ford-Fans gewartet. Wer will, kann beim Händler gleich originale Devotionalien wie die Mustang-Tasse (27,91 Euro), den Pony-Schlüsselanhänger (5,90 Euro) oder das Modellauto für 34,90 Euro bestellen.