Ein Kölner in München? Das geht ja nicht einmal zur Karnevalszeit gut, wenn sich die rheinische Frohnatur über das – seiner Meinung nach – hemdsärmlige närrische Treiben in der bayerischen Metropole amüsiert. Außerdem hat der FC Köln in der Allianz-Arena in den letzten beiden Jahren kaum Bäume ausgerissen, wie jeder leidgeprüfte “Effzeh”-Fan weiß. Und jetzt soll ein Ford Mustang mit dem “K” auf dem Nummernschild im Revier von BMW wildern? Das kann ja heiter werden. Doch beim Anblick des Amis in Good ol’ Bavaria verpuffen diese Missionszweifel augenblicklich. Rein in das Cockpit und in die bequemen Recaro-Leder-Sportsitze (1.800 Euro extra). Sofort fällt auf, dass man vergleichsweise hoch im Sattel sitzt. Ab einer Größe von 1,90 Metern wird es eng ums Haupt. Instinktiv greift die Hand nach rechts auf den runden Gangknüppel, der gut in der Hand liegt. Der Mustang ist noch einer von der alten Schule, einer der das Zusammenspiel zwischen Kupplung und Handschaltung perfektioniert haben will. Schon auf den ersten Metern durch den Münchener wird klar, das Pony-Car ist nichts für Weicheier und will hart angefasst werden.

Knackige Handschaltung

Die Kupplung malträtiert die Beinmuskeln nicht über Gebühr, aber das Sechsganggetriebe ist knackig bis knorpelig. Mit leichtem Flutschen ist da nichts. Dafür sorgt schon die mächtige Kardanwelle, die die Power des V8-Kraftwerks nach hinten transferiert. Bei jedem Gangwechsel ist ein Widerstand zu überwinden. Das ist puristisch, gut und passend zu einem Mustang, aber nur mäßig Spaß bringend im Stop-and-go-Verkehr. Der Motor vertreibt sich die Zeit mit wohltönenden achtstimmigen Arien, die den Fahrer noch mit einem sonoren kräftigen Brüllen verwöhnen, das auch auf die Dauer nicht nervt, aber so laut ist, dass der Bussi-Bussi-Gesellschaft in den Straßencafés die Tiramisu von der Gabel springt. Das gelungene Aussehen des Zweitürers, der die klassischen GT-Formen des traditionellen Musclecars zitiert, tut sein Übriges dazu, um Aufmerksamkeit zu heischen. Wer sich einen Mustang in die Garage stellt, darf kein verhuschter Geselle sein.

Draußen in der Wildnis, da kann man dem Mustang ungestört die Sporen geben. Die V8-Power mit 310 kW / 421 PS ist allseits präsent. Der Ami zieht mächtig an, sprintet in 4,8 Sekunden von null auf 100 km/h an den ganzen Diesel-Dienstfahrzeugen vorbei und stürmt weiter bis 250 km/h. Wenn da nicht die 19-Zoll-Winterreifen wären, die dem Ami die Straßenlage verderben. Ab Tempi jenseits der 140 km/h reagiert der Ami sehr nervös und das Auto ist ständig in Bewegung. Keine sehr vertrauensbildende Maßnahme. Auch in Kurven verleiten die Pneus das Heck dazu, ein interessantes Eigenleben zu führen. Zudem zittert die Motorhaube ab etwa 120 km/h, wie der Schweif bei einem wild gewordenen Pferd. Immerhin übertragen die Zügel bestehend aus einer sehr präzisen Lenkung, die den Fahrer nie im Unklaren über den Straßenbelag lässt, und einer giftigen, kräftig zupackenden Bremse mit einem exakten Druckpunkt die Wünsche des Fahrers mit einem kompromisslosen Nachdruck. Wie sich der Mustang auf Sommer-Pneus schlägt, wird ein anderer Test zeigen. Das Überholprestige des Amis erreicht fast das der Produkte mit dem Zuffenhausener Wappen, allerdings ist ein Durchschnittsverbrauch von 13,8 Litern pro 100 Kilometern schon mal eine Ansage.

Kräftig zupackende Bremse

Grundsätzlich ist der Ami ein rundherum gelungenes Auto. Vor allem in Anbetracht des günstigen Basis-Preis von 42.000 Euro. Der Innenraum ist schick, wie die Alu-Imitate in fünf Jahren aussehen, wird die Zeit zeigen. Das Leder und die chromglänzenden Hebel überzeugen, genauso, wie das Infotainment-System mit dem 10,7 Zentimeter Bildschirm. Die Bedienung des Ford Sync-2-Systems (Topversion: 1.200 Euro Aufpreis) ist eingängig und einfach, da können sich einige andere ein Beispiel daran nehmen. Die Grafik des Navigationssystems und der Anzeigen brillieren zwar nicht so, wie bei deutschen Premium-Herstellern, sind aber ansehnlich und erfüllen ihren Zweck.

Die Rückfahrkamera hilft beim Rangieren, aber die lange Motorhaube ist unübersichtlich und da hilft es nicht, dass Parksensoren vorne nicht im Programm sind. Die Parkplätze in einer deutschen Stadt haben in der Regel nicht die Ausmaße derer in den USA. Aber die Abmessungen des 4,78 Meter langen Amerikaners hat man schnell im Griff. Platz ist ein heikles Thema, zumindest, wenn es um die Hinterbänkler geht. Im Grunde ist der Mustang ein DINK (Double Income No Kids) Auto, denn in der zweiten Reihe haben nur kleine Erdenbürger Platz. Der Kofferraum erfüllt mit einer Kapazität von 408 Litern zwar nominell Kleinfamilien-Anforderungen, ist aber ziemlich zerklüftet und außerdem wird der Zugang durch eine hohe Ladekante erschwert.