Er gehört mit zum Urgestein im Transportersegment: Der Ford Transit. In über 60 Jahren sorgte er mit seinen zwei Tonnen Nutzlast bei Handwerkern und Spediteuren, bei Lieferdiensten und als Leihwagen beim privaten Umzug für Mobilität. Nun gibt es ihn in einer neu überarbeiteten Version. "Die Hälfte aller Teile ist neu," sagt Michael McDonagh, als Chefingenieur bei Ford in Großbritannien weltweit für den Transit verantwortlich. Vor allem bei der Gewichtsreduktion, den Motoren und den elektronischen Hilfssystemen hat Ford nachgelegt.

Je nach Fahrzeugkonfiguration wurden zwischen 48 und 75 Kilogramm an der Karosserie eingespart, verglichen zum entsprechenden Vorgänger. So besteht die Motorhaube nun statt aus Stahlblech aus Aluminium - 5,4 Kilo Einsparung. Zugute kam dies vor allem der Nutzlast. So kommt etwa der Transit 350 mit langem Radstand, Hochdach und Frontantrieb bei 3,5 Tonnen Gesamtgewicht auf ein Zuladung von 1.400 Kilogramm. Im Schnitt kletterte die Nutzlast um 80 Kilogramm.

Innen hat sich zumindest ein bisschen was getan. Nach wie vor bestimmen Hartplastik und robuste Sitzbezüge das Bild - aber immerhin sind die Oberflächen im rauhen Alltag durchweg widerstandsfähiger als edle Stoffe. Ablagen gibt es reichlich, darunter zahlreiche Flaschenhalter unterschiedlicher Größe. Ärgernisse gibt es allerdings auch. Wie in den meisten gewerblichen Transportern mit Trennwand zum Laderaum lassen sich die Sitze für größere Passagiere nur in Maßen bequem einstellen. Das Zündschloss ist so ungünstig unten rechts an der Lenksäule angebracht, dass man leicht mit dem Knie an den Zündschlüssel stößt und ihn im Extremfall abbrechen kann. Und wie auch bei vielen anderen Herstellern mit hoch gelegenem Schalthebel scheuert und drückt das rechte Knie außen permanent an der Schaltbox. Ein wenig Polsterung würde da sicher helfen.

Umweltzone? Egal!

"EcoBlue" hat Ford seinen Dieselmotor getauft. Basis ist ein Zwei-Liter-Selbstzünder, der die Leistungsstufen 105, 130, 170 und flotte 185 PS liefert. Über die neue 185-PS-Variante mit ihren bis zu 415 Nm Drehmoment werden sich vor allem Kurierdienste freuen: Sie windet sich flott und wendig durch den Verkehr, Überholen ist kein Problem. Ob das den eher schlechten Ruf der Kurierfahrer verbessern hilft, sei mal dahingestellt. Da wird es auch kein Trost sein, dass alle Transit außer den Allradversionen künftig ein Start-Stopp-System an Bord haben.

Wenigstes ein wenig Kraftstoff sparen hilft auch der Einsatz eines Mild Hybride (MHEV) mit 48-Volt-Technologie. Darüber sollen drei Prozent, innerstädtisch bis zu acht Prozent Kraftstoff eingespart werden. Bei Fords Mild Hybride ersetzt ein riemengetriebener Starter-Generator die normale Lichtmaschine. Beim Bremsen nutzt der Generator die kinetische Energie, um eine 48-Volt-Lithium-Batterie zu laden. Beim Beschleunigen etwa gibt die Batterie Energie an den Generator zurück, der dann als Elektromotor wirkt und den Dieselmotor entlastet. Soweit die Theorie. In der Praxis merkt man nicht allzu viel von der elektrischen Hilfe - man kommt je nach Motorisierung mehr oder weniger flott voran, ausreichend ist die Leistung allemal.

Geschaltet wird entweder manuell über eine 6-Gang-Schaltung oder automatisch ebenfalls mit sechs Gängen. Die Handschaltung flutscht ohne Hakeln durch die kurzen Wege der Kulisse. An den kurzen Weg des Kupplungspedals bis zum Auskuppeln gewöhnt man sich schnell. Ab kommenden Frühjahr soll es für die heckangetriebenen Transit auch eine 10-Gang-Automatik geben, die den Gangwechsel dem individuellen Fahrstil und der Verkehrssituation anpasst.

Noch einen Gang weiter schaltet Ford beim Transit mit dem Plug-in-Hybrid. Sein ein Liter großer Turbobenziner soll nur noch als Reichweite verlängernder Hilfsmotor fungieren und Ford-Ingenieure schwören beim Leben ihrer Kinder, dass es auch ein reiner Range Extender ist: Entkoppelt vom Antriebsstrang und nur zur Stromversorgung des 92,9 kW starken Elektromotors da. Bis zu 56 Kilometer weit soll der frontangetriebene Transit Custom PHEV rein elektrisch kommen - das reicht meist aus, um innerstädtisch unterwegs zu sein, ohne Abgase in die Straßenschluchten zu pusten. Und: Umweltzonen und etwaige Zufahrtsbeschränkungen können einem egal sein. Eine Erweiterung des Navi soll künftig erkennen, sobald der Transit in eine Umweltzone einfährt und dann automatisch auf reinen Elektrobetrieb umschalten. Mit Hilfe des Extenders soll die Reichweite bei über 500 Kilometern liegen.

Aufgeladen in 2,7 Stunden

Real dürfte die Ladung der Batterie nicht wirklich für 56 Kilometer reichen. Auf unseren Testfahrten rund um Stockholm allerdings haben wir es nicht geschafft, die Batterie wirklich leer zu fahren. Denn allein schon die Rekuperation beim Abbremsen sorgt für effektives Nachladen und eine schnelle Verlängerung der Reichweite. Im Elektromodus surrt der Transit prompt und verzögerungsfrei los, wie bei Elektroautos üblich mit flottem Antritt. Das Umschalten von der rein elektrischen Fahrt auf die Unterstützung des Benziner lässt sich auch per Knopfdruck erzwingen. Am Fahren ändert sich nichts - es wird nur etwas lauter, wenn der Verbrenner einsetzt.

Da die 13,6 kWh großen flüssigkeitsgekühlten Akkus unterflur installiert sind, entspricht das Ladevolumen mit sechs Kubikmetern beim PHEV-Transit dem seines Kollegen mit herkömmlichem Verbrennungsmotor. Zugelassen ist er für eine Zuladung von bis zu 1.130 Kilogramm. Ford bietet den Transit Custom Plugin als Kastenwagen und als Kombi mit 2.933 mm Radstand und flachem Dach an. Ans Stromnetz angeschlossen wird der Transit über eine Steckdose im vorderen Stoßfänger. Am Haushaltsstromnetz mit 230 Volt und zehn Ampere dauert es laut Ford 4,3 Stunden, bis der Akku vollständig aufgeladen ist. Mit Wechselstrom ist der Akku nach 2,7 Stunden wieder voll.

Aufgerüstet hat Ford den Transit auch bei den elektronischen Hilfssystemen. Alle Wagen haben künftig ein Modem an Bord, das Zugriff auf diverse Internet-Dienste und Apps ermöglicht. Dazu gehören Managementsysteme für Fuhrparks genauso wie automatische Softwareupdates oder Erweiterungen des Navigationssystems wie etwa den EcoGuide, der die Straßenführung erkennt und so hilft, rechtzeitig abzubremsen oder zu schalten. Dazu kommen optional Assistenzsysteme zum Parken, zum Überwachen des Toten Winkels, zur Spurhaltung - das heute übliche eben.

Den Ford Transit gibt es als Kastenwagen ab 28.450 Euro netto. Der Transit Custom Plug-in-Hybrid startet bei 47.995 Euro netto. Nicht ganz unwichtig: Ford bietet auf die Hybrid-Batterie eine Garantie von acht Jahren bzw. 160.000 Kilometer Laufleistung.