Das hat aber ganz schön lang gedauert. Seit vielen Jahren bieten einige Autohersteller auch die beliebten Standardmodelle mit optischen Geländeretuschen an. Ford ist mit seinem Fiesta erst sehr spät auf den Trend aufgesprungen und bietet das aktuelle Modell als Active Plus für alle die, die sich aus der breiten Masse der Kleinwagenfahrer abheben wollen. Ganz billig ist das leicht rustikal angehauchte Vergnügen nicht, denn der Ford Fiesta mit dem leicht unhandlichen Namensannex Active Plus startet bei vergleichsweise üppigen 18.000 Euro. Entscheidet man sich für die sehr gute Kombination aus 1,5 Liter großem Commonraildiesel mit 88 kW / 120 PS und ein paar Komfortdetails kraxelt der Pseudo-Offroader ohne Scham schnell über die 25.000-Euro-Marke. Das liegt insbesondere an der ungewöhnlichen Ausstattung, denn während Ford lässt sich in dieser Klasse sogar Selbstverständlichkeiten wie elektrische Fensterheber hinten (150 Euro), beheizte Außenspiegel (425 Euro), höhenverstellbaren Beifahrersitz (65 Euro) oder die meisten Fahrerassistenzsysteme extra bezahlen lässt, sind LED-Scheinwerfer, ein ordentlich zu bedienendes Navigationssystem, Alufelgen, beheizte Sportsitze und Soundsystem serienmäßig.

Ob man sich für den vermeintlichen Offroad-Charme des Fiesta Active Plus erwärmen kann, muss jeder Kunde selbst wissen. Gerade mit den 195er-Winterreifen wirkt der Wagen allzu hochbeinig, die Räder sind viel zu klein und das an sich gelungene Fiesta-Styling wirkt beim Active Plus nicht derart aus einem Guss wie beim Standardmodell. Technisch ist dem Kölner allerdings nichts vorzuwerfen, denn hier bleibt er ein ganz normaler Fiesta. Die Sitze sind auch für größere Personen angenehm konturiert und selbst auf längeren Strecken sollte der 4,07 Meter lange Kleinwagen dem Körper nicht allzu sehr zusetzen. Überraschend, dass die Instrumente für ein derart neues Fahrzeug nicht komplett animiert sind; doch sie lassen sich gut ablesen. Allerdings wird Wassertemperatur und Tankanzeige im Cockpit etwas viel Platz eingeräumt, während der Bereich des Bordcomputers darüber deutlich größer sein dürfte.

Ärgerlicher, dass einige Oberflächen in den Türen oder an der Mittelkonsole aus schwarzem Hartplastik sind, das man schon lange nicht mehr in einem Fahrzeug außerhalb des Nutzfahrzeugbereichs sehen möchte. Das Platzangebot vorne wie hinten ist für ein Fahrzeug dieser Einstiegsklasse allemal ausreichend. Das gilt nur eingeschränkt für den Laderaum, der im Minimalfall gerade einmal 269 Liter groß ist. Durch Umklappen der Rückbank und Nutzung des doppelten Ladebodens gibt es verschiedene Ladekonfigurationen bis hin zu 1.093 Litern. Im Innenraum gibt es eine Reihe praktischer Ablagen, sodass es aufgeräumt bleiben kann.

Sparsam und teuer - sehr teuer

Wenn man sich in dieser Klasse schon für einen Selbstzünder entscheiden will, dann sollte es der stärkere der beiden 1.5-TDCi-Motoren sein, der 88 kW / 120 PS statt der etwas dünnen 63 kW / 85 PS leistet. Der aufgeladene Vierzylinder ist allemal als Diesel zu erkennen; präsentiert sich jedoch angenehm laufruhig und drehfreudig. Das maximale Drehmoment von 270 Nm lässt sich ab niedrigen 1.750 U/min abrufen, wodurch sich der Fronttriebler ohne Allradoption allemal munter bewegen lässt. Der über 1,2 Tonnen schwere Kölner beschleunigt aus dem Stand in 9,5 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine ausreichende Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Dabei hat der Fiesta Active insbesondere oberhalb von 140 km/h noch überraschend viel zuzusetzen und fährt auch bei flottem Autobahntempo munter im Verkehrsgeschehen mit.

Der Normverbrauch liegt bei niedrigen 3,6 Litern Diesel (96 g CO2) und der 42 Liter große Tank ermöglicht reale Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern ohne nachtanken. Nicht ganz überzeugen kann die manuelle Sechsgangschaltung, die nicht so präzise und leichtgängig arbeitet, wie man es sonst von den meisten Ford-Modellen kennt.

Das Fahrwerk ist ebenso ausgewogen wie beim Standard-Fiesta ohne Kunststoffornat. Größere wie kleinere Unebenheiten bereiten der Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbeinen vorne ebenso wenig Probleme wie die Verbundlenkerhinterachse mit Schraubenfedern. Die Lenkung ist leichtgängig und allemal präzise, wie man es von Ford-Modellen seit Jahren kennt. Der Wendekreis: 10,4 Meter. Bleibt die Frage, ob es der große Diesel sein muss, der den eigenen Ford Fiesta Active Plus befeuert - doch bei diesem Drehmoment und dem geringen Verbrauch: wieso eigentlich nicht? Wenn nur der hohe Preis nicht wäre: bei diesem Modell 27.700 Euro - au weia. Dafür wird man bereits eine Klasse darüber fündig.