Wer sich die teuerste Suite im Peninsula Hotel in Hong Kong leisten kann, hat es geschafft. Das Top-Zimmer, The Peninsula Suite, befindet sich im 26. Stock. Die Übernachtung kostet mindestens 128.000 Hong Kong Dollar – rund 12.330 Euro. Dafür gibt es auch einen eigenen Zugang zu den beiden Helikopter-Landeplätzen auf dem Dach, ein eigenes Fitness-Studio und einen Sicherheitsstandard, der dem des amerikanischen Geheimdienstes CIA entspricht. Der atemberaubende Blick über den Hafen der quirligen Metropole ist gratis. Wer sich das leisten kann, will dementsprechend chauffiert werden. Denkt man an Luxus und Noblesse, ist Rolls-Royce eine logische Wahl. Doch nicht nur die üppige Ausstattung der Automobile war ausschlaggebend, sondern auch der Wille der Rolls-Royce-Verantwortlichen, Sonderwünsche zu erfüllen. Über die weltweite Rolls-Royce-Flotte der Peninsula Hotels herrscht Martin Oxley. Der breitschultrige Brite war 22 Jahre für Rolls-Royce tätig, unter anderem als General Manager der Niederlassung in London.

In seinem alten Job ging alles seinen gewohnten Gang, bis eines Tages das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung war ein Vertreter der Peninsula-Hotels. “Er frage, ob ich mir vorstellen könne, für sie zu arbeiten”, schmunzelt Martin Oxley. Die Kontaktaufnahme war erfolgreich. Einen Tag später stieg Oxley zusammen mit seiner Frau in ein Flugzeug und flog nach Hong Kong. Während seine Gattin durch die asiatische Metropole chauffiert wurde, unterhielt sich Martin Oxley eine Woche lang mit den Verantwortlichen der Peninsula-Hotels, um die Möglichkeit einer Zusammenarbeit auszuloten. Eigentlich wollte Martin seine Heimat Großbritannien nicht verlassen. Den Ausschlag für den Wechsel gab die Unterhaltung mit Sir Michael Kadoorie, dem Inhaber der exklusiven Hotelkette, einem begeisterten Sammler seltener Autos. Sir Michael und Martin Oxley merkten schnell, dass sie gleich tickten „Das ist ein echter Car Guy“, strahlt Martin.

Seitdem modifiziert Martin Oxley die Nobelkarossen, um den anspruchsvollen Gästen die Fahrt möglichst angenehm zu machen. Für die britische BMW-Edel-Tochter hat sich diese Kundenorientierung bezahlt gemacht: Im Jahr 2006 orderten die Peninsula Hotels auf einen Schlag 14 Rolls-Royce Phantom mit langem Radstand. Das entspricht einen Gegenwert von rund sechs Millionen Euro. Die Geschäftsbeziehung zwischen der Nobel-Hotelkette und dem britischen Autobauer dauert nun bereits 44 Jahre an. Seit 1970 hat die Hotelkette 70 Luxus-Limousinen aus Goodwood gekauft. Darunter einige Silver Spurs und eben Phantoms. Neben den 14 modernen Modellen verrichtet auch ein klassischer Phantom II aus den 30er Jahren noch immer seinen Dienst.

Da wundert es nicht, dass des Öfteren BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson zugegen ist, wenn Martin Oxley zusammen mit seinem Chef Sir Michael bei Rolls-Royce auftaucht, um dort Änderungswünsche zu besprechen. Manche seiner Adaptionen haben es sogar bis in die Serie geschafft. Wie zum Beispiel, dass die Bedienelemente für die hintere Sitzbank in den Türen angebracht sind. Vorher waren sie direkt hinter den Vordersitzen. “Sobald die Gäste angeschnallt waren, konnten sie die Knöpfe nicht mehr erreichen”, erklärt Oxley. Da die betuchten Gäste oft mit reichhaltigem Gepäck anreisen, verlegten die Peninsula-Experten kurzerhand die Fahrzeug-Batterien und den Kompressor für die Luftfederung unter die Rückbank. Jetzt haben zwei große Koffer mehr Platz. Damit weder die Karosserie noch die Reise-Utensilien beim Rein- und Rauswuchten beschädigt werden, sind im jeden Peninsula Phantom-Kofferraum große Decken befestigt, die nach außen umgeschlagen werden.

Ein Peninsula Rolls-Royce definiert sich nicht nur über leichter zu erreichende Kontrollknöpfe: Die vornehmen Passagiere sinken in feinstes Leder und ein Lexicon-Soundsystem mit 15 Lautsprechern sorgt für angemessene Beschallung. Selbst an einen eigenen Behälter für die gebrauchten Handtücher haben Martin Oxley und sein Team gedacht. Ein Peninsula-Phantom braucht 350 Stunden Bauzeit, ehe er vom Band läuft. Insgesamt 25 Rolls-Royce Ingenieure sind an Umbauarbeiten beteiligt. Jedes dieser Autos ist in der hoteleigenen Farbe “Peninsula Green” lackiert und mit einem honiggelben Streifen verziert. Die Edelkarossen stehen nicht nur dekorativ vor dem Eingang, sondern werden auch im täglichen Gebrauch benutzt. Das erkennt man am Leder und der grünen Schutzfolie, die über die Front geklebt ist. “Das reduziert die Lackier-Kosten erheblich”, erläutert Martin Oxley. Die edlen Schlitten müssen auch einiges an Kilometern zurücklegen. Das Top-Dauerläufermobil hat 270.000 Kilometer auf der Uhr. Die meisten Fahrten gehen zum Flughafen und zurück. In Hong Kong bedeutet das rund 45.000 Kilometer pro Jahr.

Wer nicht ganz so staatstragend durch die Gegend chauffiert werden will, für den stehen im gleichen Dunkelgrün auch Mini Clubman bereit inklusive einer eigens hergestellten Dachbox für die Resultate der Shopping Tour. “Diese Idee stammt übrigens von Sir Michael”, erklärt Martin. Auch in den Minis geht es luxuriös zu. Ein Kühlschrank ist ebenso vorhanden wie ein iPhone. Bei aller Freude, muss Martin Oxley doch eine bittere Pille schlucken. Er fühlt sich am wohlsten, wenn er selber in der Garage an seinen Lieblingen schrauben kann. Doch leider kommt er nur noch selten dazu. Die meiste Zeit verbringt er im Büro und tüftelt neue Ideen aus. Eine davon ist der”„Keyless Check-In”, bei dem der Gast schon im Auto in das Hotel eincheckt und nach der Ankunft nur noch ins Zimmer zu gehen braucht.

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Wolfgang Gomoll; press-inform