Schon einmal hatte Honda einen HR-V Crossover im Programm. Vor vielen anderen kam Honda 1999 mit dem ersten HR-V auf den Markt. Der hatte den Charme eines Kassenhäuschens und verschwand nach einigen Jahren wieder von der Bildfläche. Die anhaltend guten Verkaufszahlen in diesem Segment und der weiterhin wachsende Markanteil der SUVs darin, zwangen inzwischen zum Umdenken. Der neue HR-V verbindet die Dynamik eines Coupés mit der Praktikabilität und der Robustheit eines SUVs. Trotzdem bleibt die Sitzposition angenehm hoch. Alle Instrumente und Anzeigen sind dem Fahrer zugeneigt. Für Unterhaltung und Navigation sorgt ein Touchscreen mit Android-Betriebssystem und einer Garmin Navigationseinheit. Darunter befinden sich die Einstellungen der Klimaanlage – auch ein Touchscreen. Als einziges Zugeständnis an den europäischen Markt enthält die Mittelkonsole Applikationen aus Klavierlack. Wieso man meint, mit diesem Detail Europäern eine Freude zu bereiten bleibt ein Rätsel. Ansonsten entspricht die europäische Version dem Honda, wie er schon seit zwei Jahren auf japanischen und amerikanischen Straßen fährt. Das betrifft auch die Motorisierung.

Turboloch

Den neuen HR-V von Honda gibt es wahlweise mit einem 1.5-Liter Benziner oder dem bekannten 1,6-Liter-Dieselmotor. Den Zahlen nach ist der 1.5 i-VTEC Benzinmotor mit einer Leistung von 96 kW / 130 PS bei 6.600 U/min der Stärkere. Er hat aber nur ein maximales Drehmoment von 155 Nm bei 4.600 U/min. Das lässt ist für alle Insassen deutlich zu spüren. Im praktischen Fahrbetrieb wirkt er leicht überfordert. Sanftes Cruisen ist damit nicht drin – dafür muss zu heftig geschaltet werden. Und beim Beschleunigen heult der Motor, trotz der ansonsten guten Geräuschdämmung, laut auf. Für mehr Entspannung sorgt das neue CVT-Getriebe. Die stufenlose Automatik des Honda simuliert eine 7-Gang-Automatik und kann bei Bedarf auch über Schaltwippen am Lenkrad betätigt werden. Gewöhnen muss man sich aber an den verzögerten Krafteinsatz beim Beschleunigen und leiser wird es beim Kick-down auch nicht. Damit der Motor die Leistung bringt, muss er auf über 4000 Umdrehungen gebracht werden – und das ist laut und zäh. Trotz dieser Nachteile ist man bei Honda sicher, die Kunden für diese Kombination erwärmen zu können.

“Wir sind fest davon überzeugt, dass der 1,5- Liter-Benziner mit unserem CVT-Getriebe für den Kunden im urbanen Umfeld hinsichtlich Komfort und Wirtschaftlichkeit die beste Lösung ist,” sagte Kotaro Yamamoto vom Markteinführungsteam für den HR-V bei Honda. Die Kunden im Japan und den USA geben ihm ja auch Recht. Ob Honda damit auf dem deutschen Markt reüssieren kann, muss sich jedoch erst noch zeigen. Das Problem ließe sich leicht beheben, hätte man eine gute Stufenautomatik, ein Doppelkupplungsgetriebe oder zumindest einen drehfreudigen Turbomotor. Ein Blick unter die Haube gibt Gewissheit, dass dort noch ausreichend Platz vorhanden wäre – man schaut direkt in ein Turboloch.

Shopping-Queen

Bis dahin muss der Kunde mit dem vorhanden Benziner vorlieb nehmen, dessen Werte ansonsten nicht schlecht sind. Der HR-V mit Benzinmotor beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 10,7 Sekunden (mit 6-Gang-Schaltgetriebe) bzw. 11,2 Sekunden (CVT-Getriebe). Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 187 km/h erreicht. Der Kraftstoffverbrauch des HR-V in Kombination mit dem CVT liegt bei 5,2 l/100 km und CO2-Emissionen von 120 g/km. Wer zum Selbstzünder greift, fährt an dem Handicap des Benziners gewissermaßen links vorbei. Der Dieselmotor bietet mit 300 Nm ab 2000 U/min ausreichend Drehmoment zum Überholen und Beschleunigen. Der Motor leistet 120 PS / 88 kW und beschleunigt den HR-V in 10 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 192 km/h vom wertvollen Mineralölgemisch werden nur 4,0 l/100 km (104 g/km) verbraucht.

Mag man sich über die richtigen Motoren streiten; unbestritten ist der HR-V ein ausgewiesenes Raumwunder. Der Kofferraum ist für die Fahrzeugklasse mit 453 Litern riesig. Der flache, unter den Vordersitzen platzierte Kraftstofftank schafft Platz unter den Rücksitzen für Hondas “Magic Seats”. Diese sind im Prinzip ist nicht neu, aber für den HR-V essenziell. Dank einer kinosesselartigen Konstruktion lassen sich die Sitze – einhändig und ohne umständliche Einweisungen – umlegen und schaffen so Platz für über 1240 Liter Stauraum. Wird nur die Sitzfläche hochgeklappt, entsteht Raum um hohe Gegenstände stehend im Fußraum zu transportieren – auch sehr praktisch. Damit nicht genug: Wird zusätzlich der Beifahrersitz umgeklappt, können Gegenstände mit einer Länge von 244 cm transportiert werden. Der HR-V kann, wie kaum ein anderes Fahrzeug, im Innenraum variiert werden. Nur der Fahrersitz ist nicht disponibel. Relativ frei wählbar ist hingegen die Zusatzausstattung.

Neben der serienmäßigen Sicherheitsausstattung mit Front-, Seiten und Vorhangairbags offeriert Honda ein Kollisionswarnsystem, einen Spurhalteassistenten und ein automatisches Fernlicht. Eine Verkehrszeichenerkennung ist mit der sogenannten “intelligenten” Geschwindigkeitsregelanlage kombiniert und eine Berganfahrhilfe gibt es zusammen mit der elektrischen Parkbremse. Solch ein Paket ist natürlich nicht ganz billig. Einstiegspreis für den Benziner liegt bei 19.990 Euro. Für den Diesel muss man schon mindestens 22.290 Euro hinlegen. Beide fahren dann mit dem 6-Gang-Schaltgetriebe. Den 1.5 i-VTEC mit CVT-Getriebe gibt es erst ab der höheren Ausstattung “Elegance” und kostet dann ca. 23.200 Euro. Für das Geld könnte aber ein Turbo schon mit drin sein.

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