| von Stefan Grundhoff

Audi, Mercedes, BMW, Land Rover oder Volvo können den Kuchen in der Liga der großen Familien-SUV nicht allein unter sich aufteilen. Kia schickt seinen prächtigen Telluride ins Rennen, Hyundai das Zwillingsmodell Palisade, VW den mächtigen Atlas oder Ford seine Modelle Explorer / Expedition. Honda, bei uns allein in den unteren Fahrzeugklassen vertreten, hat mit seinem Oberklasse-SUV namens Pilot seit Jahren ein echtes Erfolgsmodell im Angebot. Bereits die vorherige Generation erfreute sich bei kinderreichen Kunden großer Beliebtheit und der Nachfolger sieht nicht nur besser aus; er bietet auch zeitgemäße Technik und viel Ausstattung zum überschaubaren Preis. Da mag sich einer in Europa die Augen reiben, doch der alles andere als schlecht ausgestattete Honda Pilot kostet als Einstiegsmodell LX mit Frontantrieb nicht mehr als 31.450 Dollar. Das Topmodell Honda Pilot 3.5 V6 Elite AWD mit Komplettausstattung und deutlich besserem Allradantrieb hängt mit einem Preis von 48.020 Dollar immer noch deutlich unter der 50.000-Dollar-Grenze - sprich unter 45.000 Euro. In dieser Liga ist man auf dem alten Kontinent mit einem nackten BMW X3 oder einem mäßig ausgestatteten VW Tiguan unterwegs - von Luxusextras und jeder Menge Platz für bis zu acht Personen ganz zu schweigen. Der Amerikaner gilt nicht nur bei Autos als besonders familienfreundlich.

In dieser Liga muss man es mit einem kleinen Vierzylinder gar nicht erst versuchen. Wie auch die meisten seiner Wettbewerber setzt der 4,99 Meter lange Honda-SUV beim Antrieb auf bewährte Technik. Für den rechten Vortrieb auf und abseits der Straße sorgt ein 3,5 Liter großer V6-Saugmotor, der 206 kW / 280 PS leistet und mit seinen maximalen Drehmoment von 356 Nm bei 4.700 U/Min überraschend sonor tönt. Während die günstigen Ausstattungsvarianten mit Frontantrieb und einer Sechsgang-Automatik kombiniert sind, bieten die höheren Linien bis hin zum Topmodell Elite den sinnvollen Allradantrieb, der die Zugkraft auf 2,3 Tonnen erhöht und eine Neungang-Automatik, die fein mit dem 280 PS starken Sechszylinder zusammenarbeitet. Die Allradversionen des Pilot sind dabei mit einem elektronisch kontrollierten, aber hydraulisch angesteuerten Hinterachsdifferenzial unterwegs, das die Kraft nicht nur zwischen Vor- und Hinterachse, sondern auch zwischen linkem und rechtem Hinterrad verteilt. Im Geländeeinsatz arbeitet das System solide, aber erst mit einiger Verzögerung, da die Motorleistung erst mit durchdrehenden Vorderrädern an die Achse mit mehr Grip transferiert wird. Bei flotter Fahrt neigt der knapp zwei Tonnen schwere Honda Pilot deutlich zum Untersteuern. Je nach abgewähltem Fahrmodus oder Untergrund fährt der Familien-SUV im ersten oder zweiten Gang an, um durchdrehende Räder zu vermeiden oder maximale Dynamik auf die Straße zu bringen.

Das Fahrwerk ist wie üblich in dieser Klasse betont komfortabel abgestimmt, weil sich auch viele ehemalige Van-Kunden in ein Fahrzeug wie den Honda Pilot vergucken sollen. Anders als in Europa bieten die Japaner hier seit vielen Jahren den Odyssey, der ebenso wie die anderen Familienvans jedoch ebenfalls von den SUVs unter Druck gerät. Gerade mit dem groß dimensionierten 20-Zöller, den die Topversionen bieten, ist das Fahrverhalten des Pilot auf der Vorderachse leicht stößig. Die allzu leichtgängige Lenkung erleichtert zwar Parkmanöver auf engem Raum, die man auf dem zentralen Multifunktionsbildschirm verfolgen kann, lässt jedoch eine nennenswerte Rückmeldung von der Beschaffenheit der Fahrbahn vermissen.

Bedienung per App - für jeden

Im Innenraum bietet der Honda Pilot nicht zuletzt durch seinen 2,81 Meter langen Radstand jede Menge Platz. Wer sich für die beheizten Captains Chairs als Einzelsitze im Fond entscheidet, bezahlt je nach Modell gerade einmal ein Aufgeld von 300 Dollar. Das ist einmal ein Angebot, das man sich ebenso wie den 1.900 Dollar teuren Allradantrieb nicht entgehen lassen sollte. Die Sitze sind vorne wie hinten bequem, auch wenn es ihnen an Seitenhalt und im Fond an Beinauflage mangelt. Mit etwas Kletterei kommen Kinder auf die Sitzgelegenheiten in der dritten Reihe. Wie hier im Fall der Fälle jedoch drei Personen sitzen sollen, bleibt einem nicht nur unter amerikanischen Größenbedingungen schleierhaft. Immerhin gibt es vorne wie hinten eine stattliche Sammlung an USB-Anschlüssen, sodass sich Mitfahrer jeden Alters speziell im Fond auf längeren Strecken mit ihren Smartphones und Tablets beschäftigen können und so die Fahrzeit kurzweiliger erscheint. Für die nötige Übertragungsgeschwindigkeit sorgt eine WLan-Funkwabe, die der Honda Pilot seinen Insassen zur Verfügung stellt.

Die Bedienung dieser Funktionen erfolgt wie die Darstellung der Navigationskarte über ein zentrales Multifunktionsdisplay in der Mitte der Armaturentafel, dessen acht Zoll großer Bildschirm sich per Touchfunktion bedienen lässt. Die beiden höchsten Ausstattungsvarianten haben ein deutlich besseres 10,2-Zoll-Display. Per Sprache ist das System verglichen mit anderen nicht auf dem neuesten Stand. Die animierten Instrumente lassen sich die über Lenkradknöpfe bedienen. Viele Komfort- und Unterhaltungsfunktionen lassen sich von allen Insassen auch per aktualisierter Honda-App auf dem Smartphone steuern.

Üppig dimensioniert ist nicht nur der Innenraum, sondern auch das Gepäckabteil. Vorausgesetzt, man hat die Sitzgelegenheiten in der dritten Sitzreihe nach vorne umgeklappt und kann den sonst immerhin 453 Liter großen Laderaum hinter der elektrischen Heckklappe auf 1.300 oder gar 2.320 Liter erweitern. Serienmäßig gibt es für die nicht einmal 32.000 Dollar nicht nur Klimaautomatik und 18-Zöller, sondern auch LED-Scheinwerfer, verschiedene Fahrerassistenzsysteme und eine elektrische Heckklappe. Nur das Elite-Topmodell hat jedoch Voll-LED-Scheinwerfer, Neungang-Automatik mit Schaltwippen. 20-Zoll-Radatz, beheizte Ledersitze und abblendbare Spiegel nebst Navigationssystem.