| von Wolfgang Gomoll

Sobald es um neue Autos geht, verwandeln sich die Designer zu Verbalakrobaten, um die neue Formensprache möglichst wortgewaltig auszudrücken. Was bei Mercedes-Benz die viel beschworene "sinnliche Klarheit" ist, ist bei Hyundai jetzt die "sinnliche Sportlichkeit" (Sensuous Sportiness). Auch wenn einem angesichts dieser ganzen Leidenschaft so langsam der Kopf brummt, stellt man doch fest, dass der neue Hyundai i20 jetzt frischer und mutiger daherkommt. Damit rückt die Hauptmarke auch optisch näher an die flotte Tochter Kia heran, die die Mutter mit gelungenen Designs in die altbacken-Ecke gedrückt hat.

Ein Ausdruck dieser optischen Angriffslust ist der größere Kühlergrill, das Voll-LED-Licht mit der V-Signatur, die sich auch bei den Rückleuchten wiederfindet. Am meisten Boden macht Hyundai im entschlackten Innenraum gut, der moderner wirkt als bisher. Zwei Bildschirme mit je 10,25 Zoll Größe sorgen für die Darstellung der Cockpitinstrumente beziehungsweise dienen als Befehlszentrale des Infotainments. Allerdings ist der Touchscreen nicht kapazitiv, dafür gefallen die Knöpfe unter dem Bildschirm, bei denen eine leichte Berührung reicht, um die Funktion auszulösen.

Dass man sein Smartphone per Android Auto oder Apple CarPlay einbinden kann, ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Außerdem soll die Sprachbedienung jetzt in der Lage sein, umgangssprachliche Kommandos zu verstehen, das Navigationssystem bietet Echtzeit-Verkehr und per App kann man das Auto finden, abschließen oder die Navigationsstrecke in das System übertragen.

Neue Assistenzsysteme

Gelungen ist die Tatsache, dass man die Luftdüsen verstellen kann, ohne die schicke Lamellenstruktur zu unterbrechen. Im Innenraum punktet der i20 auf ganzer Linie: Zwar ist der VW Polo-Konkurrent mit einer Länge von 4,04 Meter nur um fünf Millimeter länger als bisher, aber der Radstand ist um zehn Millimeter gewachsen. Das macht sich auf den hinteren Plätzen bemerkbar, auf denen man auch mit einer Körpergröße von 1,85 Metern gut sitzen kann. Dass die Rückbank beheizbar ist, erhöht den Wohlfühlfaktor nur noch. Dieses Selbstbewusstsein trägt der i20 auch nach außen: Da der kleine Koreaner 2,4 Zentimeter niedriger und drei Zentimeter breiter ist, steht er deutlich satter auf dem Asphalt als bisher.

Bei den Assistenzsystemen haben die Koreaner ebenfalls nachgerüstet: Der Hyundai i20 hat jetzt einen Toter-Winkel Assistent, der durch die Motorenbremse einen Einschlag verhindert beziehungsweise die Folgen minimiert, sobald man unachtsam die Spur wechselt und ein Unfall droht. Wie sich diese Funktion im Alltag bewährt, wird der Test zeigen, immerhin kann dieses Detail deaktiviert werden, ohne dass der Helfer aufhört, vor herannahenden Autos zu warnen. Positiv ist, dass der Notbremsassistent jetzt auch Fahrradfahrer erkennt, dass der Fahrer vor Querverkehr gewarnt wird und das Auto bremst, wenn man Gefahr läuft, gegen ein Hindernis zu donnern, das man in den Spiegeln übersieht beziehungsweise gar nicht sehen kann.

Batterie in der Reserveradmulde

Bei den Motoren geht die Dieselfraktion leer aus. Als Motorvarianten stehen der Vierzylinder 1.2 Liter große 62 kW/84-PS-Sauger und der aufgeladene Einliter-Dreizylinder mit 74 kW / 100 PS und 88 kW / 120 PS aus der Kappa-Enhanced-Baureihe zur Auswahl. Beim Turbomotor packen die Koreaner auf Wunsch einen Mildhybrid inklusive 48-Volt-Bordnetz unter die Motorhaube. Beim großen Turbo ist die Elektrifizierung standardmäßig an Bord. Der Elektromotor steuert je nach Fahrsituation zwischen fünf und zwölf kW bei - beim Segeln wird das Maximum aus der E-Maschine abgerufen.

Der Saft kommt aus einer 0,44-Kilowattstundenbatterie, die sich in der Reserveradmulde im Kofferraum befindet. Wird der MHEV mit der Sechsgang-Handschaltung anstelle des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes gekoppelt, bekommt das Getriebe eine E-Kupplung. "Die brauchen wir, damit das Auto segeln kann", erklärt Produktmanager Askin Kahraman. Der Hyundai i20 wird im Spätsommer/Herbst 2020 beim Händler stehen.

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