Dieser Auftritt ist mächtig, imposant und allemal eindrucksvoll. Üppiger Kühlergrill, konzentrierter LED-Blick und trotzdem ist der größte aller Infinitis selbst von vorn kein Protzer. Der QX 80 ist einer, den man in unseren Breiten nicht zu Gesicht bekommt; er wird schlicht nicht angeboten. Das mächtigste Modell im gesamten Renault-Nissan-Infiniti-Mitsubishi-Konzern hat die Klobigkeit seines Vorgängers längst abgelegt. Das Nashorn von einst ist zum Luxus-SUV geworden, wie sich ihn viele wünschen. Wem in den USA ein BMW X5, Mercedes GLS, Range Rover oder Audi Q7 deutlich zu klein ist, der gönnt sich das Nobelmodell Infiniti QX 80 nur allzu gern. Mächtige 5,34 Meter lang, jede Menge Luxusausstattung, Platz für sechs bis acht Personen und dabei ein Auftritt ohne jede Dekadenz. Auf dem Parkplatz ist der Koloss selbst in Pick-Up-Country USA problemlos zu erblicken - er überragt die meisten Modelle um mehr als einen Irokesen-Kopf. In der Topausstattung rollt er dabei auf massiven 22-Zöllern mit 275/50er Reifen, die dank des variablen Allradantriebs keinerlei Probleme haben, die Motorleistung von standesgemäßen 294 kW / 400 PS und 560 Nm Drehmoment auf den Boden zu bannen. Das Fahrwerk selbst ist dabei komfortabel, jedoch alles andere als weich und die 22-Zöller wirken etwas unharmonisch.

Auch wenn der Koloss dank seines kraftvollen 5,6-Liter-V8 jede Menge Power in allen Fahrsituationen hat, ist er für den Kommandanten ein echter Entschleuniger. Vollgas über den Highway oder im schnellen Galopp über eine Landstraße kann der japanische Amerikaner problemlos, doch kraftvoll cruisen - genau das ist sein Ding. Wer sich für ihn entscheidet, will hinter dem Steuer allen nur erdenklichen Komfort ohne dabei auf dicke Hose zu machen. Neidfaktor: null. Komfort: mächtig. Der Infiniti QX 80 ist dabei genau das, mit dem speziell die europäische Konkurrenz erst mit mächtiger Verzögerung nachrückt. BMW bringt Anfang 2019 mit dem X7 erstmals einen Luxus-SUV mit einer Länge von 5,20 Metern zu den Kunden. Ähnlich sieht es bei Mercedes aus, die dem neuen GLE nach der Weltpremiere in diesem Herbst im kommenden Jahr zunächst einen neuen GLS und dann sogar eine besonders exklusive Maybach-Variante folgen lassen. Sie alle sollen insbesondere in den USA auf Käufersuche gehen und Modellen wie dem Ford Expedition, dem Cadillac Escalade, dem Lincoln Navigator oder eben dem Infiniti QX 80 Käufer abluchsen, für die der Slogan "size matters" automobiler Alltag sind.

Ohne einen kraftvollen V8 geht in dieser Klasse nichts und für einen drehmomentstarken Diesel interessiert sich in den USA ohnehin niemand mehr. Der 5,6 Liter große Saugmotor ist alles andere als ein neues Triebwerk; im Laufe der vergangenen Jahre wurde er mehrfach überarbeitet und ist seit einiger Zeit mit Direkteinspritzung und variablem Ventiltrieb unterwegs, was das Ansprechverhalten verbessert und den Verbrauch senkt. Dabei gaukelt einem der QX 80 nicht vor, ein Sparmeister zu sein und verbrauchte in der Praxis ehrliche 16 Liter auf 100 Kilometern. Die Siebengangautomatik hat mit dem knapp 2,7 Tonnen schweren Allradler leichtes Spiel, denn der mächtige Achtzylinder lässt sich selbst durch spontane Leistungsabfragen nicht aus der Ruhe bringen. Überaus angenehm: das bullige, aber nicht aufdringliche V8-Brabbeln.

Wenn das Luxus-Modell von Infiniti mit etwas punkten kann, sind es Platzangebot und Serienausstattung. Können sich die Insassen über Platz auf allen sechs Einzelstühlen nicht beklagen, liegt das Gepäckvolumen je nach Stellung der Fondsitze zwischen 470 und 2.692 Litern. Etwas betagt wirken im aufgeräumten Innenraum die analogen Rundinstrumente und die Bedienung des Navigationssystems. Das können andere besser - und moderner. Die üppig dimensionierten Sitze bieten auf allen Plätzen einen exzellenten Langstreckenkomfort, doch eine Massagefunktion würde dem QX80 gut zu Gesicht stehen. Davon abgesehen hat das 68.000 Dollar (56.800 Euro) teure Basismodell bereits eine Luxusausstattung, die insbesondere die Konkurrenz alt aussehen lässt. Wer sich für das 5.700 Dollar (4.770 Euro) Deluxe Luxury Paket entscheidet, bekommt unter anderem 22 Zöller, exklusives Anilinleder, adaptive LED-Scheinwerfer, Wankausgleich und Kameras rundum. Wer noch mehr Luxus liebt und die Fondpassagiere verwöhnen will, gönnt diesen Sitzheizung, Entertainmentbildschirme und Kopfhörer. Für weitere 2.900 Dollar (2.450 Euro) ist das Fahrerassistenzpaket mit einem Komplettangebot an Systemen allemal empfehlenswert. Dass WLan eine Cargomatte für den Laderaum und eine Begrüßungsfunktion des Lichts extra kosten, irritiert allerdings etwas. Doch wo bekommt man einen derart edel ausgestatteten Luxus-SUV schon für 80.000 Dollar?