| von Stefan Grundhoff

Geht es um das Nachladen von elektrischen Autos entlang der großen Verkehrsachsen, kommt man an Ionity kaum vorbei. Das Konsortium aus den großen Autoherstellern VW, Mercedes, BMW, Audi, Ford und Porsche hebt die Preise an seinen Ladesäulen drastisch an. Konnte man bisher für acht Euro das eigene Elektromobil ganz nach Gusto mit neuer Energie versorgen, so will Ionity ab dem 31. Januar gigantische 79 Cent pro Kilowattstunde. "Das Ziel von Ionity ist es, ein konsistentes High-Power-Charging-Ladenetzwerk in Europa aufzubauen und das Reisen auf Langstrecken Wirklichkeit werden zu lassen", so Ionity-CEO Michael Hajesch, "für unsere Kunden stellen wir ein hohes Servicelevel zur Verfügung. Mit Blick auf den beschleunigten Hochlauf der Elektromobilität bieten wir mit der Preisumstellung eine marktadäquate und transparente Preisstruktur in Europa."

Mit dem neuen Preismodell werden viele Fahrer eines Elektroautos oder eines Plug-in-Hybriden gerade an den großen Verkaufsachsen entlang der Autobahnen beim Nachtanken an der Elektrozapfsäule ihr grünes Wunder erleben. Wer einen Audi E-Tron (95 kWh), einen Mercedes EQC (80 kWh) oder den Porsche Taycan Turbo S (93 kWh) nachlädt, muss tief in die Tasche greifen. Der Tankvorgang kostet zwischen 63 und 75 Euro. Selbst für Fahrzeuge mit einer kleineren Reichweite wie den BMW i3, den VW ID.3 oder einen Kia Soul sind schnell 40 Euro fällig.

Dafür kommt man in einem vergleichbaren Verbrenner mindestens genauso weit - und in der Realität mit einem Diesel zum Beispiel zumeist noch einige Kilometer weiter. Zudem liegt Ionity damit weit über den Preisen von Wettbewerber Tesla (0,33 Euro pro kWh) oder zahlreichen lokalen Anbietern wie zum Beispiel in München, wo das Laden an einer SWM-Säule mit 0,38 Euro pro kWh zu Buche schlägt. In Dortmund sind es abseits einer verfügbaren Flatrate von 59 Euro zwischen 0,30 und 0,40 Euro/kWh. Das ist gerade einmal die Hälfte des kommenden Ionity-Tarifs. Doch von den Ionity-Beteiligten haben viele in den vergangenen Monaten darauf hingewiesen, dass die Phase des elektrischen Anfütterns beizeiten vorbei sein werde und der Strom wegen des großen Invests in Ladetechnik und Infrastruktur vorbei sei. Tesla erlaubte seinen frühen Kunden sogar das kostenlose Nachtanken an den Superchargern entlang der Autobahnen. Doch auch damit ist es vorbei.

Etwas überraschend, dass Ionity so früh die Preise um ein Vielfaches erhöht, denn der Elektrotrend mag weder in Deutschland noch in Europa so recht anspringen. Aktuell bietet Ionity - getragen von den genannten Autofirmen - rund 200 Ladestationen mit mehr als 860 Ladepunkten in 20 Ländern. Nur wenige der Ladesäulen bieten dabei die Hochgeschwindigkeitsladung mit bis zu 350 kW.