Wenn man die Jaguar-Umsatzzahlen liest, wird einem bisweilen ganz schwindlig. Vor fünf Jahren verkaufte der englische Sportwagen-Hersteller weltweit gerade mal 53.847 Fahrzeuge. Im letzten Jahr waren es dann schon 148.730 Autos. Das ist eine massive Steigerung. Damit diese Erfolgstendenz auch weiterhin anhält, müssen die Briten nachlegen, denn ein schickes Design, eine ordentliche Agilität, Tradition und der Sympathiefaktor reichen im Haifischbecken der Premium-Hersteller auf Dauer nicht. Vor allem beim Infotainment und der Menüführung hinken die Briten bei Audi und BMW hinterher. Allerdings macht Jaguar deutliche Fortschritte und jetzt kommt dieses neue bessere System mit dem Modelljahr 2018 auch in die Mittelklasse-Limousine XE, aber noch gibt es ein paar Schwächen.

Zum Beispiel wäre es hilfreich, wenn im Head-Up-Display die gestochen scharfe Graphik im Kreisverkehr auch die genaue Ausfahrt anzeigen würde und nicht nur eine Zahl. Allerdings wird das in dem Multifunktions-Bildschirm der Rundinstrumente und auf dem zehn Zoll Bildschirm (jetzt mit Dual View, also kann der Beifahrer etwas Anderes anschauen) getan. Doch dazu muss man den Blick etwas senken. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit kommt man auch mit der Bedienung des Jaguar-Infotainments gut zurecht. Dass bisweilen beim Koppeln des Handys statt des Namens des Telefons ein seltsamer Code auf dem Bildschirm erscheint, ist verschmerzbar.

Die Stärken des Jaguar XE sind andere. Der 184 kW / 250 PS Zweiliter-Motor der Ingenium-Baureihe hat auf der Einlassseite einen neuen vollvariablen elektrohydraulischen Ventiltrieb, bei dem für jeden Lastzustand, das ideale Luft-Benzin-Gemisch erzeugt werden kann. Und das bei jedem Verbrennungszyklus. Ergänzt wird das System durch einen Twin-Scroll-Turbolader, einen höheren Einspritzdruck von 200 bar und ein Thermomanagement mit einem im Zylinderkopf-intergrierten Auspuffkrümmer sowie einer variablen Wasser- und Ölpumpe. Das führt zu einem verbesserten Drehmomentverlauf, damit zu einer gleichmäßigeren Kraftentfaltung und natürlich zu weniger Verbrauch.

Hoher Spaßfaktor

Der beläuft sich 6,8 Liter pro 100 Kilometer, die maximale Geschwindigkeit auf 250 km/h und nach 6,2 Sekunden ist Landstraßentempo erreicht. Das maximale Drehmoment von 365 Newtonmetern steht zwischen 1.200 und 4.500 U/min parat. Das klingt nach sehr guter Fahrbarkeit. Diese Vermutung bestätigt sich auf in der Realität. Im Zusammenspiel mit der Achtgang-Automatik ist der Aluminium-Vierzylinder immer Herr der Lage und hat mit der 1.595 Kilogramm schweren Mittelklasse-Limousine wenig Probleme. Klar hat der 380-PS Sechszylinder mehr Wumms, aber mit dem neuen 250 PS-Motor ist man immer ausreichend motorisiert.

 

Auf kurvigen Landstraßen ist der Jaguar XE in seinem Element. Der hecklastig ausgelegte Allradantrieb signalisiert Sportlichkeit, die durch ein eifrig mitlenkendes Heck manifestiert. Die Kurvenfreude wird durch Torque Vectoring unterstützt. Das ergibt ein dynamisches Gesamtpaket, auch wenn in ganz seltenen Fällen in sehr engen Kurven ein leichtes Schieben über die Vorderräder mit einem Bremseingriff korrigiert werden muss. Die Lenkung ist präzise aber ein wenig, verschwiegen, was die Beschaffenheit des Belags angeht. Dazu kommt noch ein gut ausgewogenes Fahrwerk, dass zwar straff aber nicht unkommod ist. Der Spaßfaktor resultiert in einem Durchschnittsverbrauch von 9,4 Litern pro 100 Kilometer. Allerdings wurde dieser Wert auch ausschließlich auf Landstraßen mit einigen Beschleunigungen ermittelt.

Hinterm Lenkrad bereitet der BMW 3er-Konkurrent zweifelsohne gute Laune. Wenn man weiter nach hinten rückt, lässt die Freude etwas nach. Die Beinfreiheit im Fond ist gering und dass die Hutablage unten nach wie vor nicht verkleidet ist und Schrauben in den Kofferraum ragen, gefällt uns heute so wenig, wie beim ersten Fahrbericht. Zumal der Basispreis des Jaguar XE 25t AWD mit 49.260 alles andere als ein Geschenk ist. Apropos: Bei einer Probe-Konfiguration mit fast allen möglichen Extras kommt der Jaguar XE auf einen Preis von 74.553 Euro. Unter anderem sind ein Warndreieck (46 Euro) und ein Verbandskasten (54 Euro) nicht serienmäßig. LED-Licht ist gar nicht zu bekommen.