Es ist der Tacho, der sofort ins Auge fällt. Untypisch für einen britischen Gentleman. Denn die Geschwindigkeitsanzeige reicht bis 300 km/h. Bei Sportwagen sicher nichts Ungewöhnliches. Allerdings wird die Skalierung etwas ambitioniert, wenn man in Erwägung zieht, dass nicht der 550 PS V8-Kompressor beim Jaguar XJ50 unter der Motorhaube jubelt, sondern ein V6-Diesel. Ja, die Briten packen tatsächlich einen Selbstzünder in das Jubiläumsmodell, das den 50. Geburtstag der Luxus-Limousine zelebriert. Doch diese Wahl erweist sich als gelungen. Dank 221 kW / 300 PS Leistung und dem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmetern harmoniert das Triebwerk gut mit der Achtgangautomatik und verleiht dem immerhin 2.026 Kilogramm schweren Straßenkreuzer die nötige Souveränität, um unangestrengt über den Asphalt zu gleiten.

Auffällig ist, wie leise das Triebwerk seinen Dienst verrichtet, zudem hat man nie das Gefühl untermotorisiert unterwegs zu sein. Kleine Bewegungen des Gaspedals sofort in Beschleunigung umgesetzt. Nach 6,2 Sekunden sind 100 km/h erreicht und bei den üblichen 250 km/h ist Schluss, also deutlich unterhalb der 300 km/h, die der Tacho erlauben würde. Das Ganze benötigt einen Norm-Durchschnittsverbrauch von 7,2 l/100 km. Allerdings verliert das Fahrwerk bei sehr schlechten Straßen trotz des langen Radstands vom 3.16 Metern (12,5 cm mehr als beim Serien-XJ) etwas die Contenance. Ganz können auch die adaptiven Dämpfer das durchaus stattliche Gewicht von gut zwei Tonnen nicht kaschieren. Das zeigt sich auch, wenn es mal etwas schneller durch die Kurven geht, denn dann drängt die Masse der Zentrifugalkraft folgend über vier Räder nach außen und die Reifen kämpfen wimmernd um Traktion.

Doch der Jaguar XJ 50 definiert sich nicht über sportliche Richtungswechsel, sondern als komfortable Langstrecken Limousine. Zwar erreicht der Brite nicht den Komfort einer Mercedes S-Klasse, aber auf Autobahnen lässt es sich rechts hinten gemütlich und komfortabel reisen. Klar, merkt man der Modellreihe mit dem internen Code X351 die neun Jahre, die es mittlerweile auf dem Buckel hat, an und auch das Infotainment mit dem Zoll großen Monitor erreicht immer noch nicht den Standard der deutschen Premium-Konkurrenz. Doch bei einer britischen Luxuslimousine werden andere Maßstäbe angesetzt, als bei den gemeinen Fortbewegungsmitteln. Das Reisen soll möglichst würdevoll von statten gehen. Das geschieht auch: Der Dreiliter-Diesel hält sich auch bei höheren Tempo akustisch vornehm zurück, so dass man sich auch jenseits von 160 km/h entspannt unterhalten kann. Dank des langen Radstand geht es im Fond luxuriös geräumig zu.

Damit die feinen Herrschaften ungestört sind, sind die die hinteren Fensterscheiben natürlich abgedunkelt. Zudem bietet die Jubiläumsausgabe des XJ 50 für mindestens 98.050 Euro (Kurzversion: 94.650 Euro) einiges an Ausstattung: eine 360 Grad Kamera, einen adaptiven Tempomaten mit einem Stau-Assistenten, einen Toter-Winkel-Spurassistenten inklusive eines Kollisionswarnsystem, der sowohl bei bei Vor- und Rückwärtsfahrten, aktiv ist sowie ein Meridian Soundsystem, das einen satten Klang abliefert.

Speziell beim XJ50 sind bequeme Softgrain-Ledersitze, die ein Diamantenmuster ziert, silberne Schaltwippen, Edelstahl Pedale und ein XJ50 Emblem auf der Mittelarmlehne sowie leuchtende XJ50 Einstiegsleisten. Äußerlich ist der Jubilar lediglich an den schwarzen 20 Zoll-Felgen, dem schwarzen Kühlergrill und an den Emblemen an den seitlichen Lufteinlässen zu erkennen. Ziemlich zurückhaltend der britische Gentleman. Aber das erwartet man von einem echten Herrenbeschleuniger auch.